^ Lehrangebot

Wintersemester 2009/2010

Übersichtsplan

Vorlesung - Proseminar - Hauptseminar - Oberseminar - Übung

 

 

 

Zeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
8.00

 

Form und Analyse Hermann Kretzschmars Führer durch den Konzertsaal Formenlehre: Vokale und Großformen Oper für alle. Geschichte der venezianischen Oper im 17. Jahrhundert Methoden der Musikanalyse und Musikedition
9.00 Harmonielehre III
10.00

 

Musikgeschichte im Überblick IV Zur Geschichte des Musikverlagswesens im 18. und 19. Jahrhundert Franchino Gaffurio, Johannes Tinctoris und die Musiktheorie um 1500 Oper in Wien um 1800 Einführung in die Musikwissenschaft (Kurs B)
11.00

 

12.00

 

Proseminar zur Vorlesung Musikgeschichte im Überblick IV Frankoflämische Musiker in Italien: Kulturtransfer in der Renaissance Musiquantik Paul Hindemith Notwendige Frivolität, Ein Blick in die Verzierungspraxis des 19. Jahrhunderts
13.00

 

14.00

 

Historische Satzlehre I Frankoflämische Musiker in Italien: Kulturtransfer in der Renaissance Oberseminar Algorithmische Komposition Einführung in die Musikwissenschaft (Kurs A)  
15.00
16.00

 

Gehörbildung II Das Verhältnis von Musik und Schrift im 19. und 20. Jahrhundert (= Notationskunde II) Form und musikalischer Satz Händelforschung - Fragestellungen und Methoden Multimedia-Programmierung
17.00

 

Kontrapunkt II
18.00   „Zwischen Störkraft und den Onkelz“? - Musik und Rechtsextremismus Generalbass I Praxisfelder der Musikwissenschaft: Die Aufgaben des Musikdramaturgen/der Musikdramaturgin am Theater  
19.00   Partiturspiel I  

 

Legende:
M.A. = Magister Artium
SE = Staatsexamen Musik
BA-KF = Bachelor of Arts Musikwissenschaft, Kernfach
BA-BF = Bachelor of Arts Musikwissenschaft, Beifach
BEd = Bachelor of Education Musik
DM = Medienmanagement (Diplom)
MM = Medienmanagement (Master)

 

Vorlesungen

Musikgeschichte im Überlick IV, A. Beer
2-std., Mo 10-12
M.A. / SE / BA-KF [07.114.150.1] / BA-BF [07.114.150.1] / BEd [07.114.2010 oder 07.114.2020] / DM / MM [07.114.1010]

Die Vorlesung wird die wesentlichen musikalischen Formen und Strukturen sowie Ereignisse, Namen und Zusammenhänge von der Zeit Beethovens bis in die jüngste Vergangenheit zur Sprache bringen. Hierbei soll die Einbettung des musikalischen Denkens und seiner Entwicklung in den jeweiligen kulturgeschichtlichen Rahmen ebenso thematisiert werden wie auch die Problematik der Repertoire- und Kanonbildung sowie der Musikgeschichtsschreibung.

Frankoflämische Musiker in Italien: Kulturtransfer in der Renaissance, K. Pietschmann
2-std., Di 14-16
M.A. / SE / BA-KF [07.114.120] / BA-BF [07.114.120]

Mit der Wende zum 15. Jahrhundert nimmt die wohl bemerkenswerteste Migrationsbewegung der Musikgeschichte ihren Lauf: Während die einheimischen Musiker Italiens zu ‚verstummen' scheinen, drängen Komponisten aus dem Nordwesten Europas auf die Halbinsel und machen politische Zentren wie Rom, Ferrara, Florenz oder Venedig zu Vorreitern der europaweit dominierenden Vokalpolyphonie frankoflämischer Prägung. Am Beispiel von zentralen Exponenten wie Guillaume Du Fay, Josquin Desprez, Heinrich Isaac oder Adrian Willaert geht die Vorlesung diesem Phänomen unter kompositions-, sozial- und institutionsgeschichtlichen Gesichtspunkten nach und wird exkursweise auch die italienische Rezeption der niederländischen Malerei vergleichend mit einbeziehen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Frage, inwieweit sich dieser Stiltransfer auch im Sinne eines Kulturtransfers verstehen lässt.
Im begleitenden Proseminar sollen die einzelnen Stationen der Vorlesung anhand von exemplarischen Werk- und Quellenbetrachtungen vertieft werden.

Methoden der Musikanalyse und Musikedition, D. Philippi
2-std., Fr 8-10
M.A. / SE / BA-KF [07.114.180] oder (alternativ) [07.114.210] / BA-BF [07.114.180] oder (alternativ): [07.114.210]

Innerhalb des Faches Musikwissenschaft werden Teilbereiche unterschieden, von denen vor allem der historische und der systematische zentral sind. Die angebotene Vorlesung, die die Methoden der Musikanalyse und der Musikedition behandelt, ist dem systematischen Teilbereich zugeordnet. In der ersten Hälfte des Semesters richtet sich die Betrachtung auf die wichtigsten Prinzipien der Analyse wie sie in der heutigen Musikwissenschaft Anwendung finden, und zwar in Abhängigkeit vom Gegenstand (Musikrichtung, Musikstil etc.) und von der Fragestellung (Ziel der Analyse). Die zweite Hälfte der Vorlesung thematisiert die Forschungsziele und Arbeitsmethoden der Musikphilologie, wobei die Mittel der Quellenrecherche und -bewertung sowie der Musikedition überwiegend an Beispielen aus dem 18. und 19. Jahrhundert veranschaulicht werden.


Proseminare

Proseminar zur Vorlesung Musikgeschichte im Überblick IV: Aspekte der Musikgeschichte, A. Beer
2-std., Mo 12-14
M.A. (hist.) / SE (hist.) / BA-KF [07.114.160.1] / BA-BF [07.114.160.1] / BEd [07.114.160.1] / DM / MM [07.114.160.1]

Ziel des Proseminars ist die Vertiefung ausgewählter, in der Überblicksvorlesung (siehe dort!) nur zu streifender Aspekte mit Hilfe des Referats und der Diskussion, die auch Aspekte des wissenschaftlichen Arbeitens berücksichtigen wird. Voraussetzung zur Teilnahme ist der Besuch der Vorlesung.

Frankoflämische Musiker in Italien: Kulturtransfer in der Renaissance, K. Pietschmann
2-std., Di 12-14
M.A. (hist.) / SE (hist.) / BA-KF [07.114.130] / BA-BF [07.114.130]

Mit der Wende zum 15. Jahrhundert nimmt die wohl bemerkenswerteste Migrationsbewegung der Musikgeschichte ihren Lauf: Während die einheimischen Musiker Italiens zu ‚verstummen' scheinen, drängen Komponisten aus dem Nordwesten Europas auf die Halbinsel und machen politische Zentren wie Rom, Ferrara, Florenz oder Venedig zu Vorreitern der europaweit dominierenden Vokalpolyphonie frankoflämischer Prägung. Am Beispiel von zentralen Exponenten wie Guillaume Du Fay, Josquin Desprez, Heinrich Isaac oder Adrian Willaert geht die Vorlesung diesem Phänomen unter kompositions-, sozial- und institutionsgeschichtlichen Gesichtspunkten nach und wird exkursweise auch die italienische Rezeption der niederländischen Malerei vergleichend mit einbeziehen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Frage, inwieweit sich dieser Stiltransfer auch im Sinne eines Kulturtransfers verstehen lässt.
Im Proseminar sollen die einzelnen Stationen der Vorlesung anhand von exemplarischen Werk- und Quellenbetrachtungen vertieft werden.

Erste Lektüreempfehlung: Kritischer Vergleich der Händel-Artikel in Grove2 und MGG2

„Zwischen Störkraft und den Onkelz“,? - Musik und Rechtsextremismus, T. Hindrichs
2-std., Di 18-20
M.A. (hist.) / SE (Pop) / BA-KF [07.114.220] / BA-BF [07.114.220] / BEd [07.114.220] / DM / MM [07.114.220]

BITTE BEACHTEN SIE: Diese Veranstaltung steht nur Studierenden offen, die in einem der am Musikwissenschaftlichen Institut verankerten Fächer immatrikuliert sind - Gäste werden nicht zugelassen!

Zur Vorbereitung lesen Sie bitte diese Informationsbroschüre des Verfassungsschutzes Rheinland-Pfalz.

Sowohl die jährlich wiederkehrenden entsprechenden Hinweise der deutschen Verfassungsschutzberichte als auch die von NPD und sogenannten 'Freien Kameradschaften' seit 2004 in mehreren Auflagen verteilten „Schulhof“-CDs (um nur zwei Beispiele zu nennen) belegen eindrücklich, dass rechtsextreme Gruppierungen Musik als Mittel zur Rekrutierung Jugendlicher ganz offenbar als konstitutiv verstehen. Das Spektrum rechtsextremer Musik beschränkt sich dabei allerdings weder auf ein eher diffuses Hardrock-Genre „zwischen Störkraft und den [Böhsen] Onkelz“ noch - allen Klischees zum Trotz - auf Ska oder Oi.
In diesem Seminar soll es in erster Linie um folgende Fragestellungen gehen: Lässt sich das Spektrum an Genres rechtsextremer Musik genauer spezifizieren? Ob und wie werden 'rechte' Inhalte in (welche) Musik gesetzt? Kann Musik überhaupt die Ausbildung rechtsextremer Ideologien bewirken? Inwieweit dient Musik tatsächlich zur Konstruktion 'rechter' (Jugend-)Kulturen? Gibt es Gegenbewegungen oder ist rechtsextreme Musik selbst eine Gegenbewegung? Hat die rechtsextreme Musikszene eine eigene Geschichte oder steht sie in bestimmten Traditionen? Welche Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus kann Musikunterricht in der Schule bieten?

Literatur:

Ästhetische Mobilmachung - Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien, hrsg. v. Andreas Speit, Hamburg, Münster: Unrast (2)2006.

 

Martin Büsser, Wie klingt die Neue Mitte?: Rechte und reaktionäre Tendenzen in der Popmusik, Mainz: Ventil 2001.

 

Moderner Rechtsextremismus in Deutschland, hrsg. v. Andreas Klärner und Michael Kohlstruck, Hamburg: Hamburger Edition 2006.

 

Reaktionäre Rebellen. Rechtsextreme Musik in Deutschland, hrsg. v. Archiv der Jugendkulturen, Bad Tölz: Thomas Tilsner Verlag 2001.

 

RechtsRock - Bestandsaufnahmen und Gegenstrategien, hrsg. v. Christian Dornbusch und Jan Raabe, Hamburg, Münster: Unrast (2)2006.

 

White Noise: Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour - Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene, Hamburg, Münster: Unrast 2001.

Franchino Gaffurio, Johannes Tinctoris und die Musiktheorie um 1500, C. Hust
2-std., Mi 10-12
M.A. (hist.) / SE (hist.) / BA-KF [07.114.080] / BA-BF [07.114.080]

Voraussetzungen für den Scheinerwerb sind:
1. die Lektüre einer vorbereitenden Textsammlung im Umfang von 50 bis 60 Seiten bis zur ersten Sitzung; die Texte sind ab der vorletzten Woche des Sommersemesters 2009 beim Seminarleiter zu haben,
2. die Übernahme eines einführenden Kurzvortrags zu einem Spezialthema,
3. die Ausarbeitung dieses Vortrags zu einer wissenschaftlichen Hausarbeit,
4. vor allem die aktive Mitarbeit bei der Diskussion der Textpassus im Seminar, was deren regelmäßige vorbereitende Lektüre zwingend voraussetzt.
Neben grundlegenden Lateinkenntnissen ist gutes Englisch für eine erfolgreiche Teilnahme unerlässlich.

An ausgewählten Passagen aus den Schriften von Johannes Tinctoris und Franchino Gaffurio diskutieren wir grundlegende Konzepte der Musiktheorie in der Frühen Neuzeit. Wir werden eine Vielzahl von Sachverhalten und Kontexten im Überblick ansprechen: von Details der Kompositionstechnik bis zu Ordnungsprinzipien von Theorie- und Handlungswissen, von Geschichtskonstruktionen bis zu neuplatonischen und hermetischen Diskursen, von Präsentations- und Publikationsformen bis zur Frage nach impliziten und tatsächlichen Rezipienten. Ziel ist nicht die Verengung der Schriften auf die Satztechnik, sondern die Rekonstruktion kulturgeschichtlicher Zusammenhänge von ›Musiktheorie‹ – was auch immer das im Einzelnen sein mag.

Die Vorbereitungstexte zur ersten Sitzung umfassen Ausschnitte aus Schriften von Peter Burke (»The European Renaissance«), Claude V. Palisca (s. u.) und Frieder Rempp (aus der »Geschichte der Musiktheorie«-Serie). Wer ein Buch ganz lesen oder besitzen möchte, sollte zur Studie von Claude Palisca greifen: »Music and Ideas in the Sixteenth and Seventeenth Centuries«, Urbana und Chicago: University of Illinois Press 2006 (Studies in the History of Music Theory and Literature 1).

Musikquantik, A. Gräf
2-std., Mi 12-14
M.A. (syst.) / SE (syst.) / BA-KF [07.114.190] / BA-BF [07.114.190] / BEd [07.114.190] / DM / MM [07.114.190]

Der Komponist Clarence Barlow ist ein Pionier auf dem Gebiet Computer-gestützter Kompositionstechniken. Im Proseminar lernen wir an Hand des Textes „Musiquantik“ des Komponisten (Feedback Papers 34, 2008) grundlegende Konzepte kennen, die für den Einsatz des Computers in musikalischen Anwendungen wichtig sind. Dabei geht es zum Beispiel um die mathematisch präzise Beschreibung von Skalen und Rhythmen, die Frage der Konsonanz und Dissonanz von Intervallen, die Darstellung von Musik im Computer und weitere informationstechnische, musiktheoretische und psychoakustische Begriffe, die zum Handwerkszeug zeitgenössischer Komponisten und Computer-Musiker gehören.

Literatur:

Clarence Barlow, Musiquantik (= Feedback Papers 34), 2008.

Oper für alle. Geschichte der venezianischen Oper im 17. Jahrhundert, B. Over
2-std., Do 8-10
M.A. (hist.) / SE (hist.) / BA-KF [07.114.160.4] / BA-BF [07.114.160.4]
BEd [07.114.160.4] / DM / MM [07.114.160.4]

Das Jahr 1637 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Oper: Das erste öffentliche Opernhaus wurde in Venedig eröffnet. Während sie seit ca. 1600 i.d.R. nur einem elitären Kreis von Auserwählten zugänglich war (Fürstenhöfe, Akademien), öffnet sich die Oper nun einer breiteren Öffentlichkeit. Venedig wurde sehr schnell zum Zentrum der Opernkunst, das die Geschichte der Oper nachhaltig beeinflusste. Höhepunkte sind die Uraufführung zweier Opern Claudio Monteverdis (Il ritorno d'Ulisse in patria, L'incoronazione di Poppea) und der Aufstieg seines Schülers Francesco Cavalli zum absoluten „Star“ der damaligen Opernszene. Bis zum Jahr 1700 liefen beachtliche 350 Produktionen in bis zu 6 gleichzeitig geöffneten Theatern.

In diesem Proseminar soll untersucht werden, was die venezianische Oper charakterisiert, welche Kulminationspunkte es gibt und wie sie sich in Europa verbreitete. Es wird betrachtet, wie die sozialen und ökonomischen Voraussetzungen aussahen, wie diese Voraussetzungen auf die Stoffwahl und musikalische Gestaltung einwirkten und wie die venezianische Oper die Hofoper beeinflusste. Es soll erarbeitet werden, wie sie sich gegen Ende des Jahrhunderts überlebt hatte und reformiert wurde.

Paul Hindemith, U. Kramer
2-std., Do 12-14
M.A. (hist.) / SE (hist.) / BA-KF [07.114.160.2] / BA-BF [07.114.160.2] / BEd [07.114.160.2] / DM / MM [07.114.160.2]

Der Erste Weltkrieg markiert auch für die Musikgeschichte einen gravierenden Einschnitt. Insbesondere die seinerzeit junge Generation verlor ihren Glauben an die überkommenen Werte und Traditionen. Paul Hindemith kann als paradigmatisches Beispiel dafür gelten, wie sich nach 1918 eine neue Ästhetik auf das Denken und künstlerische Schaffen der Komponisten auswirkte. Doch blieb Hindemith nicht ewig jener „Bürgerschreck“, als den er sich selbst einst bezeichnet hatte. Seine Oper Mathis der Maler markiert einen klaren Wendepunkt und reflektiert nicht zuletzt erneut das Verhältnis zwischen Künstler und Politik.

Das Seminar verfolgt die Entwicklung Hindemiths anhand seiner wichtigsten Kompositionen und diskutiert diese dabei auch in ihrem jeweiligen kulturhistorischen bzw. –politischen Kontext.

Empfohlene Literatur zum Einstieg: Giselher Schubert, Paul Hindemith, Reinbek 5. Aufl. 1999.

Händelforschung - Fragestellungen und Methoden, K. Pietschmann
2-std., Do 16-18
BA-KF [07.114.020] / BA-BF [07.114.020]

Am Beispiel der Händelforschung führt dieses Proseminar in die Fragestellungen und Methoden des Faches Musikwissenschaft ein. Im Zentrum stehen daher weniger "Leben und Werk" des Hallenser Komponisten, sondern die wissenschaftlichen Fragen und Herangehensweisen an eine zentrale Komponistenpersönlichkeit der europäischen Musikgeschichte. Dabei werden auch wichtige Stationen der Fachgeschichte gestreift, etwa im Falle von Mainwarings Händel-Biographie (1760), die die erste monographische Komponistenbiographie überhaupt darstellt, oder der Händel-Ausgaben des 18. und 19. Jahrhunderts, den frühesten Gesamtausgaben. Unter anderem werden folgende Themenbereiche in den Blick zu nehmen sein: Biographik, Quellenkunde und Editionspraxis, Werkanalyse, Stilkritik, Gattungsgeschichte, Rezeptionsforschung, Aufführungspraxis, Ikonographie.

Erste Lektüreempfehlung: Kritischer Vergleich der Händel-Artikel in Grove2 und MGG2

Notwendige Frivolität, Ein Blick in die Verzierungspraxis des 19. Jahrhunderts, L. Möckli
2-std., Fr 12-14
M.A. (hist.) / SE (hist.) / BA-KF [07.114.160.3] / BA-BF [07.114.160.3]
BEd [07.114.160.3] / DM / MM [07.114.160.3]

Die heutige Kenntnis von sog. „klassischer“ Musik basiert hauptsächlich auf schriftlicher Überlieferung. Doch es versteht sich beinahe von selbst, dass die erhaltenen Notate der Werke von Josquin Desprez, Monteverdi oder Händel längst nicht alle Informationen enthalten, welche zu einer adäquaten Wiedergabe dieser Musik notwendig sind. Diese Einsicht hat für Werke früherer Jahrhunderte zu einer weit reichenden aufführungspraktischen Debatte geführt, die viele Fragen bezüglich Interpretation, Inszenierung, Instrumentaltechnik, Verzierung usw. thematisiert hat.
Doch wie steht es mit dem Repertoire des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts? Viele Opern- und Konzerthäuser, Musikschulen oder Universitäten scheinen diese Debatte bei Mozart abgebrochen zu haben, sodass viele Werke dieser Zeit heute nur „notengetreu“ gesungen oder gespielt werden.
Nach einigen theoretischen und ästhetischen Überlegungen werden wir am Beispiel der Opern Rossinis die Diskrepanz zwischen Partitur und aufgeführter Musik betrachten. In Referaten wird dann die Möglichkeit gegeben themenbezogene Fachliteratur zu analysieren (z.B. Taruskin, Brown, Caswell, Gossett usw.), historische Quellen theoretischer oder praktischer Art zu untersuchen (z.B. Garcia, Cinti-Damoreau, Corri, De Garaudé, usw.) sowie Tonaufnahmen verschiedener Epochen zu vergleichen und/oder selber „neue“ (bzw. „alte“) aufführungspraktische Ansätze zu entwickeln.


Hauptseminare

Zur Geschichte des Musikverlagswesens im 18. und 19. Jahrhundert, A. Beer
2-std., Di 10-12
M.A. (hist.) / SE (hist.)

Die Geschichte des Musikverlagswesens zählt noch immer nicht zu den prominentesten Gebieten musikwissenschaftlicher Forschung, da die vielfältige Beschäftigung mit dem musikalischen Werk naturgemäß im Vordergrund steht. Allerdings stellt sich die Frage, wie, auf welchen Wegen und unter welchen Bedingungen eine Komposition vom Schreibtisch des Komponisten in die Hände der „Endverbraucher“ gelangt; hierbei ist die Betrachtung des Gewerbezweigs Musikverlag hinsichtlich seiner Entstehung, Entwicklung und auch seiner Einflussnahme auf das musikalische Geschehen von grundlegender Bedeutung, wie die Referate mit Sicherheit zeigen werden.

Im Zusammenhang mit dem Seminar findet voraussichtlich eine Exkursion nach Kassel statt (u.a. Besuch des Bärenreiter-Verlags und einer Druckerei)

Literatur:

Artikel Musikverlage und Musikalienhandel, in: MGG, 2. Auflage

 

Rudolf Rasch (Hrsg.), Music Publishing in Europe 1600–1900, Berlin 2005, bes. S. 159ff.

Oper in Wien um 1800, K. Pietschmann
2-std., Do 10-12
M.A. (hist.) / SE (hist.)

Wien zählte in den Jahrzehnten um 1800 zu den Zentren der europäischen Opernentwicklung. Die feste institutionelle Verankerung der italienischen und deutschen Oper an den Hoftheatern sowie die nach 1801 einsetzende Begeisterung für das aktuelle französische Repertoire bedingten die gleichzeitige Präsenz der zeitgenössischen Hauptstränge des Musiktheaters und begünstigten zukunftsweisende Gattungssynthesen. Das Seminar wird sich den spezifischen Auswirkungen dieser Laborsituation für die Rezeptions- und Produktionsbedingungen widmen und anhand von einzelnen Beispielen (neben Mozart und Beethoven Opern von Ferdinando Paer, Antonio Salieri, Luigi Cherubini, Giovanni Simone Mayr und Joseph Weigl) Fragen der musikalisch-dramaturgischen Konzeption, der Bearbeitungspraxis und der Rezipientenorientierung verfolgen.

Erste Lektüreempfehlung: John A. Rice, Empress Marie Therese and Music at the Viennese Court, 1792-1807, Cambridge 2003, sowie ders., Antonio Salieri and Viennese Opera, Chicago 1998.

Algorithmische Komposition, A. Gräf
2-std., Do 14-16 (Pfeifferweg 12)
M.A. (syst.) / SE (syst.)

Unter algorithmischer Komposition versteht man allgemein den Einsatz mathematischer Berechnungsverfahren (Algorithmen) in der Komposition. Algorithmische Kompositionstechniken gehören heute zum Handwerkszeug vieler zeitgenössischer Komponisten, und werden auch in der Unterhaltungsmusik auf vielfältige Weise eingesetzt. Dabei kommen neben traditionellen Kompositionstechniken (z.B. Kontrapunkt, Aleatorik) auch rein mathematische Verfahren zur Anwendung, deren Ergebnisse dann auf geeignete Weise in musikalisches Material zu übersetzen sind, z.B. durch die Zuordnung berechneter Zahlenwerte zu musikalischen Parametern wie Tonhöhe, Dynamik, Dauer und Klangfarbe musikalischer Ereignisse. Im Seminar befassen wir uns mit den theoretischen Grundlagen und musikalischen Anwendungen der algorithmischen Komposition und lernen einige einschlägige Software-Systeme kennen.

Sinfonische und freie Orchesterkompositionen zwischen R. Strauss und P. Hindemith, R. Wiesend
2-std., Blockveranstaltung
M.A. (hist.) / SE (hist.)

Spätestens seit den Symphonischen Dichtungen von Franz Liszt ist die durch die Wiener Klassiker gestiftete absolute Vorrangsstellung der Symphonie gebrochen. Welche formalen und inhaltlichen Alternativen entwickelt wurden, ist ebenso Gegenstand des Seminars wie z. B auch die Propagierung und Rezeption der überkommenen wie der neuen Ansätze.
Im Seminar wird das Augenmerk vor allem auf den Zeitraum von den 1880er bis zu den 1920er Jahren gelegt.

Die Kenntnis der entsprechenden Kapitel im Handbuch der musikalischen Gattungen sowie der einschlägigen Artikel in der neuen MGG wird bei Beginn des Seminars vorausgesetzt.


Oberseminar

Besprechung von Examensarbeiten, A. Beer, J. Blume, C. Hust, U. Kramer, L. Striegel
2-std., Mi 14-16
M.A. / SE

Die Teilnahme am Oberseminar ist für StaatsexamenskandidatInnen parallel zur Abfassung ihrer Wissenschaftlichen Hausarbeit verpflichtend. Allerdings wird Magisterstudierenden die Teilnahme gleichfalls dringend empfohlen. Sie können bei Interesse auch nur einzelne Sitzungen besuchen.

Ziel des Examenskolloquiums ist zum einen die Diskussion Ihrer individuellen Arbeitsvorhaben, die Sie in diesem Rahmen erstmals öffentlich vorstellen können und dabei sicherlich einige neue Anregungen erhalten werden. Zum anderen ergibt sich daraus stets auch ein Gespräch über wissenschaftliche Methodik, das von pragmatischen Hinweisen zur Gestaltung einer Gliederung bis zur Besprechung theoretischer Konzepte und der Analyse von Argumentationstechniken reichen kann und soll. Abgerundet wird das Oberseminar bisweilen durch Gastvorträge auswärtiger WissenschaftlerInnen.

Über die Themen der einzelnen Sitzungen informieren die Aushänge am Institut.

Bitte besprechen Sie vorab mit der Betreuerin oder dem Betreuer Ihrer Arbeit, ob und wann Sie im Oberseminar sprechen sollen. Lassen Sie sich danach von Herrn Hust (christoph.hust@gmx.de) Terminvorschläge geben. Sie sollten bis dahin bereits einen Arbeitstitel nennen können, der allerdings nicht der „offizielle“ Titel Ihrer Arbeit sein muss.

Literatur:

Joseph Kerman, Musicology, London 1985 (Fontana Masterguides), auch als: Joseph Kerman, Contemplating Music. Challenges to Musicology, Cambridge/Mass. 1985.

 

Nicole Schwindt-Gross, Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel. Techniken. Aufgaben, 4. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Kassel u. a. 1992 (Bärenreiter Studienbücher Musik 1).

 

Alastair Williams, Constructing Musicology, Aldershot 2002.


Übungen

Form und Analyse, St. Münch
2-std., Mo 8.30-10
BA-KF [07.114.050] / BA-BF [07.114.050]

Theorien tonaler Musik und handwerkliche Praxis (Generalbass, Fundamentalbass, Harmonielehre, Formenlehre); Analysemethoden und musiktheoretische Konzepte (exemplarische Einblicke), einfache Höranalyse mit gehörbildenden Übungen. Profunde Kenntnisse der Allgemeinen Musiklehre werden vorrausgesetzt.

Literatur:

Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lernen und Lehren, hrsg. von Walter Salmen / Norbert J. Sschneider, Innsbruck 1987 (= Innsbrucker Beiträge zur Musiktheorie 1).

 

Clemens Kühn, Formenlehre der Musik, Kassel u. a. 5. Auflage 1998 u.ö.

 

Clemens Kühn, Analyse lernen, ebd. 1993 (= Bärenreiter Studienbücher Musik 4).

 

Ulrich Kaiser, Gehörbildung. Satzlehre • Improvisation • Höranalyse. Ein Lehrgang mit historischen Beispielen, Bd. 1, Grundkurs, Kassel u. a. 1998 (= Bärenreiter Studienbücher Musik 10).

Historische Satzlehre I, St. Münch
2-std., Mo 14.15-15.45
BA-KF [07.114.060] / BA-BF [07.114.060]

Alte Tonarten (Kirchentonarten etc.), Analysen, Stilkopien, Techniken der mittelalterlichen Mehrstimmigkeit; dabei Einblicke in die Notation der mittelalterlichen Ein- und Mehrstimmigkeit. Profunde Kenntnisse der Allgemeinen Musiklehre werden vorrausgesetzt.

Literatur:

Hans Heinrich Eggebrecht u. a., Die mittelalterliche Lehre von der Mehrstimmigkeit, Darmstadt 1984 (Geschichte der Musiktheorie 5).

 

Diether de la Motte, Kontrapunkt. Ein Lese- und Arbeitsbuch, Kassel u. a. 1981.

 

Harold S. Powers u. a., Mode, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, hrsg. von Stanley Sadie, London 2001, S. 775–860.

 

Thomas Daniel, Kontrapunkt. Eine Satzlehre zur Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts, Köln 1997.

 

Notation, hrsg. von Andreas Jaschinski, Stuttgart u. a. 2001 (MGGprisma).

Gehörbildung II, St. Münch
1-std., Mo 16.15-17.00
M.A.

Fortsetzung der Übungen aus Gehörbildung I in den Bereichen Rhythmus, Intervalle simultan/sukzessiv im nicht-tonalen Kontext, Akkordhören (Funktionenhören, Akkordaufbau, Akkordverbindungen), tonales (Stufen-)Hören mit chromatischen Zwischenstufen.
Teilnahme nur nach erfolgreichem Besuch des Kurses Gehörbildung I (Ausnahmen nach Rücksprache möglich). Zum Erwerb des qualifizierten Scheins führen regelmäßige Mitarbeit und der erfolgreiche Abschluss der Klausur in der letzten Semesterwoche.

Literatur:

Clemens Kühn, Gehörbildung im Selbststudium, Kassel, München: dtv 1983.

 

Wolfram Breuer, Gehörbildung: für Unterricht und Selbststudium; Arbeitsheft – Literaturbeispiele – Cassetten , Stuttgart: Metzler 1990.

 

Roland Mackamul, Lehrbuch der Gehörbildung, Band 1: Elementare Gehörbildung, Kassel: Bärenreiter 1969.

Kontrapunkt II, St. Münch
1-std., Mo 17.15-18.00
M.A.

Die Teilnahme (nur für Studierende im Hauptfach) setzt zwingend den erfolgreich abgeschlossenen Besuch der Übung „Kontrapunkt I“ voraus; Ausnahmen nur nach persönlicher Absprache mit dem Dozenten.
Zum Erwerb des Leistungsnachweises führen regelmäßig nachgewiesene Hausaufgaben und eine bestandene Klausur in der letzten Semesterwoche.
Die in Kontrapunkt I (Zweistimmigkeit) erworbenen Fertigkeiten im strengen Satz (so genannter „Palestrinastil“) werden auf dreistimmige Sätze ausgeweitet und vertieft.

Literatur:

Dietrich Manicke, Der polyphone Satz, Bd. 2: Drei- und Mehrstimmigkeit, Köln: Gerig 1979.

 

Thomas Daniel, Kontrapunkt. Eine Satzlehre zur Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts, Köln: Dohr 1997.

 

Dieter de la Motte, Kontrapunkt, Kassel, München: dtv 1981 u.ö.

 

Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lehren und Lernen, hrsg. v. Walter Salmen und Norbert J. Schneider, Innsbruck: Helbig 1987, S. 41ff.

 

Knud Jeppesen, Kontrapunkt, Wiesbaden: Breitkopf und Härtel 1963 u.ö.

Hermann Kretzschmars Führer durch den Konzertsaal, A. Beer
2-std., Di 8-10
BA-KF [07.114.030] / BA-BF [07.114.030]

Ausgehend von Hermann Kretzschmars umfangreichem „Führer durch den Konzertsaal“ soll anhand ausgewählter Beispiele ein Einblick in das um 1900 gängige Repertoire im vokalen und instrumentalen Bereich erarbeitet werden. Hierbei geht es auch um die sichere Beherrschung der musikalischen Fachterminologie sowie um die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens unter Verwendung der Standardliteratur.

Das Verhältnis von Musik und Schrift im 19. und 20. Jahrhundert (= Notationskunde II), P. Niedermüller
1-std., Di 16-18
M.A. / BA-KF [07.114.170] / BA-BF [07.114.170]

Die graphischen Notate in Werken von etwa John Cage, György Ligeti, George Crumb oder Sylvano Busoti haben dazu geführt, daß die traditionelle Notenschrift als konventionell , selbstverständlich und wenig problematisch abgetan wird. So wird schnell verkannt, daß sich spätestens seit dem 19. Jahrhundert in der europäischen Musik komplizierte Wechselwirkungen von Musik und ihrem Notat entwickelten. Bei Beethoven etwa ist Komponieren nur als Zusammenhang von Skizzieren, Durchstreichen, Verändern, Ausnotieren u. s. f. denkbar. Dieser nicht selbstverständliche Zusammenhag von Komponieren und Schreiben erfährt bei den Komponisten nach Beethoven eine massive Zuspitzung, oder gerät auch in Spannungsverhältnisse. Schumann etwa, um ein prominentes Beispiel zu nennen, notierte in seinen Werken Nicht-Klingendes oder Nicht-Auszuführendes, Gustav Mahler machte die Partituren seiner späten Sinfonien zum biographsichen Logbuch u. s. f. Ziel der Übung ist eine vorläufige Systematik des Verhältnis' von Musik und Schrift in den letzten beiden Jahrhunderten, dessen gänzliche Aufarbeitung ein erhebliches Desiderat bildet.

Literatur:

Uwe Wolf, Rudolf Stephan und Michael Töpel, Art. Notation VII.4 -VIII, in: MGG2S, Bd. 7, Kassel u. a., Stuttgart und Weimar 1997, Sp. 349-358.

 

Beiträge des Symposion "Schrift -- Kultur -- Individuum", in: Bericht über den XIII. Internationalen Kongreß der Gesellschaft für Musikforschung Weimar 2004, hrsg. von Detlef Altenburg, Kassel im Druck.

Formenlehre: Vokale Großformen, St. Münch
1-std., Mi 8.30-9.15
M.A.

Die vorherige Teilnahme an der Formenlehre-Übung "Elementare und Lied-Formen" (jeweils im Wintersemester) wäre wünschenswert, ist aber nicht zwingend. Die Veranstaltung wird mit einer Klausur in der letzten Semesterwoche abgeschlossenen.
Inhalt der Veranstaltung: „Motette“ als exemplarische Gattung, „motettischer Stil“ als wichtiges formbildendes Verfahren der Vokalmusik vor 1600; „Arie“ und „Szene“ als Formbegriffe der Vokalmusik nach 1600 in Oper und Oratorium (jeweils an ausgewählten Beispielen).

Literatur:

Clemens Kühn, Form, in: MGG-Sachteil, Bd. 3, Sp. 607-643.

 

Clemens Kühn, Formenlehre der Musik, Kassel, München: dtv 1987.

 

Clemens Kühn, Kompositionsgeschichte in kommentierten Beispielen (= Bärenreiter Studienbücher Musik 9), Kassel: Bärenreiter 1998.

 

Herwig Knaus und Gottfried Scholz, Formen in der Musik, 2 Bde., Wien: Österreichischer Bundesverlag 1988/89.

Harmonielehre III, St. Münch
1-std., Mi 9.15-10.00
M.A.

Modulation (diatonisch, chromatisch, enharmonisch u.a.); alterierte Akkorde; satzübergreifende harmonische Abläufe (formbildende Funktion der Harmonik); Analyse ausgewählter Beispiele.
Teilnahme nur nach erfolgreichem Besuch des Kurses Harmonielehre II (Ausnahmen nach Rücksprache möglich). Zum Erwerb des qualifizierten Scheins führen regelmäßig erbrachte Hausaufgaben während des Semesters und der erfolgreiche Abschluss der Klausur in der letzten Semesterwoche.

Literatur:

Thomas Krämer, Harmonielehre im Selbststudium, Wiesbaden: Breitkopf und Härtel 1991.

 

Thomas Krämer, Lehrbuch der harmonischen Analyse, Wiesbaden: Breitkopf und Härtel 1997.

 

Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lehren und Lernen, hrsg. v. Walter Salmen und Norbert J. Schneider, Innsbruck: Helbling 1987.

 

Dieter de la Motte, Harmonielehre, München u. Kassel: dtv 1976.

 

Doris Geller, Modulationslehre, Wiesbaden: Breitkopf und Härtel 2002.

Form und musikalischer Satz, J. Banholzer
2-std., Mi 16-18
BA-KF [07.114.040] / BA-BF [07.114.040]

In diesem Kurs sollen Sie einerseits lernen, mit einigen für die tonale Musik elementaren satztechnischen Phänomenen analytisch umzugehen (Stimmführung, Akkordverbindung, einige Satzmodelle, Kadenzierung und Modulation). Andererseits sollen Sie lernen, Unterschiede verschiedener musiktheoretischer Konzepte zu reflektieren, die für diesen analytischen Umgang geeignete Werkzeuge bereitstellen wollen (Kontrapunktlehre, Generalbaßlehre, Fundamentalbaß, Stufentheorie, Funktionstheorie, eventuell Schichtenlehre). Drittens soll Ihnen einsichtig werden, wie Musikstücke zunächst eher kleineren Umfangs mit Hilfe solcherart beschreibbarer Bausteine konstruiert oder zumindest strukturiert werden können. Damit ist von der Satztechnik her ein erster Ansatz möglich zur Betrachtung musikalischer Formbildung, die im Zentrum des Folgekurses stehen soll (Übung „Form und Analyse“, im Sommersemester). Wir werden uns grundlegenden Phänomenen und Konzepten systematisch und exemplarisch nähern, ohne dies historisch in der Weise zu vertiefen, wie es in den Übungen zur historischen Musiktheorie in späteren Modulen geschehen soll. Solide Vorkenntnisse der allgemeinen Musiklehre sind unverzichtbare Voraussetzung für diese Annäherung – und nicht Gegenstand der Kursarbeit (zum Selbststudium könnte dienlich sein Hempel, Christoph: Neue Allgemeine Musiklehre, Mainz 1997) –, auch wenn vermeintlich allgemeingültiges Grundlagenwissen in unserer Diskussion immer wieder hinterfragt und dessen sinnvolle Anwendung überprüft werden soll.

Generalbass I, J. Banholzer
1-std., Mi 18-19
M.A.

In diesem Kurs soll ein Überblick über den Akkordvorrat sowie die Beherrschung der grundlegenden Akkordverbindungen im deutschen Generalbass der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erworben werden. Die Ausarbeitung eines korrekten vierstimmigen Satzes wird anhand schriftlicher Aussetzungen und am Klavier geübt. Grundlegende klaviertechnische Fähigkeiten, wie sie die Studienordnung vorsieht, sind dafür zwingende Voraussetzung.

Literatur:

Jesper Boje Christensen und Jörg-Andreas Bötticher, Generalbaß in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart - Allgemeine Enzyklopädie der Musik, begründet von Friedrich Blume, zweite neubearbeitete Ausgabe, hrsg. v. Ludwig Finscher, Sachteil, Bd. 3, Kassel, Stuttgart: Bärenreiter, Metzler 2000, Sp. 1194-1256.

Partiturspiel I, J. Banholzer
1-std., Mi 19-20
M.A.

Dieser Kurs beschäftigt sich mit zwei elementaren Problemen, deren Beherrschung das Spiel größerer Partituren erst ermöglicht: erstens mit dem Lesen der sogenannten alten Schlüssel, zweitens mit der Fähigkeit, drei und mehr Systeme zu überblicken. (Die Beschäftigung mit transponieren Instrumenten bleibt dem Kurs Partiturspiel II vorbehalten.) Die in der Studienordnung verlangten klaviertechnischen Fähigkeiten werden vorausgesetzt.

Einführung in die Musikwissenschaft (Kurs A), U. Kramer
2-std., Do 14-16
M.A. / SE / BA-KF [07.114.010] / BA-BF [07.114.010] / BEd [07.114.010] / DM / MM [07.114.010]

Neben musikalischen Kenntnissen und Fähigkeiten und einem ausgeprägten Interesse für alle musikalischen Repertoires und die Musikgeschichte, setzt das Studium der Musikwissenschaft auch den selbstverständlichen Umgang mit spezifischen wissenschaftlichen Techniken und Arbeitsweisen voraus. Ziel der Übung ist es, hier die Grundlagen für ein erfolgreiches Grundstudium zu schaffen (der erfolgreiche Besuch ist Voraussetzung für die Teilnahme an einem Proseminar). Inhalte sind eine Einführung in die wichtigsten Hilfsmittel und Methoden des Fachs, Anleitung zur Arbeit in der Bibliothek und zur Recherche, sowie die Form einer schriftlichen wissenschaftlichen Arbeit. Daneben wird ein exemplarischer Einblick in einige Bereiche der Musikgeschichte gegeben. Grundlagen eines erfolgreichen Scheinerwerbs sind: regelmäßige Teilnahme und Mitarbeit, Anfertigen einer Bibliographie zu einem gestellten Thema und das Bestehen der Abschlußklausur.

Literatur:

Hans-Heinrich Eggebrecht, Musik im Abendland. Prozesse und Stationen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München und Zürich 1991.

 

Joseph Kerman, Musicology (= Fontana Masterguides), London 1985, auch als: Joseph Kerman, Contemplating music. Challenges to musicology, Cambridge/Mass. 1985.

 

Nicole Schwindt-Gross, Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel. Techniken. Aufgaben (= Bärenreiter Studienbücher Musik 1), 4. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Kassel u. a. 1992.

 

Alastair Williams, Constructing Musciology, Aldershot 2002.

Multimedia-Programmierung , A. Gräf
2-std., Do 16-18
M.A. / SE / BA-KF [07.114.200] / BA-BF [07.114.200] / DM

Digitale Signalverarbeitungstechniken gehören seit der Geburtsstunde der Computer-Musik 1957 zum Standard-Repertoire dieses Gebiets. Moderne Computer ermöglichen heute den Einsatz dieser Techniken in „Echtzeit“. Dabei kommen neben der Verarbeitung und Erzeugung musikalischer Klänge auch visuelle Medien (Video, Grafik-Animationen) zum Einsatz, und spezielle Sensor- und Controller-Technik ermöglicht die interaktive Steuerung solcher „Instrumente“. Die Übung gibt durch praktische Arbeiten einen Einblick in grafische Umgebungen und spezielle Programmierwerkzeuge zur Erstellung von multimedialen Computer-Musik-Anwendungen mit dem PC.

Einführung in die Musikwissenschaft (Kurs B), T. Hindrichs
2-std., Fr 10-12
M.A. / SE / BA-KF [07.114.010] / BA-BF [07.114.010] / BEd [07.114.010] / DM / MM [07.114.010]

Neben musikalischen Kenntnissen und Fähigkeiten und einem ausgeprägten Interesse für alle musikalischen Repertoires und die Musikgeschichte, setzt das Studium der Musikwissenschaft auch den selbstverständlichen Umgang mit spezifischen wissenschaftlichen Techniken und Arbeitsweisen voraus. Ziel der Übung ist es, hier die Grundlagen für ein erfolgreiches Grundstudium zu schaffen (der erfolgreiche Besuch ist Voraussetzung für die Teilnahme an einem Proseminar). Inhalte sind eine Einführung in die wichtigsten Hilfsmittel und Methoden des Fachs, Anleitung zur Arbeit in der Bibliothek und zur Recherche, sowie die Form einer schriftlichen wissenschaftlichen Arbeit. Daneben wird ein exemplarischer Einblick in einige Bereiche der Musikgeschichte gegeben. Grundlagen eines erfolgreichen Scheinerwerbs sind: regelmäßige Teilnahme und Mitarbeit, Anfertigen einer Bibliographie zu einem gestellten Thema und das Bestehen der Abschlußklausur.

Literatur:

Hans-Heinrich Eggebrecht, Musik im Abendland. Prozesse und Stationen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München und Zürich 1991.

 

Joseph Kerman, Musicology (= Fontana Masterguides), London 1985, auch als: Joseph Kerman, Contemplating music. Challenges to musicology, Cambridge/Mass. 1985.

 

Nicole Schwindt-Gross, Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel. Techniken. Aufgaben (= Bärenreiter Studienbücher Musik 1), 4. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Kassel u. a. 1992.

 

Alastair Williams, Constructing Musciology, Aldershot 2002.

Praxisfelder der Musikwissenschaft: Die Aufgaben des Musikdramaturgen/der Musikdramaturgin am Theater, U. Kramer
2-std., Do 18-20
M.A. / SE / BA-KF [07.114.170] / BA-BF [07.114.170]

„Mädchen für alles“ heißt es oft, wenn es um die Arbeit des Musikdramaturgen bzw. der Musikdramaturgin am Theater geht. In der Tat ist es gar nicht so einfach, das Tätigkeitsgebiet in wenigen Sätzen klar zu umreißen. In dieser Veranstaltung soll ein erster Überblick über die wichtigsten Aufgabenbereiche vermittelt werden. Soweit dies möglich ist, werden wir dies auch praktisch erproben. Dazu gehört das Schreiben von Texten (für Presse, Theaterzeitung, Programmheft) ebenso wie das Recherchieren von Werken und Repertoire in den Bereichen Oper und Konzert, die Anfertigung von Übersetzungen für Übertitel im Musiktheater, um nur einige Schwerpunkte zu nennen.
Die Übung wird in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Mainz veranstaltet, so dass auch unmittelbare Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen – etwa durch Probenbesuche zu ausgewählten Produktionen – gewonnen werden können.

Exkursionen

Frankfurt am Main (Freies Deutsches Hochstift: Frankfurter Goethe-Museum), eintägig

Voraussetzungen / Organisatorisches: Der Termin der Exkursion wird noch bekannt gegeben. Bitte beachten Sie dazu auch die Aushänge im Institut. Höchstwahrscheinlich wird die Exkursion an einem Freitag stattfinden.
Vorbesprechung ist am Freitag, 6. November 2009, von 12 bis 15 Uhr. Der Raum wird noch bekannt gegeben. Diese Vorbesprechung dient der Einführung und Arbeitsverteilung. Die Teilnahme daran ist obligatorisch.
Wer mitfahren möchte, setzt sich mit einer der zu besprechenden Quellen unter den im Folgenden genannten Gesichtspunkten (sowohl literatur- als auch musikgeschichtlich) auseinander und gibt in Frankfurt eine 20- bis 30-minütige, möglichst dichte Einführung, die die Quelle knapp beschreibt und ihre ästhetischen Kontexte diskutiert.
Wegen der räumlichen Enge in der Bibliothek ist die Zahl der TeilnehmerInnen auf zwölf Personen beschränkt.

Inhalt: Einen Tag lang werden wir uns mit Beständen aus der Handschriften-Sammlung des Frankfurter Goethe-Hauses beschäftigen und die Gelegenheit haben, direkt mit den dortigen Autographen zu arbeiten. Die Auswahl der Quellen steht noch nicht fest; ihr Spektrum umfasst das ›lange 19. Jahrhundert‹ (Eric Hobsbawm) von der Zeit vor 1800 bis zu Hugo von Hofmannsthal. Dabei werden wir vor allem Vokalmusik untersuchen: sowohl literarische Vorlagen als auch kompositorische Umsetzungen und ihre Ästhetik. Das Ziel soll sein, kompositorische Strategien herauszuarbeiten, die die ›Übersetzungsleistung‹ bzw. die durch die Musik hinzugefügte Textebene bestimmen, und über die Hintergründe einer solchen Koppelung von Literatur und Musik nachzudenken, für die Hans Georg Nägeli in der »Allgemeinen musikalischen Zeitung« das Wort von der literarisch-musikalischen »Polyrhythmie« prägte. Schon wegen der Spezifika der Sammlung werden sich viele Quellen mit der Rezeption Johann Wolfgang von Goethes befassen.

Empfohlene Literatur: Da in vielen Themen der Begriff der (literarischen oder musikalischen) Romantik eine Rolle spielen wird, empfehle ich die Lektüre und ggf. Anschaffung (keins der folgend genannten Bücher kostet mehr als 10 €) eines der zahlreichen einführenden Werke: knapp gefasst etwa von Gerhard Schulz (»Romantik. Geschichte und Begriff«, München: Beck 2007), ausführlicher die Quellensammlung von Herbert Uerlings (»Theorie der Romantik«, Ditzingen: Reclam 2000) oder das Buch von Rüdiger Safranski (»Romantik. Eine deutsche Affäre«, erscheint im September 2009 als Taschenbuch).

Kassel, eintägig

Im Zusammenhang mit dem Hauptseminar „Zur Geschichte des Musikverlagswesens im 18. und 19. Jahrhundert“ findet voraussichtlich eine Exkursion nach Kassel statt (u.a. Besuch des Bärenreiter-Verlags und einer Druckerei).