Lehrveranstaltungen im WS 01/02

Vorlesungen

Musikgeschichte im Überblick IV: Von 1830 bis zur Moderne, R. Wiesend
2-std., Mi 11-13

Der vierte und letzte Teil der Überblicksvorlesung, die von den Dozenten pro Semester abwechselnd gestaltet wird, betrifft mit rund 170 Jahren einen vergleichsweise kurzen Zeitraum, in dem sich die Musikgeschichte aber in einer bisher unbekannten Vielgestaltigkeit darstellt. Der Weg von etwa 1830, also den Jahren „nach Beethoven“, bis in die Moderne ist charakterisiert durch ganz neue Voraussetzungen des Musikbetriebs auf Grund des sich in den Vordergrund schiebenden Bürgertums sowie dadurch, dass im Zusammenhang mit der nationalen Besinnung un-überhörbar Länder musikgeschichtlich eine wichtige Rolle spielen, die bisher nicht im Zentrum des Interesses gestanden sind. Zudem verblasst mehr und mehr die Geltung der tradierten Gattungen, so dass die je individuelle Lösung kompositorischer Ansätze die Oberhand gewinnt.

Die Bachsöhne, A. Beer
2-std., Di 11-13

Am Beispiel der vier bekanntesten Söhne Johann Sebastian Bachs soll das weite Spektrum des Musiklebens im 18. Jahrhundert aufgezeigt werden: Musikalische Institutionen und Konzertwesen, Musiktheorie und Musikkritik, Musikverlagswesen sowie die allgemeinen Rahmenbedingungen des Musikschaffens sollen ebenso berücksichtigt werden wie (selbstverständlich nur in exemplarischer Auswahl) die Werke der vier Komponisten. Auf ein ausführliches Ausbreiten biographischer Details wird verzichtet, da eine diesbezügliche Vorbereitung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (und sei es in Form aufmerksamer Lektüre der Artikel in der neuen MGG, was auch im ersten Semester möglich ist) ausdrücklich erwünscht ist.

Italienische Oper des 19. Jahrhunderts, U. Kramer
2-std., Mo 11-13

Rossini, Verdi und Puccini bestimmen auch heute weite Teile des Opernrepertoires von der Metropole bis in die Provinz, und doch muss sich die italienische Oper seitens unserer Fachdisziplin vielfach ein Naserümpfen gefallen lassen, ganz so, als ob das, was man auch zum Spaß hört, nicht zur wissenschaftlichen Beschäftigung taugt. Aus Anlass des Verdi-Jahres sollen deshalb die wichtigsten Phasen der Entwicklung von den Serienprodukten des früheren bis zu den vergleichsweise intellektuellen Experimenten des mittleren und späten 19. Jahrhunderts aufgezeigt werden. Dabei werden wir uns – neben der exemplarischen Werkbetrachtung – immer wieder auch mit historischen und politischen Entwicklungen zu beschäftigen haben; hinzu kommen selbstverständlich all jene Bereiche „hinter den Kulissen“, die mit der Auf- und Ausführung der Werke (Produktionsbedingungen etc.) zu tun haben.

Von Provokation zu Neuheit – Stadien der Neuen Musik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, D. Philippi
2-std., Mi 9-11

Überblickt man die in den letzten 50 Jahren in unserem Kulturkreis entstandene Musik oberflächlich, scheinen die Gegensätze der verschiedenen Strömungen zu überwiegen. Fragt man jedoch nach den Motivationen des Komponierens in diesem Zeitraum, drängen zwei verbindende Komponenten in den Vordergrund: zum einen das kritische Infragestellen tradierter Normen, zum anderen die unablässige Suche nach neuen Elementen. Der Konflikt wiederum, der aus der Intensität dieser in der früheren Musikgeschichte wesentlich weniger bedeutsamen Komponenten resultiert, spiegelt sich in der nur unzureichenden Etablierung eines "neuen kompositorischen Vokabulars". Unabhängig hiervon zeigt der Verlauf der Entwicklungen seit den 1970er Jahren eine allmähliche Abschwächung der Negation und Provokation explizit avantgardistischer Richtungen, die in Folge zu einem Streben nach Neuheit wechselt. Dabei ist eine wachsende internationale Vermischung zu beobachten, die insbesondere durch osteuropäische Komponisten vorangetrieben wird.
In der Vorlesung werden die aus heutiger Sicht wichtigsten kompositorischen Richtungen der letzten fünf Jahrzehnte benannt und anhand geeigneter Beispiele näher beleuchtet. Verbunden mit dem Leitfaden der Betrachtungsweise wird zudem der jeweilige musikästhetische und situative Kontext, der für das musikalische Resultat in der Regel konstitutiv ist, aufgezeigt.


Proseminare

Joseph Haydns Streichquartette op. 33 und ihre Stellung in der Gattungsgeschichte (hist.), R. Wiesend
2-std., Mo 17-19

Haydn hat mit seinen weit über 60 Streichquartetten die Entwicklung der jungen Gattung wesentlich geprägt. Wenn er 1781 in einem Werbebrief für die Druckausgabe der sechs zum op. 33 zusammengefassten Quartette schreibt, "sie sind auf eine gantz neu Besondere Art", so akzentuiert er selbstbewusst seine Stellung in der Gattungsgeschichte. Aufgabe des Seminars wird es vor allem sein, das op. 33, das einen ersten Höhepunkt der Streichquartettproduktion bezeichnet, neben der analytischen Betrachtung mit anderen Werkzyklen in Verbindung zu setzen, wie Haydns op. 20 oder Mozarts Quartetten, die dieser 1785 Haydn gewidmet hat.

Das Lied um 1800 (hist.), A. Beer
2-std., Di 9-11

Die Veranstaltung dient, und zwar anhand eines bestimmten Themenbereichs, in erster Linie als eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten, in der (als Vertiefung der Übung "Einführung in die Musikwissenschaft") Arbeitstechniken (auch im Blick auf die Erstellung von Referaten und Hausarbeiten), wissenschaftliche Methoden, sowie der Umgang mit Quellen und Forschungsliteratur eingeübt werden sollen. Inwieweit es sich realisieren lässt, am Ende des Seminars ein Konzert zu veranstalten bzw. sogar eine kleine Ausstellung mit schönen alten Notendrucken auf die Beine zu bringen, hängt ganz wesentlich vom Eifer und vom aktiven Mitdenken der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab.

Musik und Musikleben am Hof von Hessen-Darmstadt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (hist.), U. Kramer
2-std., Mi 13-15

Dank ihrer Vorliebe für barocke Prachtentfaltung förderten die deutschen Fürsten im 18. Jahrhundert an ihren Höfen ein außerordentlich reges musikalisches Schaffen, von dem bislang nur ein kleiner Teil erschlossen und aufgearbeitet worden ist. Vor einigen Jahren kam Bewegung in die Sache, als im Zuge der historischen Aufführungspraxis die ausübenden Musiker selbst auf die Suche gingen, ihr Repertoire zu erweitern, während von der musikwissenschaftlichen Seite kaum Initiative ausging.
Das Seminar möchte gerade bei diesem Defizit ansetzen und am Beispiel der hessischen Residenz Darmstadt einen ersten direkten Einblick in eine solche Quellensammlung ermöglichen (Exkursion nach Darmstadt), aus dem dann die "wissenschaftliche" Beschäftigung mit einzelnen Kompositionen erwächst. Die Auswahl der Werke soll dabei prinzipiell nach repräsentativen Gesichtspunkten erfolgen (gedacht ist an Werke verschiedener Gattungen von Telemann, Graupner, Fasch), doch kann selbstverständlich auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kommilitonen eingegangen werden.
Um dann aber auch die Brücke zur Praxis zu schlagen, schließt sich als (freiwillige) Ergänzung an das Seminar eine praktische Übung an, in der der Computer-Notensatz vermittelt wird, so dass die durch uns neu erschlossenen Quellen tatsächlich für eine wissenschaftlich-praktische Notenausgabe vorbereitet werden können.

Einführung in die musikalische Analyse am Beispiel sinfonischer Werke von Jean Sibelius (hist.), Chr. Hust
2-std., Di 13-15

Musikalische Analyse ist eine zentrale Methode der Musikwissenschaft. Fertigkeiten im Analysieren lassen sich allerdings nicht „anlesen“, sondern nur durch praktische Arbeit an Notentexten erwerben und ausbauen. In diesem Proseminar soll daher die gemeinsame Beschäftigung mit sinfonischen Kompositionen von Jean Sibelius im Mittelpunkt stehen (außer den Sinfonien z. B. die Legenden, das Violinkonzert oder Tapiola; möglicherweise können wir uns auch mit den unveröffentlichten Frühfassungen der fünften Sinfonie beschäftigen), nicht unbedingt im Sinne von Referaten, sondern eher im Rahmen eines Gesprächs unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ergänzend sind Kurzreferate zur Theorie der Analyse vorgesehen, in denen neben den bei uns „etablierten“ Zugangswegen weitere methodische Annäherungen an Analyse und ihr Umfeld vorgestellt werden sollen (z. B. Analyse und Semiotik, die angloamerikanische Schenker-Rezeption, "set theory" etc.). Anmeldungen schon im Sommersemester oder in den Ferien sind ausdrücklich erwünscht. 

Literatur zum Einstieg: 

Postmoderne Aspekte in der Popularmusik (Schulmusik: pop./ Musikwiss.: hist.), P. Niedermüller
2-std., Do 17-19

"Aber es sind nur Popplatten, und wenn eine besser ist als die andere, na ja, wen kümmert’s? Für mich ist das, wie den Unterschied zwischen MacDonald’s und Burger King zu diskutieren. Ich bin sicher, dass es einen geben muss, aber wer macht sich schon die Mühe, rauszufinden, worin er besteht?" – Mancher Musikwissenschaftler mag diese Skepsis der weiblichen Hauptfigur von Nick Hornbys Roman High Fidelity teilen. Und in der Tat krankt die Auseinandersetzung mit Rock- und Popmusik oft an dem Fehlen deskriptiver Kriterien. Allerdings scheint gerade der Begriff „Postmoderne“ – zumindest in dem Sinne, den ihm die amerikanische Literaturkritik ursprünglich gab – hier als Werkzeug brauchbar zu sein. Im Seminar soll also an ausgewählten Beispielen die Frage gestellt werden, welche Funktion fusion- und cross-over-Phänomene, Chiffren ‚hoher‘ Kultur in der Popmusik haben. – Eine Liste mit möglichen Themen für Referate und Hausarbeiten hängt vor Semesterbeginn aus. Eigene Vorschläge sind willkommen, sollen aber dem Thema des Seminars wirklich Rechnung tragen.
Ein äußerst lesenswertes Buch zum Thema Rockmusik ist: Understanding Rock. Essays in Musical Analysis, edited by John Covach & Graeme M. Boone, New York - Oxford 1997.
Zum Thema Postmoderne sei empfohlen: Leslie Fiedler, "Überquert die Grenze, schließt den Graben! Über die Postmoderne", in: Wege aus der Moderne. Schlüsseltexte der Postmoderne-Diskussion, hrsg. von Wolfgang Welsch (=Acta humaniora), Weinheim 1988, S. 57-74.

Laufende Projekte der Musikinformatik (syst.), A. Gräf
2-std., Mi 15-17 (in den Räumen der Musikinformatik)

Im Proseminar werden interdisziplinäre Problemstellungen behandelt, die im Zusammenhang mit aktuellen Projekten des Bereichs Musikinformatik stehen – Thema im WS 01/02: Grundlagen der mathematischen Musiktheorie. "Musik ist die Mathematik der Seele." Sicherlich lässt sich die Musik nicht auf die formale Anwendung mathematischer Regeln reduzieren. Die mathematische Musiktheorie kann jedoch zum Verständnis der Gesetzmäßigkeiten beitragen, die musikalischen Strukturen zu Grunde liegen. Das Spektrum möglicher Anwendungen reicht von der Auswahl des musikalischen Materials (Skalen, Intervalle, Rhythmen etc.), die zahlentheoretischen Gesetzmäßigkeiten genügen, bis hin zu Aspekten der Makrostruktur einer Komposition, die mit Methoden der formalen Sprachen und der Algebra beschrieben werden können.
Voraussetzungen: Mathematische Grundkenntnisse. Weitergehende mathematische Konzepte werden im Proseminar erarbeitet.


Hauptseminare

Igor Strawinsky: Werke in kammermusikalischer Besetzung (hist.), R. Wiesend
2-std., Do 9-11

Im frühen 20. Jahrhundert wird der traditionelle Begriff der Kammermusik mehr und mehr obsolet. Auch Strawinsky komponiert, in all den verschiedenen Phasen seines langen Schaffens, kaum noch in überkommenen Formen, wichtiger wird die Unterscheidung von großer und kleiner Besetzung. Den Gegenstand des Seminars werden deshalb so heterogen scheinende Werke wie z. B. die Stücke für Streichquartett (von 1911), das Bühnenwerk L’Histoire du soldat, die Serenade für Klavier, das Oktett für Bläser, Lieder mit Instrumentalbegleitung oder das seriell organisierte Septett (von 1953) bilden.

Musik und Musiker am Mittelrhein – ein Lexikon entsteht (hist.), A. Beer/Chr. Hust
2-std., Mo 9-11

Nach einer Einführung in die Musiklexikographie mit einem Schwerpunkt auf den heute gebräuchlichsten Fachlexika (RiemannL, MGG, NGroveD), ihrer Struktur und Geschichte soll die derzeit geplante Neuausgabe des Lexikons Musik und Musiker am Mittelrhein im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen, dessen erste Fassung 1974 und 1981 in zwei Bänden von Hubert Unverricht herausgegeben wurde (in der Institutsbibliothek: Ad 315/1-2). Eine seither wesentlich veränderte Konzeption dieses Nachschlagewerks bringt es mit sich, dass wir dabei über grundlegende Dinge nachdenken müssen, u. a. über die Anlage einer Liste der Lemmata, über Editionsrichtlinien oder über Stilfragen. Vor allem sollen im Rahmen des Seminars aber - nicht zuletzt mit Blick auf eine berufsqualifizierende Wirkung für später - möglichst viele Lexikonartikel geschrieben und diskutiert werden, so dass Sie Erfahrungen mit der dafür nötigen Ausdrucksweise sammeln und Schreibpraxis gewinnen können. In der ersten Sitzung sollten Sie die beiden älteren Bände bereits in der Hand gehabt und bitte den kurzen Textabschnitt des Artikels Musiklexika in MGG2S gelesen haben (von Markus Bandur; Bd. 6, Sp. 1390-1395). Weitere Einzelheiten erfahren Sie in der ersten Seminarsitzung; Anmeldungen schon im Sommersemester oder in den Ferien bei Herrn Beer oder Herrn Hust sind ausdrücklich erwünscht.

Die Kammermusik von Johannes Brahms (hist.) U. Kramer
2-std., Di 15-17

Im Parteienstreit des 19. Jahrhunderts galt er als Konservativer, als Klassizist, und es war erst Arnold Schönberg vorbehalten, das Fortschrittliche an der musikalischen Sprache von Johannes Brahms angemessen zu würdigen.
Im Zentrum des Seminars steht die exemplarische Analyse der wichtigsten seiner kammermusikalischen Kompositionen, anhand derer die Einschätzung von Schönberg nachvollzogen werden soll.

Zu Wesen und Wissenschaft der Musik – Beiträge anderer Disziplinen (syst./Lektüre), H. Kupper
2-std., Do 15-17

Wir beschäftigen uns mit Schriften von Philosophen, Mathematikern und Naturwissenschaftlern, in denen sie Aussagen über die Musik treffen, z. B. die Pythagoreer, Platon, Boetius, Leibniz, Kepler, Kant, Schopenhauer …
Die Teilnehmer können entweder a) Referate über die entsprechenden Schriften vorbereiten oder b) wenn die Urtexte in griechischer oder lateinischer Sprache vorliegen, kritisch übersetzen und interpretieren. Die Entscheidung für a) oder b) muss bei Beginn des Seminars getroffen werden.
Die genauen Angaben der zu Grunde liegenden Schriften erfolgt rechtzeitig vor Beginn des Semesters.


Oberseminar

Doktorandenkolloquium. Besprechung von Magister- und Promotionsarbeiten, R. Wiesend, A. Beer, J. Blume, U. Kramer, Chr.-H. Mahling, L. Striegel
2-std., Mi 15-17

Hier werden Arbeiten und Forschungsergebnisse vorgestellt und diskutiert, die zum Abschluss als Magister oder Promotion führen sollen. Außerdem wird über die Forschungsergebnisse abgeschlossener Arbeiten berichtet.


Übungen

Einführung in die Musikwissenschaft, M. Rathey
2-std., Fr 9-11

Wissenschaftlich zu arbeiten, das heißt vor allem einmal, Fragen zu stellen. Je präziser die Frage, desto interessanter die Antwort. Eine Einführung in die Musikwissenschaft hat somit die Aufgabe, möglichst intelligente Fragen an die Musik stellen zu lernen. Darüber hinaus werden Techniken vermittelt, die bei der Suche nach Antworten hilfreich sind: wissenschaftliches Bibliographieren, der Umgang mit Nachschlagewerken, Handbüchern, Zeitschriften etc.
Da alle Theorie bekanntlich grau ist, sollen diese Arbeitsschritte – passend zur Jahreszeit – am Beispiel von Johann Sebastian Bachs Weihnachts-Oratorium nachvollzogen und dabei die Methoden des Fragenstellens und der Präsentation der Antworten (als Vorbereitung auf Referate und Hausarbeiten) erarbeitet werden.
Voraussetzungen für einen qualifizierten Schein sind regelmäßige, aktive Teilnahme, die Bearbeitung von Übungsaufgaben und eine erfolgreiche Abschlussklausur.

Einführende Literatur:

  • Schwindt-Gross, Nicole, Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel – Techniken – Aufgaben (=Bärenreiter Studienbücher Musik 1), 4., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage Kassel usw. 1999
  • Blankenburg, Walter, Das Weihnachts-Oratorium von Johann Sebastian Bach (=Bärenreiter Werkeinführungen), Kassel 1999
  • Küster, Konrad (Hrsg.), Bach-Handbuch, Laaber 1999, S. 473-484

Generalbass I, B. Zosel
1-std.
Kurs A: Mi 17 s.t.-17.45
Kurs B: Mi 18.30-19.15

Die grundlegenden Elemente des barocken Tonsatzes und die Prinzipien der Generalbassbezifferung werden anhand fortschreitender Übungen nahe gebracht. Diese Übungen beinhalten das Aussetzen bezifferter Bässe sowie umgekehrt das Beziffern zwei- oder mehrstimmiger Musik. Da das Spiel am Tasteninstrument im Vordergrund steht, sind grundlegende klaviertechnische Fähigkeiten unerlässlich.

Partiturspiel I, B. Zosel
1-std.
Kurs A: Mi 17.45-18.30
Kurs B: 19.15-20.00

Dieser Kurs beschäftigt sich mit zwei elementaren Problemen, deren Beherrschung das Spiel größerer Partituren voraussetzt: alte Schlüssel und transponiert notierte Instrumente. Letztgenanntes wird gleichzeitig mit instrumentenkundlichem Wissen verbunden. Die geeigneten Lesetechniken sollen am Klavier und schreibend an ausgewählten Literaturbeispielen geübt werden. Als Ziel ist das Spiel vierstimmiger Musik ins Auge gefasst.

Gehörbildung I, St. Münch
1-std., Mo 14.30-15.15

Inhalt:
Fortsetzung der Übungen aus Gehörbildung I: Training des erkennenden Hörens musikalisch relevanter Ordnungszusammenhänge in folgenden Abteilungen:
Rhythmus, Intervalle simultan/sukzessiv im nicht-tonalen Kontext, Akkordhören (Funktionenhören, Akkordaufbau, Akkordverbindungen), tonales (Stufen-) Hören mit chromatischen Zwischenstufen.
Abschluss:
Klausur am Ende des Semesters.

Literatur und Materialien zum eigenen Üben:

  • Wolfgang Breuer, Gehörbildung. (Arbeitsheft, Literaturbeispiele, Kassetten)
  • Clemens Kühn, Gehörbildung im Selbststudium, Kassel/München 1983
  • Roland Mackamul, Lehrbuch der Gehörbildung, Band 1: Elementare Gehörbildung, Kassel 1969
  • Ulrich Kaiser, Gehörbildung. Satzlehre – Improvisation – Höranalyse, 2 Bde., Kassel 1998

Harmonielehre I/II (Blockkurs), St. Münch
1-std., Mo 13 s.t.-14.30
(Kurs I: Oktober – Dezember 2001; Kurs II: Januar – Februar 2002)

Inhalt:
Harmonielehre I: Praxis und Theorie des vierstimmigen Satzes (Harmonisierung von Melodien im Kernbereich der Haupt- und wichtigsten Nebenfunktionen)
Harmonielehre II: Erweiterung der Kadenz: Non-, Undezim-, Tredezim-Akkorde, verminderter Septakkord, "Neapolitaner", Gegenklänge und Medianten; Zwischen-dominanten, Ausweichungen; diatonische/funktionale Modulation; harmonische Analysen an ausgewählten Beispielen.
Durchführung:
Die Veranstaltung kann wahlweise vollständig (I + II) oder teilweise (I oder II) besucht werden.
Abschluss:
Die Teilnahme setzt zwingend die in der Studienordnung geforderten Grundkenntnisse in Harmonielehre, Lesen und Schreiben in den gängigen Schlüsseln, sicheres Wissen und Erkennen der Intervalle, Spielen eines akkordfähigen Instrumentes voraus. Zum Erwerb des qualifizierten Scheines sind während des Semesters mehrere kleinere und eine abschließende schriftliche Hausarbeit o. ä. zu bewältigen.

Literatur:

  • Wilhelm Maler, Einführung in die dur-moll-tonale Harmonielehre (eine systematisch angelegte Harmonielehre)
  • Diether de la Motte, Harmonielehre (eine historisch angelegte Harmonielehre)
  • Thomas Krämer, Harmonielehre im Selbststudium, Wiesbaden 1991 (gutes Arbeitsbuch mit Aufgaben- und Lösungsteil)
  • Thomas Krämer, Lehrbuch der harmonischen Analyse, Wiesbaden 1997
  • Walter Salmen und Norbert J. Schneider (Hrsg.), Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lehren und Lernen, I

Kontrapunkt II, St. Münch
1-std., Mo 15.45-16.30

Inhalt:
Die Übung vermittelt und trainiert die klanglichen und rhythmischen Grundgegebenheiten von Melodiebau und zweistimmiger vokaler Konstruktion nach den stilistischen Vorgaben des 16. Jahrhunderts (Klassische Vokalpolyphonie). – Nur für StudentInnen mit Hauptfach Musikwissenschaft. –
Durchführung und Abschluss:
Die Teilnahme setzt zwingend die in der Studienordnung geforderten Grundkenntnisse in Harmonielehre, Lesen und Schreiben in den gängigen Schlüsseln, sicheres Wissen und Erkennen der Intervalle, Spielen eines akkordfähigen Instrumentes voraus. Zum Erwerb des qualifizierten Scheines sind während des Semesters mehrere kleinere und eine abschließende schriftliche Hausarbeit o. ä. zu bewältigen.

Literatur:

  • Dietrich Manicke, Der polyphone Satz. Teil 1: Grundlagen und Zweistimmigkeit, Köln 1965
  • Dieter de la Motte, Kontrapunkt
  • Walter Salmen und Norbert J. Schneider (Hrsg.), Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lehren und Lernen, Innsbruck 1987, S. 41ff.
  • Thomas Daniel, Kontrapunkt. Eine Satzlehre zur Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts, Köln 1997
  • zur Vertiefung von Spezialfragen: Knud Jeppesen, Kontrapunkt u. a.

Kontrapunkt III, St. Münch
1-std., Mo 16.30-17.15

Inhalt:
Basierend auf den in den Kursen I und II erworbenen satztechnischen Kenntnissen zum Vokalsatz sollen drei- und vierstimmige Sätze in den üblichen vokalen und instrumentalen Formen (Liedsatz; Motette; Kanon; Invention; Fuge etc.) verschiedener stilistischer Ausrichtung geübt werden. – Nur für StudentInnen mit Hauptfach Musikwissenschaft. –
Durchführung und Abschluss:
Zum Erwerb des qualifizierten Scheines sind während des Semesters mehrere klei-nere und eine abschließende schriftliche Hausarbeit o. ä. zu bewältigen.

Literatur: vgl. zu Kontrapunkt I, sowie

  • Dietrich Manicke, Der polyphone Satz. Teil II: Drei- und Mehrstimmigkeit, Köln 1979
  • Hermann Grabner, Anleitung zur Fugenkomposition, 3. Aufl. Köln o. J.

Formenlehre: Elementare und Lied-Formen, St. Münch
1-std., Do 11 s.t.-11.45

Inhalt:
Formenlehre auf der Ebene der Grundformen musikalischen Gestaltens (Motiv, Thema usw.). Vorgestellt und geübt wird das Zusammenspiel von Motivik, Harmonik, Rhythmik, Taktgruppenbildung und musikalischer Interpunktion in vier-, acht- und sechzehntaktigen „Sätzen“ (exemplarisch: die Formtheorien des 18. Jahrhunderts, z.B. H. Chr. Koch) und in größeren, zusammengesetzte Formen (Lied- und Rondoformen).
Im Anschluss an diese musiktheoretischen Übungen werden in einem formgeschichtlichen Teil die Besonderheiten der Formbildung (Harmonik, thematisch-motivische Prozesse) im 18., 19. und 20. Jahrhundert erarbeitet.
Durchführung und Abschluss:
Die Teilnahme an der sich insbesondere an Studienanfänger richtenden Übung setzt zwingend die in der Studienordnung geforderten Grundkenntnisse in Harmonielehre, Lesen und Schreiben in den gängigen Schlüsseln, sicheres Wissen und Erkennen der Intervalle, Spielen eines akkordfähigen Instrumentes voraus. Zum Erwerb des qualifizierten Scheines sind während des Semesters mehrere kleinere Hausarbeiten zu bewältigen und eine abschließende Klausur am Semesterende zu schreiben.

Literatur:

  • Clemens Kühn, Kompositionsgeschichte in kommentierten Beispielen, Kassel 1998
  • Clemens Kühn, Formenlehre der Musik, Kassel 1987
  • Wolfgang Budday, Grundlagen musikalischer Formen der Wiener Klassik, Kassel 1983
  • Herwig Knaus / Gottfried Scholz, Formen in der Musik, 2 Bde., Wien 1988 bzw. 1989

Formenlehre: Kontrapunktische Formen, St. Münch
1-std., Do 12 s.t.-12.45

Inhalt:
An ausgewählten Beispielen wird die historische Entwicklung der Sonatenform nachgezeichnet und das historisch Neue der Gattung herausgearbeitet. Daneben wird die Entstehung der „Sonate“ als Gattung in der Geschichte der Formenlehre unter Einbeziehung bedeutender Form-Theoretiker behandelt.
Durchführung und Abschluss:
Die Teilnahme setzt zwingend die in der Studienordnung geforderten Grundkenntnisse in Harmonielehre, Lesen und Schreiben in den gängigen Schlüsseln, sicheres Wissen und Erkennen der Intervalle, Spielen eines akkordfähigen Instrumentes voraus. Zum Erwerb des qualifizierten Scheines sind während des Semesters mehrere kleinere Hausarbeiten zu bewältigen und eine abschließende Klausur am Semesterende zu schreiben.

Literatur u. a.:

  • Clemens Kühn, Formenlehre der Musik, dtv/Bärenreiter: München u. Kassel 1987 u. ö.
  • Charles Rosen, Sonata Forms, London 1988
  • Klaus Döge, Die Sonate (= Bärenreiter Studienbücher Musik), Kassel 2001

Einführung in den computergestützten Notensatz, T. Untucht
2-std., Di 17-19 bzw. Arbeit in Kleingruppen nach Absprache

Die Übung bietet sich als praktische Ergänzung für die Teilnehmer des Proseminars „Musik und Musikleben am Hof von Hessen-Darmstadt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts“ von Frau Dr. Kramer an, sie kann aber auch von anderen interessierten Studierenden besucht werden. Ziel ist es, aus bisher nicht edierten Werken der im Proseminar von Frau Dr. Kramer vorgestellten Komponisten (z. B. Johann Friedrich Fasch, Johann Christoph Graupner, Johann Samuel Endler) am Computer Partituren zu erstellen, um sie dem Studium zugänglich zu machen.
In einem ersten theoretischen Teil wird eine Einführung in die Geschichte des Notendrucks und ein Überblick über die technische und ästhetische Entwicklung seit seiner Erfindung gegeben. (Kurzreferate). Im Anschluss daran werden die Notensatzprogramme "Sibelius" und "Finale" vorgestellt. Die Studierenden sollen den Umgang mit der Software lernen, um dann die Partituren erstellen zu können. Hierzu ist die Arbeit in Kleingruppen erforderlich (Termine erfolgen nach Absprache).

Entwicklung einer Multimedia-Anwendung im Bereich der Musikwissenschaft, H. Kupper
2-std., Do 13-15

Jeder Teilnehmer entwickelt eine Multimedia-Anwendung, deren Thema er selbst bestimmt. Die entsprechende Software ("Mediator") steht zur Verfügung.
Zum effektiven Ablauf der Übung sollten Thema und eine Stoffsammlung zur ersten Sitzung festliegen und vorgestellt werden.

Digitale Klangverarbeitung, A. Gräf
2-std., Do 13-15 (in den Räumen der Musikinformatik)

Thema der Übung ist die digitale Klangverarbeitung mit dem PC unter dem Betriebssystem MS Windows. Es wird eine Einführung mit praktischen Übungen am Computer gegeben in Software-Werkzeuge zur Verarbeitung von digitalen Audio- und MIDI-Daten, sowie in die Programmiersprache C und deren Anwendung zur Programmierung einfacher Audio/MIDI-Anwendungen.
Voraussetzungen: PC-Grundkenntnisse

Die Notation der Nôtre Dame-Epoche (zugleich Notationskunde I), P. Niedermüller
2-std., Fr 11-13

Oft wird die Aufgabe der musikalischen Paläographie grundfalsch begriffen: Es gehe doch eigentlich nur darum, die vermeintlich mangelhafte, alte Notation in ein zeitgemäßes Schriftbild zu übersetzen. Gerade die Notation der Nôtre-Dame-Epoche führt aber vor Augen, wie wichtig es ist, jedes System der Notenschrift immanent verstehen zu wollen: Keineswegs soll das „Ereignis“ bestritten werden, dass in den Clausulae und Motetten des Nôtre-Dame-Stils der Rhythmus erstmals absolut fixiert wurde. Die rhythmischen Modi werden aber durch ein Zeichen kenntlich gemacht, das in der Musikgeschichte eine wesentlich längere Tradition genießt, die Ligatur. Somit steht zwar eine Einführung in das System der rhythmischen Modi im Mittelpunkt der Übung, es sollen aber auch Randbereiche thematisiert werden: Haben die Modi auch im Organalstil eine Bedeutung? Wie steht es um die rhythmische Organisation der Conductus? Die behandelten Beispiele werden vor allem aus der Quelle F (I Fm Pluteo 29,1, Faks., hrsg. von Luther Dittmer [=Veröffentlichungen Mittelalterlicher Musikhandschriften 10], 2 Teilbde., Brooklyn o. J.) stammen. Als Handbuch ist (trotz vieler Kritik, die die grundsätzliche Brauchbarkeit allerdings gar nicht in Frage stellt) zu empfehlen: Willi Apel, Die Notation der polyphonen Musik 900-1600, Leipzig 1962, S. 235–342.