Wintersemester 2010/2011

Lehrangebote vergangener Semester

Übersichtsplan

Vorlesung - Proseminar - Hauptseminar - Oberseminar - Übung

 

 

Zeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
8.00

 

Form und Analyse Musikalische Konzepte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Historische Satzlehre II   Das Streichquartett - Zum ästhetischen und kompositonstechnischen Anspruch der Gattung
9.00

 

10.00

 

Musikgeschichte im Überblick II Reggae, Rumba, Rock und Rap - Westliche Musikstile in Afrika, afrikanische Musikstile im Westen Quellen- und Handschriftenkunde Historische Satzlehre III Popmusik und musikalische Analyse Einführung in die Musikwissenschaft B
11.00

 

12.00

 

Proseminar zur Vorlesung Musikgeschichte im Überblick II Musikalische „années folles“. Musik und Intermedialität bei Erik Satie und dem „Groupe de Six“ Form und musikalischer Satz Musik-
repräsentationen: MIDI, Partituren und andere Codes
Einführung in die mathematische Musiktheorie Der 'ridotto' des Grafen Mario Bevilacqua
13.00

 

14.00

 

Historische Satzlehre IV In Arkadien: Italienische Vokalmusik um 1700 Oberseminar Studio-Software Super-Collider Einführung in die Musikwissenschaft A Der „Micrologus“ des Guido von Arezzo und die Situation der Musiktheorie im frühen 11. Jahrhundert Quellenstudien zur Musik der Renaissance
15.00
16.00

 

Musik und Politik in der Frühen Neuzeit Filmmusik Historische Satzlehre I „Ein Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt.“ Felix Mendelssohn Bartholdy und die Musik seiner Zeit Wie klingt eine Ampel auf die 4-und? - Musik- und Soundkonzepte in Film, Video und Theater
17.00

 

18.00 Proseminar zur Vorlesung „Musik und Politik in der Frühen Neuzeit“ Schubertforschung - Fragestellungen und Methoden Partiturspiel Praxisfelder der Musikwissenschaft: Musikjournalismus
19.00  

 

Vorlesungen

Musikgeschichte im Überblick II, A. Beer
2-std., Mo 10:15-11:45

Die Vorlesung umfasst den Zeitraum von etwa 1400 bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Es geht hierbei um die wesentlichen Stationen der mitteleuropäischen Musikgeschichte, um Zusammenhänge, Namen, Gattungen, Institutionen und auch um übergreifende kulturgeschichtliche Bezüge, von denen man wenigstens einmal etwas gehört haben muss. Daneben soll die Vorlesung zu selbständiger Vertiefung anregen, zumal in den etwa 14 Sitzungen wirklich nur ein Überblick gegeben werden kann. Der Besuch des sich anschließenden Proseminars zum gleichen Thema wird empfohlen und vor allem denjenigen Studierenden nahegelegt, die sich über die Vorlesung prüfen lassen wollen. Offiziell angemeldete GasthörerInnen sind willkommen.

Musik und Politik in der Frühen Neuzeit, K. Pietschmann
2-std., Mo 16:15-17:45

Der politische Charakter von musikalischer Praxis im höfischen Bereich der Frühen Neuzeit erscheint immer da evident, wo Texte das Anliegen explizit machen. In Staatsmotetten und Festopern hat die Musik zweifellos die zentrale Funktion, diese Botschaften zu transportieren und zu überhöhen. Neben Beispielen für dieses plakative Verhältnis von Musik und Politik werden in der Vorlesung jedoch zugleich subtilere Formen musikalischer Herrschaftssymbolik zu thematisieren sein, die sich etwa der transzendenten Konnotation von Vokalpolyphonie im spätmittelalterlichen Gottesdienst bedienen und diese zur Sakralisierung weltlicher Herrschaft einsetzen. Von diesen Ausflüssen spätmittelalterlicher Frömmigkeit soll der Bogen bis hin zu den Formen musikalischer Identitätsstiftung gespannt werden, mit denen das österreichische Kaisertum unter dem Eindruck der französischen Revolution den gewandelten gesellschaftlichen Verhältnissen Rechnung trug.

Literatur:

Florence Alazard: rt vocal, Art de gouverner. La musique, le prince et la cité en Italie à la fin du XVIe siecle, Paris-Tours 2002.

 

Claudio Annibaldi (Hrsg.): La musica e il mondo. Mecenatismo e committenza musicale in Italia tra Quattro e Settecento, Bologna 1993.

 

Dietrich Helms: Heinrich VIII. und die Musik, Eisenach 1998.

 

Lorenzo Bianconi, Thomas Walker: Production, Consumption and Political Function of Seventeenth-Century Opera, in: Early Music History 4 (1984), 209-296.

 

Martha Feldman: Opera and sovereignty: Transforming myths in eighteenth-century Italy, London 2007.

Filmmusik, C. Hust
2-std., Di 16:15-17:45

Ziel der Vorlesung ist es, zwar nicht „die“, aber doch „eine“ Geschichte der Filmmusik zu skizzieren. Schwerpunkte werden auf der Geschichte des „Stumm“- und frühen Tonfilms sowie auf der Herausbildung von Genrekonventionen liegen. Dabei werden wir am Rande auch andere Möglichkeiten medialer Einsätze von Musik streifen.

Auch wenn der Forschungsstand nicht mehr aktuell ist, sei als Überblick das Buch „Film Music, A Neglected Art: A Critical Study of Music in Films“ von Roy M. Prendergast zur Anschaffung empfohlen (2. Aufl., New York / London 1992).


Proseminare

Reggae, Rumba, Rock und Rap - Westliche Musikstile in Afrika, afrikanische Musikstile im Westen, H. Dorsch
2-std., Mo 10:15-11:45

Im Rahmen des Magisterstudiengangs Ethnologie hat diese LV die Studienordnungsnummer E 15.

Dieses Proseminar steht auch Studierenden der Musikwissenschaft offen.

Kleingruppen werden Referate zu einzelnen Musikstilen erarbeiten. Zusätzlich werden grundlegende Texte vorbereitend gelesen und gemeinsam diskutiert.

Popmusikalische Stile in Afrika sind seit jeher stark von „westlichen“, also europäischen und amerikanischen Vorbildern geprägt - umgekehrt lassen sich Genealogien westlicher Stile konstruieren, die auf afrikanische „Ursprünge“ verweisen. In diesem Seminar werden transatlantische und transmediterrane Beeinflussungen, Aneignungen und Übernahmen, der Begriff der Popmusik, und auch die Perspektive westlicher (Kultur- und Musik-) Wissenschaft auf afrikanische Musik kritisch diskutiert.

Literatur:

Agawu, Kofi 2003: Representing African Music - Postcolonial Notes, Queries, Positions. New York: Routledge.

Proseminar zur Vorlesung Musikgeschichte im Überblick II, A. Beer
2-std., Mo 12:15-13:45

Ziel des Proseminars ist die Vertiefung ausgewählter, in der Überblicksvorlesung (siehe dort!) nur zu streifender Aspekte mit Hilfe des Referats und der Diskussion, die auch Aspekte des wissenschaftlichen Arbeitens berücksichtigen und thematisieren wird.

Die Referatthemen werden rechtzeitig ausgehängt.

Proseminar zur Vorlesung „Musik und Politik in der Frühen Neuzeit“, K. Pietschmann
2-std., Mo 18:15-19:45

Der politische Charakter von musikalischer Praxis im höfischen Bereich der Frühen Neuzeit erscheint immer da evident, wo Texte das Anliegen explizit machen. In Staatsmotetten und Festopern hat die Musik zweifellos die zentrale Funktion, diese Botschaften zu transportieren und zu überhöhen. Neben Beispielen für dieses plakative Verhältnis von Musik und Politik werden in der Vorlesung jedoch zugleich subtilere Formen musikalischer Herrschaftssymbolik zu thematisieren sein, die sich etwa der transzendenten Konnotation von Vokalpolyphonie im spätmittelalterlichen Gottesdienst bedienen und diese zur Sakralisierung weltlicher Herrschaft einsetzen. Von diesen Ausflüssen spätmittelalterlicher Frömmigkeit soll der Bogen bis hin zu den Formen musikalischer Identitätsstiftung gespannt werden, mit denen das österreichische Kaisertum unter dem Eindruck der französischen Revolution den gewandelten gesellschaftlichen Verhältnissen Rechnung trug.
Im begleitenden Proseminar sollen die einzelnen Stationen der Vorlesung anhand von exemplarischen Werk- und Quellenbetrachtungen vertieft werden.

Musikalische „années folles“. Musik und Intermedialität bei Erik Satie und dem „Groupe de Six“, F. Kolb
2-std., Di 12:15-13:45

»Auf die Straße gehen!«, lautete eine der zentralen Devisen, in denen sich nach dem Ersten Weltkrieg in Paris die Aufbruchsstimmung des »esprit fondateur« (Gründergeists) mit dem Impetus einer musikgeschichtlichen Revolte bahnbrach. Was Komponisten wie Erik Satie und der sogenannte ›Groupe des Six‹ (Georges Auric, Louis Durey, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Francis Poulenc und Germaine Tailleferre) forderten, war eine unmittelbar zugängliche, verständliche Alltagskunst, die bewusst Variété-, Zirkus-, Music Hall- und Jazz-Elemente integrieren müsse, um sich – »fest auf der Erde stehend« und mit Rückhalt im Trivialen und Populären – radikal vom gleichermaßen als überladen und verschwommen charakterisierten Wagnerismus und Impressionismus zu emanzipieren. Bilderstürmerisch, exzentrisch und medienwirksam lanciert wandten sie sich gegen jede Form von Konvention, Establishment und Stagnation zugunsten einer in ihren Augen dezidiert französischen, von ausländischen Überfremdungen befreiten Musik. Unter dem Leitbild des »dépouillement«, des Herunterbrechens der Musik aufs Essentielle, gelte es, das ästhetische Konzept einer künstlerischen Sublimierung des Banalen, einer augenzwinkernden Ironie und Simplizität ins Werk zu setzen und dabei innovative Berührungspunkte zu anderen avantgardistischen Künsten – namentlich zur modernen Malerei, zur zeitgenössischen Literatur und zum fortschrittlichen (Ausdrucks-)Tanz – zu suchen. Eklektisch-synästhetische Vorstellungen im Sinne intermedialer Wechselwirkungen seien essentiell, um einer »französischen Musik Frankreichs« den Weg zu ebnen.
Dieser höchst spannenden, provokativ-visionären Aufbruchsästhetik bzw. ihren kompositorischen Realisierungen möchte sich dieses Seminar widmen. Ins Blickfeld rücken dabei die Verdienste dieser turbulenten Zeit um die Integration von Humor, Amüsement und Elementen der Unterhaltungskunst in die ›ernste Musik‹, die Vorstöße in Richtung einer Kultivierung des Trivial-Alltäglichen, Reduktionistischen und Beiläufig-Lakonischen sowie insbesondere das Bestreben um die permanente Öffnung der Musik hin zu den progressiven Tendenzen anderer experimenteller Kunstgattungen.

Literatur:

Theo Hirsbrunner, Jean Cocteau, Erik Satie und die »Groupe des Six«, in: Die Musik der Moderne, hrsg. von Matthias Brzoska und Michael Heinemann, Laaber 2001 (Die Geschichte der Musik 3), S. 216-230.

 

Roger Nichols, The harlequin years: Music in Paris 1917–1929, London 2002.

 

Jane F. Fulcher, The composer as intellectual: Music and ideology in France 1914-1940, New York 2005.

Schubertforschung - Fragestellungen und Methoden, K. Pietschmann
2-std., Di 18:15-19:45

Am Beispiel der Schubertforschung führt dieses Proseminar in die Fragestellungen und Methoden des Faches Musikwissenschaft ein. Im Zentrum stehen daher weniger „Leben und Werk“ des Komponisten, sondern die wissenschaftlichen Fragen und Herangehensweisen an eine zentrale Komponistenpersönlichkeit der europäischen Musikgeschichte. Unter anderem werden folgende Themenbereiche in den Blick zu nehmen sein: Biographik, Quellenkunde und Editionspraxis, Gattungsgeschichte, Rezeptionsforschung, Genderforschung, Aufführungspraxis, Ikonographie.

Literatur:

Schubert-Handbuch, hrsg. von Walther Dürr u.a., Kassel 1997.

Popmusik und musikalische Analyse, P. Niedermüller
2-std., Do 10:15-11:45

Die Anmeldung zu dieser Lehrveranstaltung ist erst ab Anfang Oktober möglich!!!

Voraussetzungen für den Besuch sind hervorragende Englischkenntnisse, ebenso hervorragende Kenntnisse der allgemeinen Musiklehre und zumindest Grundlagenkenntnisse in der musikalischen Analyse. Die Lektüre des Aufsatzes von Dai Griffiths (siehe empfohlene Literatur) vor (!!!) der ersten Sitzung ist obligatorisch.

Theodor W. Adornos Diktum über den Jazz, dieser zeige eine streng stereotype musikalischen Gestalt, die ihn zur Ware und nicht zum Kunstwerk mache (etwa Gesammelte Schriften 17, S. 77 f.), strahlt bis heute auch im erheblichen Maße auf die Diskussion über Rock- und Popmusik aus. Allerdings ist der Gedanke, der Schematismus vieler Popstücke führe jede Diskussion über deren musikalische Gestalt ad absurdum, nicht grundsätzlich evident. Zum einen wird in intellektualisierten Nischen (wie dem Extremfall des Math Rock) hohe musikalische Komplexität angestrebt. Zum anderen ist grundsätzlich die Frage zu stellen, ob nicht eine Weitung des analytischen Fragestellung über die Satztechnik hinaus (etwa auf Sound und Performanz) dem Wesen der Sache gerechter wird. Gegenstand des Seminars sind die in der Musikwissenschaft versuchten Ansätze zur Analyse von Popmusik. In den Referaten soll deren Methoden vorgestellt werden, und sie sollen hinsichtlich ihres Erkenntniswertes diskutiert werden.

Literatur:

Dai Griffiths, „The High Analysis of Low Music“, in: Music Analysis 18 (1999), S. 389-345.

 

Richard Middleton, Studying Popular Music, Milton Keynes und Philadelphia 1990.

Der 'ridotto' des Grafen Mario Bevilacqua, T. Hindrichs
2-std., Fr 12:15-13:45

Als Mitglied und ab 1582 auch „padre“ der Accademia Filarmonica von Verona richtete Graf Mario Bevilacqua nahezu zeitgleich in seinem Privatpalast den sogenannten ‚ridotto’ für musikalische Akademien ein. Indem Bevilacqua hierfür nicht nur mehrere Musiker fest einstellte, sondern darüberhinaus zahlreiche Komponisten von Rang dorthin einlud, gelang es ihm, den ‚ridotto’ während der 1580er zu einem der Zentren des europäischen Musikdiskurses der Zeit zu machen.
In diesem Seminar soll es neben einer musikhistorischen Kontextualisierung des ‚ridotto’ vor allem um die Beschäftigung mit Pietro Pontios „Ragionamento di musica“ gehen, ein musiktheoretischer Lehrtext, für den Pontio nicht nur den ‚ridotto’ als „Ort des Geschehens“ wählte, sondern in dem unter Umständen sogar das musiktheoretische Programm des ‚ridotto’ formuliert sein könnte. Ob und inwiefern eine solch unterstellte musiktheoretische Programmatik haltbar ist, wird mit Hilfe einer eingehenden Lektüre des „Ragionamento“ zu überprüfen sein.

Unbedingte Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar sind wenigstens rudimentäre Kenntnisse der italienischen und lateinischen Sprache.
Studierende mit Magister-Hauptfach können in diesem Seminar dementsprechend einen sogenannten „Lektüreschein“ erwerben.

Zur Vorbereitung lesen Sie bitte die beiden nachfolgend genannten Artikel zu Mario Bevilacqua und machen sich außerdem mit Pontios „Ragionamento“ vertraut:

Bernhard Janz: Mario Bevilacqua, in: MGG2P, Band 2, Kassel usw., Stuttgart: Bärenreiter, Metzler 1999, Sp. 1533f.
Enrico Paganuzzi: Mario Bevilacqua, in: NGroveD 2001, Band 3, London usw.: Macmillan 2001, S. 497.
Pietro Pontio: Ragionamento di Musica, Parma: Viotto 1588, hrsg. v. Suzanne Clercx, Kassel usw.: Bärenreiter 1959 (= Documenta Musicologica 1, XVI).

Einführung in die mathematische Musiktheorie, A. Gräf
2-std., Do 12:15-13:45

In diesem Proseminar untersuchen wir die Frage, wieviel Mathematik in der Musik steckt. Nicht umsonst galt die Musik in der Antike als mathematische Disziplin. Mathematische Konzepte und Verfahren finden sich in der Definition musikalischer Skalen und Rhythmen, in den aleatorischen Kompositionsverfahren des Barock bis hin zur zeitgenössischen Musik, und natürlich auch in modernen musiktheoretischen Ansätzen, die sich die formale Beschreibung musikalischer Elemente und Strukturen zum Ziel gesetzt haben.

Themen- und Literaturliste werden in der ersten Veranstaltung verteilt.


Hauptseminare

Musikalische Konzepte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, A. Beer
2-std., Di 8:15-10:45

Die musikgeschichtliche Situation der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts ist zum einen geprägt von der Fortführung und mäßigen Erweiterung traditioneller Kompositionstechniken (das, was man gemeinhin als „spätromantisch“ bezeichnet und nicht selten verächtlich macht) und zum andern von zahlreichen innovativen Versuchen, aus der Traditionsgebundenheit auszubrechen. „Atonalität“ und Zwölftontechnik (vielfach als repräsentativ und maßstabgebend für jene Zeit gedeutet) sind hierbei nur die Spitze des Eisbergs. Das Seminar soll einen Überblick verschaffen über unterschiedliche Techniken und Herangehensweisen, die jeweils zugrundeliegende Motivation und theoretischen Fundierung, weiterhin über die führenden Köpfe, deren Kontroversen sowie auch über vermeintlich weniger relevante Bereiche wie Jugend- und Orgelbewegung.
Ausgangspunkt für die Arbeit werden in erster Linie zeitgenössische Quellen sein. Zur Vorbereitung lesen Sie bitte Paul Bekkers Das deutsche Musikleben.
Die Referatthemen werden rechtzeitig ausgehängt.

In Arkadien: Italienische Vokalmusik um 1700, K. Pietschmann
2-std., Di 14:15-15:45

Die Gründung der Accademia dell’Arcadia in Rom im Jahre 1690 markiert einen Wendepunkt der italienischen Musikgeschichte. Die italienische Dichtung und ihr Verhältnis zur Musik wurden grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt und auf eine klassische Simplizität zurückgeführt. Die Folgen waren insbesondere für Gattungen wie die Oper und die Kantate, weitergehend aber auch das Oratorium gravierend und führten zu einer Formalisierung, deren innovatives Potential aus der Perspektive einer vom romantischen Kunstverständnis geprägten Musikforschung lange verkannt bzw. missverstanden wurde. Die nicht zuletzt hieraus resultierende „Verspätung“ der Aufarbeitung der überaus umfangreichen erhaltenen Quellenbestände stellt nach wie vor eine Herausforderung für die Beurteilung des musikalischen Repertoires dar. Im Seminar wird dieser Problematik ebenso wie dem grundlegenden musikgeschichtlichen Wandel anhand ausgewählter Beispiele nachgegangen, wobei auch die Reflexe der Kompositionspraxis auf die kulturellen Rahmenbedingungen besonders berücksichtigt werden sollen.

Literatur:

Silke Leopold, Die Oper im 17. Jahrhundert (=Geschichte der Oper, hrsg. von ders., Bd. 1), Laaber 2006, S. 337–378.

Musikrepräsentationen: MIDI, Partituren und andere Codes, A. Gräf
2-std., Mi 12:15-13:45 (Pfeifferweg 12)

Formale Repräsentationen von Musik bilden die Grundlage einer Vielzahl von Anwendungen des Computers in Musik und Musikwissenschaft, z.B. in der Sequencer-Technik und der Computer-gestützten Notation, bei der musikalischen Analyse, bei der Archivierung von Partituren und in modernen algorithmischen Kompositionstechniken. Die Vielfalt der Anwendungen und die Komplexität von Musik-Notationen hat die unterschiedlichsten Datenformate hervorgebracht, von einfachen Steuerinformationen (MIDI, OSC) über mehr oder weniger standardisierte Formate für Datenaustausch und Archivierung (NIFF, SMDL, MusicXML) und spezielle Notations-Sprachen (DARMS, Lilypond) bis hin zu interaktiven graphischen Partituren (z.B. Pd) und abstrakten mathematischen Repräsentationen (z.B. Chomsky-Grammatiken und geometrische Darstellungen). Im Seminar betrachten wir Genealogie, Aufbau und Anwendung einiger typischer Musikrepräsentationen. Wir untersuchen dabei auch die Möglichkeiten und Grenzen moderner Notations-Software und lernen aktuelle Probleme in der einschlägigen Forschung kennen.

Das Streichquartett - Zum ästhetischen und kompositonstechnischen Anspruch der Gattung, D. Philippi
2-std., Fr 8:15-9.45

Der „Micrologus“ des Guido von Arezzo und die Situation der Musiktheorie im frühen 11. Jahrhundert, R. Wiesend
2-std., Blockveranstaltung im Seminarraum der Musikinformatik

Termine:
Fr, 12. Nov. 2010, 14:15 - 19:00
Fr, 26. Nov. 2010 14:15 - 19:00
Fr, 3. Dez. 2010, 14:15 - 19:00
Fr, 14. Jan. 2011, 14:15 - 19:00
Fr, 21. Jan. 2011, 14:15 - 19:00

Das Seminar findet statt im Seminarraum der Musikinformatik, Johann-Friedrich-von-Pfeiffer-Weg 5.

In dieser Lehrveranstaltung kann alternativ ein Hauptseminarschein oder ein Schein Theoretiker-Lektüre erworben werden.

Lateinkenntnisse sind erwünscht.

Anmeldung in der ersten Sitzung.

Auskunft unter reinhard.wiesend@gmx.de


Oberseminar

Besprechung von Examensarbeiten, A. Beer, J. Blume, C. Hust, U. Kramer, K. Pietschmann, L. Striegel
2-std., Mi 14:15-15:45

Die Teilnahme am Oberseminar ist für StaatsexamenskandidatInnen parallel zur Abfassung ihrer Wissenschaftlichen Hausarbeit verpflichtend. Allerdings wird Magisterstudierenden die Teilnahme gleichfalls dringend empfohlen. Sie können bei Interesse auch nur einzelne Sitzungen besuchen.

Ziel des Examenskolloquiums ist zum einen die Diskussion Ihrer individuellen Arbeitsvorhaben, die Sie in diesem Rahmen erstmals öffentlich vorstellen können und dabei sicherlich einige neue Anregungen erhalten werden. Zum anderen ergibt sich daraus stets auch ein Gespräch über wissenschaftliche Methodik, das von pragmatischen Hinweisen zur Gestaltung einer Gliederung bis zur Besprechung theoretischer Konzepte und der Analyse von Argumentationstechniken reichen kann und soll. Abgerundet wird das Oberseminar bisweilen durch Gastvorträge auswärtiger WissenschaftlerInnen.

Über die Themen der einzelnen Sitzungen informieren die Aushänge am Institut.

Bitte besprechen Sie vorab mit der Betreuerin oder dem Betreuer Ihrer Arbeit, ob und wann Sie im Oberseminar sprechen sollen.

Literatur:

Joseph Kerman, Musicology, London 1985 (Fontana Masterguides), auch als: Joseph Kerman, Contemplating Music. Challenges to Musicology, Cambridge/Mass. 1985.

 

Nicole Schwindt-Gross, Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel. Techniken. Aufgaben, 4. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Kassel u. a. 1992 (Bärenreiter Studienbücher Musik 1).

 

Alastair Williams, Constructing Musicology, Aldershot 2002.


Übungen

Form und Analyse, St. Münch
2-std., Mo 8:30-10:00

Theorien tonaler Musik und handwerkliche Praxis (Generalbass, Fundamentalbass, Harmonielehre, Formenlehre); Analysemethoden und musiktheoretische Konzepte (exemplarische Einblicke), einfache Höranalyse mit gehörbildenden Übungen. Profunde Kenntnisse der Allgemeinen Musiklehre werden vorausgesetzt.

Literatur:

Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lernen und Lehren, hrsg. von Walter Salmen / Norbert J. Schneider, Innsbruck 1987 (= Innsbrucker Beiträge zur Musiktheorie 1).

 

Clemens Kühn, Formenlehre der Musik, Kassel u. a. 5. Auflage 1998 u.ö.

 

Clemens Kühn, Analyse lernen, ebd. 1993 (= Bärenreiter Studienbücher Musik 4).

 

Ulrich Kaiser, Gehörbildung. Satzlehre - Improvisation - Höranalyse. Ein Lehrgang mit historischen Beispielen, Bd. 1, Grundkurs, Kassel u. a. 1998 (= Bärenreiter Studienbücher Musik 10)

Historische Satzlehre IV, St. Münch
2-std., Mo 14:15-15:45

Analyse und Stilkopie zur Musik des 19. bis 21. Jahrhunderts: Erweiterung der durmolltonalen Harmonik im 19. Jahrhundert, exemplarische Untersuchung von Methoden der posttonalen Harmonik; dabei vertiefte Einblicke in aktuelle Methoden der musikalischen Analyse (mindestens Funktionen und Schichten)

Literatur:

Wolfgang Budday, Harmonielehre Wiener Klassik. Theorie, Satztechnik, Werkanalyse, Stuttgart 2002.

 

Diether de la Motte, Harmonielehre, Kassel u. a. 1976.

 

Zsolt Gárdonyi / Hubert Nordoff, Harmonik, Wolfenbüttel 1990.

 

Allen Cadwallader / David Gagné, Analysis of Tonal Music. A Schenkerian Approach, New York u. a. 1998.

 

Ian Bent / William Drabkin, Analysis, London u. a. 1987.

Quellen- und Handschriftenkunde, A. Beer
2-std., Di 10:15-11:45

Der Umgang mit handschriftlichen Quellen gehört ebenso wie Harmonielehre und Kontrapunkt zum musikwissenschaftlichen Handwerkszeug. Allerdings ist die Fähigkeit, alte Handschriften nicht nur lesen, sondern auch verstehen und interpretieren zu können, nicht weit verbreitet. Anhand ausgewählter (nicht edierter!) Schriftstücke vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert werden wir uns in die Materie einarbeiten und (erfahrungsgemäß) sehr rasch Fortschritte erzielen. Die Referate bzw. Hausarbeiten sollen eine diplomatisch genaue Übertragung der Texte und vor allem eine ausführliche inhaltliche Interpretation bieten, die es ermöglicht, die Hintergründe des schriftlichen Gedankenaustauschs in allen Details nachzuvollziehen.
Die Referatthemen werden rechtzeitig ausgehängt; Kopiervorlagen (bitte sorgfältig behandeln) sind bei Frau Krell in der Bibliothek hinterlegt.
Am Ende des Semesters findet eine eintägige Exkursion zum André-Archiv in Offenbach statt.

Historische Satzlehre II, St. Münch
2-std., Mi 8:30-10:00

Gegenstand der Lehrveranstaltung ist die Musik der Renaissance unter dem Aspekt der Satztechnik und des Kontrapunkts. Hierzu machen wir uns mit dessen historischen musiktheoretischen Voraussetzungen bekannt (Kontrapunktlehren von Tinctoris bis Fux), studieren die textlichen Quellen und untersuchen die kompositorische Umsetzung an prominenten Beispielen der Zeit. Das eigene Training einiger Techniken in selbstverfassten Tonsätzen sollte das theoretische Studium der Musik grundsätzlich und kontinuierlich begleiten.
Ein spezieller Schwerpunkt soll das Verfolgen des spannenden Verhältnisses zwischen normativer Musiktheorie, kompositorischer Realität und ästhetischen Fragen/Musikanschauung in einer der kulturgeschichtlich wichtigsten Epochen werden.

Literatur:

Diether de la Motte, Kontrapunkt. Ein Lese- und Arbeitsbuch, Kassel u. a. 1981.

 

Harold S. Powers u. a., Mode, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, hrsg. von Stanley Sadie, London 2001, S. 775–860.

 

Thomas Daniel, Kontrapunkt. Eine Satzlehre zur Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts, Köln 1997.

 

Notation, hrsg. von Andreas Jaschinski, Stuttgart u. a. 2001 (MGGprisma)

 

Bernhard Morbach, Die Musikwelt der Renaissance, Kassel 2006.

Historische Satzlehre III, St. Münch
2-std., Mi 10:15-11:45

Analyse und Stilkopie zur Musik des 17. und 18. Jahrhunderts: Generalbasslehre als Kompositionslehre, Vokalkomposition und Rhetorik, durmolltonale Harmonik, Instrumentalsatz der »Klassik«; dabei Einblicke in das musiktheoretische Schrifttum des 18. Jahrhunderts

Form und musikalischer Satz, J. Banholzer
2-std., Mi 12:15-13:45

In diesem Kurs sollen Sie einerseits lernen, mit einigen für die tonale Musik elementaren satztechnischen Phänomenen analytisch umzugehen (Stimmführung, Akkordverbindung, einige Satzmodelle, Kadenzierung und Modulation). Andererseits sollen Sie lernen, Unterschiede verschiedener musiktheoretischer Konzepte zu reflektieren, die für diesen analytischen Umgang geeignete Werkzeuge bereitstellen wollen (Kontrapunktlehre, Generalbaßlehre, Fundamentalbaß, Stufentheorie, Funktionstheorie, eventuell Schichtenlehre). Drittens soll Ihnen einsichtig werden, wie Musikstücke zunächst eher kleineren Umfangs mit Hilfe solcherart beschreibbarer Bausteine konstruiert oder zumindest strukturiert werden können. Damit ist von der Satztechnik her ein erster Ansatz möglich zur Betrachtung musikalischer Formbildung, die im Zentrum des Folgekurses stehen soll (Übung „Form und Analyse“, im Sommersemester).
Wir werden uns grundlegenden Phänomenen und Konzepten systematisch und exemplarisch nähern. Solide Vorkenntnisse der allgemeinen Musiklehre sind unverzichtbare Voraussetzung für diese Annäherung – und nicht Gegenstand der Kursarbeit (zum Selbststudium könnte dienlich sein Hempel, Christoph: Neue Allgemeine Musiklehre, Mainz 1997) –, auch wenn vermeintlich allgemeingültiges Grundlagenwissen in unserer Diskussion immer wieder hinterfragt und dessen sinnvolle Anwendung überprüft werden soll.

Studio-Software, A. Gräf
2-std., Mi 14:15-15:45, in den Räumen der Musikinformatik, Pfeifferweg 12

Studierende in Bestandsstudiengängen können hier einen Übungs-Schein erwerben.

In der Übung lernen wir grundlegende Techniken und Software-Werkzeuge für musikalische Anwendungen mittels praktischer Arbeiten am PC kennen.
Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Software zur Musik-Produktion (Hard-Disk-Recording, MIDI-Sequencer) und zur Bearbeitung digitaler Klänge (Audio-Bearbeitung, Klangsynthese) und musikalischer Daten (z.B. Notensatz).

Historische Satzlehre I, J. Banholzer
2-std., Mi 16:15-17:45

Dieser Kurs wird sich mit Satztechniken der mittelalterlichen Mehrstimmigkeit beschäftigen. Im analytischen Umgang mit ausgewählten Werken soll danach gefragt werden, wie die mehrstimmige Praxis aus der einstimmigen herauswächst, wie sich auf vielfältige Weise in der improvisierten Mehrstimmigkeit Verfahrensweisen herausbilden, das Zusammenwirken verschiedener Stimmen zu koordinieren, wie diese Verfahrensweisen von Theoretikern beschrieben werden, und wie sich solche Zeugnisse zu überlieferten musikalischen Denkmälern verhalten. Auf diese Weise werden Sie gleichzeitig einige typische Gattungen der Musik bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts kennenlernen.

Partiturspiel, J. Banholzer
2-std., Mi 18:15-19:45

Dieser Kurs beschäftigt sich mit zwei elementaren Problemen, deren Beherrschung das Spielen und Lesen größerer Partituren erst ermöglicht: erstens mit dem Lesen der sogenannten alten Schlüssel, zweitens mit der Fähigkeit, drei und mehr Systeme zu überblicken. (Die Beschäftigung mit transponierenden Instrumenten bleibt dem Kurs Partiturspiel II vorbehalten.) Die in der Studienordnung verlangten klaviertechnischen Fähigkeiten werden vorausgesetzt.

Super-Collider, A. Gräf
2-std., Do 14:15-15:45, in den Räumen der Musikinformatik, Pfeifferweg 12

Studierende in Bestandsstudiengängen können hier einen Übungs-Schein erwerben.

Zwei Kerntechniken der Computer-Musik sind die Klangsynthese und die algorithmische Komposition. Eine Software, die beide Bereiche abdeckt und in den letzten Jahren unter Musikern, Komponisten und Wissenschaftlern einige Verbreitung gefunden hat, ist James McCartneys SuperCollider. SuperCollider besteht aus einem Audio-Engine, mit dem Klänge in Echtzeit generiert und verarbeitet werden können, und einer einfachen objektorientierten Programmiersprache, in der die Klangsynthese- und Kompositions-Verfahren beschrieben werden. Die Übung bietet eine Einführung in die Klangsynthese mit SuperCollider durch praktische Arbeiten am PC.

Einführung in die Musikwissenschaft
2-std., Kurs A: Do 14:15-15:45, F. Kolb, Kurs B: Fr 10:15-11:45, P. Niedermüller

Was ist, was will, kann und soll Musikwissenschaft? Diesen gar nicht so banalen (und historisch ganz unterschiedlich beantworteten) Fragen auf den Grund zu gehen, ist das Anliegen der Veranstaltung, die in dieser Hinsicht am Beginn des Studiums eine erste Orientierung über Aufgaben, Arbeitsweisen und Interessen des Faches bieten möchte. Einerseits sollen dabei Geschichte und Systematik der Disziplin vorgestellt sowie die Vielfalt an Methoden und Forschungsansätzen diskutiert werden, ehe im zweiten (Haupt-)Teil des Kurses Aspekte der musikalischen Überlieferung (vom Autograph bis zur Kritischen Gesamtausgabe), der Rezeption und des Schreibens über Musik (von historischen Darstellungen bis hin zu aktueller Tagespresse, dem Programmhefttext und CD-Booklet, von populärer Publizistik bis hin zu Forschungsliteratur) ins Blickfeld rücken.
Insbesondere geht es in dieser Übung aber auch darum, ganz konkret das wissenschaftliche ›Handwerkszeug‹ zu erlernen und anhand exemplarischer Beispiele aktiv und praktisch zu erproben: Die wichtigsten Recherchemöglichkeiten und -strategien, die Arbeit mit verschiedenen musikbezogenen Quellen und der Umgang mit gedruckten bzw. elektronisch zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Hilfsmitteln wie Lexika, Enzyklopädien und Verzeichnissen stehen ebenso auf dem Programm wie die Techniken des Zitierens, das korrekte Anlegen von Bibliographien, das Entwickeln eines spezifischen Problembewusstseins und musikhistorischer Fragestellungen und das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten. Zu guter Letzt schließlich sollen schlaglichtartig Perspektiven auf spätere Berufsmöglichkeiten eröffnet werden.

Literatur:

Konrad Küster, Studium Musikwissenschaft, München 1996.

 

Herbert Bruhn und Helmut Rösing, Musikwissenschaft. Ein Grundkurs, Reinbek bei Hamburg 1998.

 

Henning Eisenlohr, Einblick in das Studium der Musikwissenschaft, München 2000.

 

Helmut Rösing und Peter Petersen, Orientierung Musikwissenschaft. Was sie kann, was sie will, Reinbek bei Hamburg 2000.

 

Nicole Schwindt-Gross, Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel – Techniken – Aufgaben, Kassel [6]2007.

„Ein Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt.“ Felix Mendelssohn Bartholdy und die Musik seiner Zeit, B. Over
2-std., Do 16:15-17:45, Beginn: 04.11.2010

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Komponisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine Sinfonien, Ouvertüren, Kammermusikwerke, Oratorien setzten Maßstäbe; seine Wiederaufführung der Matthäus-Passion von J. S. Bach markiert den Beginn der Bach-Renaissance. Als weit gereister Kosmopolit war er mit den bedeutendsten Musikern seiner Generation bekannt; u.a. zählten Schumann, Chopin, Berlioz und Liszt zu seinen Freunden. Als einer der ersten professionellen Dirigenten prägte er ein Berufsbild entscheidend mit.

Ausgehend von Mendelssohn, der in fast allen Gattungen komponierte und als Pianist sowie erfolgreicher Dirigent seine eigene und die Musik seiner Zeitgenossen aufführte, soll in der Übung das musikalische und heute noch in den Konzertsälen präsente Repertoire der Musik bis ca. 1850 erarbeitet, vorgestellt und auf formale und musikalische Charakteristika untersucht werden. Dabei wird insbesondere auf die Musik jener Komponisten eingegangen, deren Geburtstag sich 2010 und 2011 zum 200ten Mal jährt: Schumann (*1810), Chopin (*1810) und Liszt (*1811).

Literatur:

R. Larry Todd, Mendelssohn. A Life in Music, Oxford 2003.

 

Wulf Konold, Felix Mendelssohn und seine Zeit, Laaber 1996.

 

Eric Werner, Mendelssohn. Leben und Werk in neuer Sicht, Zürich/Freiburg 1980.

Praxisfelder der Musikwissenschaft: Musikjournalismus, U. Kramer
2-std., Do 18:15-19:45, Beginn: 11.11.2010

Quellenstudien zur Musik der Renaissance, P. Niedermüller
2-std., Fr 14:15-15:45

Wie klingt eine Ampel auf die 4-und? - Musik- und Soundkonzepte in Film, Video und Theater, Torsten Knoll
2-std., Fr 16:15-19:15

Termine:
Fr, 5. Nov. 2010, 16:15 - 19:15
Fr, 19. Nov. 2010, 16:15 - 19:15
Fr, 3. Dez. 2010, 16:15 - 19:15
Fr, 17. Dez. 2010, 16:15 - 19:15
Fr, 14. Jan. 2011, 16:15 - 19:15
Fr, 28. Jan. 2011, 16:15 - 19:15
Fr, 11. Feb. 2011, 16:15 - 19:15

„Zu einem Filmkomponisten zu sagen: ‚Schreib mir mal ‘ne Musik, die möglichst wenig auffällt‘, das ist, von einem Szenebildner zu verlangen: ‚Bau mir mal ein Set, das keiner sieht‘“. (Fred van der Kooij)

Während Film-, Serien- und Werbemusik vor allem innerhalb der Fernsehlandschaften zunehmend dem Prinzip der Unauffälligkeit verpflichtet ist, hat sich aus dem Bereich der Videokunst sowie des Arthaus-Kinos gleichwohl eine Bewegung herausgebildet, welche auf die höchstmögliche Synthese der beiden Kunstformen – der visuellen und der auditiven – abzielt. Diese Übung möchte anhand vielfältiger Beispiele aus Kino, Theater und vor allem dem Gebiet der Audio-Visual-Art Spielarten dieser synästhetischen Sprache präsentieren und die Aufmerksamkeit auf derartige Elemente innerhalb verbreiteterer medialer Formen lenken.