Lehrveranstaltungen im WS 97/98

Vorlesungen

Geschichte des Oratoriums, Do 11-13, Chr.-H. Mahling

Es soll ein Überblick über Gestalt und Entwicklung der Gattung gegeben werden. Der Schwerpunkt wird jedoch auf dem Oratorium des 18. und 19. Jahrhunderts, mit einem Ausblick auf das 20. Jahrhundert, liegen. Dabei wird auch die Diskusion um die Gestalt dieser Gattung im 19. Jahrhundert eine Rolle spielen.

Musikgeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts, Di 11-13, A. Beer

Die Vorlesung soll einen Überblick vermitteln über die wesentlichen musikalischen Gattungen und Komponisten im abendländischen Kulturkreis. Daneben wird auch die Frage nach der Funktion von Musik, ihrer gesellschaftlichen Einbindung und nach ihren Rahmenbedingungen gestellt werden. Die Vorlesung ist gedach als die erste von vier jeweils in den Wintersemestern zu haltenden Überblicksvorlesungen zur Musikgeschichte.

Proseminare

Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten (gedacht als Fortsetzung der Einführung in die Musikwissenschaft), Di 9-11, A. Beer

Das Proseminar ist als praktische Umsetzung dessen gedacht, was in der Übung Einführung in die Musikwissenschaft behandelt wird. Mit anderen Worten: Literatur und Quellen, die man vielfach nur vom Namen her kennt, sollen einmal wirklich und ernsthaft benutzt werden. Hierzu dient eine gemeinsame Aufgabe: Wir werden für die zweite Auflage der Enzyklopädie Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG) einen Artikel einer Neubearbeitung unterziehen; dieser wird dann auch in der neuen Fassung des Sachteils erscheinen. Darüber hinaus sollen natürlich auch grundsätzliche Fragen und Probleme – sie werden sich mit Sicherheit ergeben – besprochen werden. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Absolvierung der Übung Einführung in die Musikwissenschaft.

Richard Wagner und Frankreich, Do 15-17, A. Mungen

Bezüge zwischen Richard Wagners Werk und Biographie zu Frankreich und seinen bedeutenden Gattungen der Oper lassen sich vom Frühwerk des Komponisten (im Seminar wird Rienzi zur Sprache kommen) bis hin zur Zeit nach Wagners Tod feststellen (d'Indy, Chausson, Debussy). Gerade in Frankreich erlebte das Werk des Deutschen eine nachhaltige Wirkung in Musik- und Geistesgesdchichte, für den der Begriff des Wagnérisme einsteht. Ob die Beeinflussung der französischen Oper als grundlegend für das Schaffen des deutschen Komponisten zu beschreiben ist und zugleich die bedeutende Rezeption Wagners in Frankreich als Beleg für einen tiefer gehenden Bezug einsteht, ist anhand von ausgesuchten Beispielen zu untersuchen. Zudem wird es in Nebenaspekten um die Wechselwirkung von Wagners theoretischem Werk zu seinem Schaffen für das Musiktheater sowie um Fragen seiner politisch inspirierten Musikgeschichtsschreibung – an der Wagner sich selbst mit seinem theoretischen Werk nicht unwesentlich beteiligte – gehen.

Musikalische Gattungen in Europa und Asien, Mi 13-15, G. Schwörer-Kohl

Leider keine genauen Inhalte bekannt (ggf. Absprache mit der Dozentin oder nach Aushang am Schwarzen Brett)!

Einführung in die musikalische Analyse: Die Sinfonien von Joseph Haydn, Mi 11-13, U. Kramer

Vorrangiges Ziel des Seminars ist es, denjenigen unter den Studierenden, die im Umgang mit konkreten Notentexten noch wenig Erfahrung haben, Einstiegs- und Orientierungshilfen zu geben. Vor dem Hintergrund der beiden wichtigsten Theorien der Sonatenformen von Heinrich Christoph Koch und Adolf Bernhard Marx sollen gemeinsam ausgewählte Beispiele Haydnscher Symphonien analysiert werden. Die Werkauswahl bemüht sich darum, einen Längsschnitt durch das sinfonische Oeuvre des Komponisten zu präsentieren. Darüber hinaus ist als Exkurs auch eine Sitzung geplant, die sich dem Interpretationsvergleich mehrerer Einspielungen widmet.Als Leistungsnachweis für einen benoteten Schein ist eine Abschlußklausur vorgesehen.

Einführung in die Musikpsychologie, Di 16-18, H. Kupper

Die Musikpsychologie befaßt sich mit den psychischen faktoren für Ursachen und Wirkung musikalischen Verhaltens: Prozesse und Strukturen, die mit dem Erkennen zusammenhängend, wie Vorstellung, Beurteilung, Gedächtnis, Erinnerung und Lernen. Sie ist durch vielfältige Überschneidungen mit anderen Disziplinen verbunden (z. B. Physik, Physiologie, Ästhetik, Pädagogik) und durch deren Methoden und Fragestellungen beeinflußt. Themen zur Musikalität, Talent, Motivation, Kreativität, Einstellung und Urteil, musikalische Entwicklung etc. werden von den Teilnehmern individuell anhand vorgegebener Literaturquellen angefaßt und jeweils in einem Referat (ca. 1-1, Std.) präsentiert. Die schriftliche Dokumentation ist Voraussetzung für die Erlangung einer benoteten Teilnahmebescheinigung.

Hauptseminare

Musikrezeption und -Vermittlung in Printmedien des 19. und 20. Jahrunderts, Di 16-18, Chr.-H. Mahling

Anhand ausgewählter Beiträge aus Musikzeitschriften des 19. und 20. Jahrhunderts – aber auch ausgewählter Artikel in den Feuilletons großer Tageszeitungen – sollen Formen der Musikrezeption und -vermittlung, ihre Entwicklung und Veränderung sowie ihre ästhetischen Begründungen untersucht werden.

Schreiben nach der "Kunstperiode" – Heinrich Heine zwischen Artistik und Engagement, Di 14-16, Chr.-H. Mahling, E. Rotermund, J. Zimmermann

Das Seminar soll Fragen der Kunsttheorie, Literaturwissenschaft und Musikwissenschaft interdisziplinär miteinander verschränken. Dabei gilt die Aufmerksamkeit vor allem den ästhetisch-kritischen Schriften mit ihrer spezifischen Sicht auf Musik, Literatur, bildende Kunst und Philosophie im spannungsreichen deutsch-französischen "Transfer". Lit.: TB-Ausgabe der Werke Heinrich Heines, hrsg. von Klaus Briegels; Ralf Schnell, Heine zur Einführung, Hamburg 1996)

Das Madrigal im 16. Jahrhundert, Mo 11-13, A. Beer

Es soll versucht werden, Licht in die gewaltige Fülle der Madrigalproduktionen jener Zeit zu bringen, wobei Probleme der Textausdeutung, der musikalischen und formalen Entwicklung, der Ausprä von Individual- und Lokalstilen ebenso zur Sprache kommen werden wie der soziologische Kontext, ohne den die "Gesellschaftskunst" Madrigal nicht zu denken ist.

Paris, London, Wien: Musikkulturen um 1800, Mi 15-17, K.Kuegle

Anahnd der drei Metropolen sollen Zusammenhänge zwischen der Morphologie des Einzelwerks, der Gattungsgeschichte, der jeweiligen lokalen Tradition, dem sozialen Umfeld und den zeitgenössischen gesellschaftlichen-politischen Rahmenbedingungen am Beispiel von Musik der Zeit um 1800 vergleichend untersucht werden. Ziel ist, die Konturen eines Gesamtbildes dieses Augenblicks in der europäischen Musikgeschichte unter Berücksichtung der zwischen den drei Städten bestehenden Wechselwirkungen nachzuzeichnen. Dabei werden auch interdisziplinäre (vor allem aus der angelsächsischen Musikforschung entlehnte) Ansätze vorgestellt und in die Arbeit des Seminars einbezogen; der Begriff einer "Wiener Klassik" wird nach seiner Genese hinterfragt.

Deutsche Orgelmusik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Do 13-15, R. Walter

Leider keine genauen Inhalte bekannt (ggf. Absprache mit dem Dozenten oder nach Aushang am Schwarzen Brett)!

Übungen

Formenlehre: Vokale Großformen, Mo 16.30-17.15, St. Münch

Formmodelle und -verläufe in Oper und Oratorium. Im Vordergrund steht die analytische Arbeit am Einzelwerk selbst, wobei der Weg von klassischen Mustern der Formerfüllung zu individuellen Lösungen fortschreitet. Literatur wird im einzelnen noch bekanntgegeben; zur Einübung kann dienen: Clemens Kühn, Formenlehre, dtv/Bärenreiter: München und Kassel 1987

Harmonielehre I, Mo 13.45-14.30, St. Münch

Praxis und Terminologie des vierstimmigen Vokalsatzes (Harmonisierung von Melodien im Bereich der Hauptfunktionen). Begleitende Literatur zum Nachlesen, Vertiefen und kritischen Vergleichen: Wilhelm Maler, Einführung in die dur-moll-tonale Harmonielehre (eine systematisch angelegte Harmonielehre), Diether de la Motte, Harmonielehre (eine historisch angelegte Harmonielehre), Thomas Krämer, Harmonielehre im Selbststudium, Wiesbaden 1991 (gutes Arbeitsbuch mit Aufgaben- und Lösungsteil), Walter Salmen und Norbert J. Schneider (Hrsg.), Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lehren und Lernen, Innsbruck 1987, S. 19-39 u. 143-185.

Kontrapunkt I, Mo 14.30-15.15, St. Münch

Die Übung folgt methodisch zunächst der üblichen Ordnung im Erlernen der kontrapunktischen Satztechnik, wie sie seit J. J. Fux praktiziert wird (für Kurs I: Melodiebau und 2stimmiger Satz), orientiert sich stilistisch jedoch ausschließlich und streng (im Gegensatz zu Fux) an der Satzweise von G. P. da Palestrina. Dietrich Manicke, Der polyphone Satz. Teil 1: Grundlagen und Zweistimmigkeit, Köln 1965, Dieter de la Motte, Kontrapunkt, Walter Salmen und Norbert J. Schneider (Hrsg.), Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lehren und Lernen, Innsbruck 1987, S. 41ff., zur Vertiefung von Spezialfragen: Knud Jeppesen, Kontrapunkt u. a.

Kontrapunkt III, Mo 15.45-16.30, St. Münch

Basierend auf den in den Kursen I und II erworbenen satztechnischen Kenntnissen zum Palestrina-Stil sollen drei- und vierstimmige Sätze in den üblichen vokalen und instrumentalen Formen (Liedsatz; Motette; Kanon; Invention; Fuge etc.) geübt werden. Literatur: vgl. zu Kontrapunkt I, sowie Dietrich Manicke, Der polyphone Satz. Teil II: Drei- und Mehrstimmigkeit, Köln 1979

Gehörbildung II, Mo 13-13.45, St. Münch

Training des erkennenden Hörens musikalisch relevanter Ordnungszusammenhänge in folgenden Abteilungen: Rhythmus, Intervalle simultan/sukzessiv im nicht-tonalen Kontext, Akkordhören (Funktionenhören, Akkordaufbau, Akkordverbindungen), tonales (Stufen-)Hören mit chromatischen Zwischenstufen. Literatur zum eigenen Üben: Wolfgang Breuer, Gehörbildung. Arbeitsheft, Literaturbeispiele, Cassetten, Clemens Kühn, Gehörbildung im Selbststudium, Kassel/München 1983, Roland Mackamul, Lehrbuch der Gehörbildung, Band 1: Elementare Gehörbildung, Kassel 1969

Instrumentation, Mo. 17.15-18.00, St. Münch

Praktische Übungen zum orchestralen und kammermusikalischen Satz. Begleitend hierzu musikgeschichtliche Übungen zu Orchestertypen und deren Besetzungen sowie zur Instrumentationslehre im 18.-20. Jahrhundert. Literatur wird in der Veranstaltung genannt.

Generalbaß I, Mo 8.s.t.-8.45 Kurs A, Mo 9.30-10.15 Kurs B, B. Zosel

Zur Zeit liegen leider noch keine genauen Angaben zu Inhalten und didaktischen Vorgehensweisen vor.

Partiturspiel II, Mo 8.45-9.30 Kurs A, Mo 10.15-11.00 Kurs B, B. Zosel

Zur Zeit liegen leider noch keine genauen Angaben zu Inhalten und didaktischen Vorgehensweisen vor.

Notationskunde II, Mi 9-11, St. Münch

Notation des 15. und 16. Jahrhunderts (weiße Notation). Tabulaturen. Notation im 20. Jahrhundert an ausgewählten Beispielen. Literatur: Willi Apel, Die Notation der polyphonen Musik 900-1600, Leipzig 1962

Einführung in die Musikwissenschaft, Fr 9-11, K. Pfarr

Die Übung wendet sich insbesondere an Studienanfänger. Wir werden uns mit folgenden Themen beschäftigen: Überblick: Entwicklung und Gegenstand des Fachs Musikwissenschaft, Arbeitsfelder und -methoden. Kennenlernen wichtiger Hilfsmittel, u.a. Nachschlagewerke, Bibliographien; Handbücher, Editionsreihen; Umgang mit Bibliothekskatalogen. Technik des wissenschaftlichen Arbeitens: Literaturrecherche, Zitieren, Anlage einer schriftlichen musikwissenschaftlichen Hausarbeit. Anforderungen für einen qualifizierten Schein: Klausur, Übungsaufgaben.

Literatur:

  • Carl Dahlhaus (Hrsg.), Einführung in die systematische Musikwissenschaft (= Musik-Taschenbücher Theoretica 10), Köln 1971.
  • Carl Dahlhaus (Hrsg.), Einführung in die systematische Musikwissenschaft (=Musiktaschenbücher Theoretica 10), Köln 1971.
  • Karl Gustav Fellerer, Einführung in die Musikwissenschaft, 2., neubearb. u. erw. Aufl., Berlin 1953.
  • Heinrich Husmann, Einführung in die Musikwissenschaft (= Taschenbücher zur Musikwissenschaft 40), 4. Aufl., Wilhelmshaven 1991.
  • Konrad Küster, Studium: Musikwissenschaft, (= UTB für Wissenschaft; Uni-Taschenbücher 1905), München 1996.
  • Heinz Lanzke, Wo finde ich Informationen über Musik, Noten, Tonträger, Musikliteratur, Bd. 1, Berlin 1990.
  • Kurt Oehl und Kristina Pfarr, Musikliteratur im Überblick. Eine Anleitung zum Nachschlagen. Darmstadt 1988.
  • Nicole Schwindt-Gross, Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel - Techniken - Aufgaben (= Bärenreiter Studienbücher Musik 1), Kassel usw. 1992.

Musik und Medien I, Fr 11-13, A. Bierbaum, R. Seiberts, T. Untucht

Nachdem im Sommersemester 1997 erste Grundlagen in Sachen Aufnahmetechnik besprochen wurden, woll im Wintersemester die Möglichkeit geschaffen werden, in größerem Rahmen (und mit einem gewissen Praxisbezug) fiktive Radiosendungen anzufertigen. Wie schon vor einigen jahren wird uns für dieses Semester Angelika Bierbaum, früher Musikredakteurin bei S2 Kultur, mittlerweile Wellenchefin bei hr2, im Rahmen eines Lehrauftrages zur Verfügung stehen. Der genaue Ablauf der Übung wird noch mit ihr abzuklären sein – geplant ist folgendes: Frau Bierbaum wird aus der Praxis berichten und verschiedene Formen der Musikvermittlung im Rundfunk vorstellen. In Kleingruppen sollen eigene Beiträge (auch weitergehend in Richtung Hörspiel, Feature, etc.) erstellt werden und zum Abschluß des Semesters gemeinsam mit Frau Bierbaum diskutiert erden. (Die erfolgreiche Teilnahme an der Einführung in die Akustik stellt keine Voraussetzung für diese Übung dar.) Weitere Informationen in der ersten Sitzung.

Kabarettstudien, Mo 10-11 und 2mal ganztags n. V., alter Musiksaal im Forum, A. v. Lukas, Beginn: 31. Oktober 1997, Anmeldung: ab sofort im Gesangbucharchiv, Forum 3, 00-329

Das Kabarett wurde als literarisch-musikalische Kleinkunstform, die sich satirisch politischer und gesellschaftlicher Probleme annimmt, von der Wissenschaft lange ignoriert. Dabei bietet es Literatur- Theater-, Politik- und Musikwissenschaftlern ein reiches Betätigungsfeld. Diese Übung soll, über die interdisziplinären Untersuchungsansätze hinaus, einen praktischen Einstieg in die Materie bieten. Zunächst werden die verschiedenen Ausformungen des Kabaretts (literarisches, politisches Kabarett, Musik-, und Kirchenkabarett...), analysiert. Der Besuch einer Veranstaltung im Unterhaus soll die besondere interaktive Bühnensituation im Kabarett zeigen, ohne die man diese Theaterform nicht adäquat analysieren kann. Der Auftakt des zweiten Teils bildet ein Werkstattgespräch mit einem Kabarettisten (voraussichtlich Christof Stählin), an das sich eine Schreibwerkstatt anschließt. Ziel dieses Teils ist die Ausarbeitung eines Kabarettprogramms. Literarische und musikalische Mittel (Parodie, Travestie, Ironie...) können hier ausprobiert werden. Ausgehend von einem Workshop mit dem Theater und Kabarettautor, Regisseur und Schauspieler Peter Ensikat (z.Z. u.a. Texter für Distel) soll dann das erarbeitete Programm am Ende des Semesters auf die Bühne gebracht werden. Als Einführung in die Thematik kann das Schmökern in folgenden Büchern dienen: Klaus Budzinski, Werlacht denn da? Kabarett von 1945 bis heute. Braunschweig 1989; Reinhard Hippen: Das kabarett-Chanson. Typen-Themen-Temperamente, Zürich 1986; ders., Es liegt in der Luft. Kabarett im Dritten Reich, Zürich 1988; Volker Kühn (Hrsg.), Kleinkunststücke. Eine Kabarett-Bibliothek in fünf Bänden, Weinheim, Berlin 1987-89. Scheinerwerb ist nicht möglich!