Wintersemester 2014/15

Lehrangebote vergangener Semester

Übersichtsplan

Vorlesung Proseminar Hauptseminar Oberseminar Übung


Zeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
8.00 Münch
Form und Analyse
Over
Musik und Digital Humanities*
Beer
Repertoirekunde (Kurs A)
Pietschmann
Methoden der Musikwissenschaft (Kurs A)
Pietschmann
Komponistenbilder in der NS- und Nachkriegszeit
9.00
10.00 Beer
Geschichte des Musikverlagwesens
Münch
Satzlehre III
Hindrichs
Musicking*
Beer
Repertoirekunde (Kurs B)
Pietschmann
Methoden der Musikwissenschaft (Kurs B)
Pietschmann
Musikgeschichte III (Musik in der frühen Neuzeit)
11.00
12.00 Beer
Geschichte des Musikverlagwesens
Over
Einführung Musikwissenschaft (Kurs A)
Gräf
Musiquantik
Kolb
Einführung Musikwissenschaft (Kurs B)
Gammert
„Musikalische Logik“? Dualistische Musiktheorie(n)
13.00
14.00 Karthäuser
Form und musikalischer Satz
Münch
„Miteinander, gegeneinander, nebeneinander“ – Ausgewählte Werkanalysen zur Idee der Gattung ‚Konzert‘*
Münch
„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ – Konzepte der Musikvermittlung seit 1800
Kolb
Oberseminar
Hindrichs
Rechte Musik im Schulunterricht
Pietschmann & Rühling
Organum – Organa: Musiktheorie, Gesang und instrumentale Praxis im Mittelalter (Blockveranstaltung)
15.00
16.00 Karthäuser
Satzlehre I
Kramer
Gustav Mahler**
Gräf
Stimmungen und Temperaturen***
Gräf
Digitales Audio
 
17.00
18.00 Krause
Schlüsselwerke der Zeitgenössischen Musik I: 1914/1945 – Komposition angesichts von Krieg und Verfolgung
     
19.00

* Veranstaltung in den Räumen der Musikinformatik: MO 14-16 (Münch), DI, 8-10 (Over), DI 10-12 (Hindrichs)
** Blockveranstaltung in der Hochschule für Musik: 18.11. (16-19), 25.11. (16-19), 5.12. (14-17), 6.12. (10-13), 12.12. (14-17), 13.12. (14-17), 23.1. (14-17), 24.1. (10-13), 6.2. (14-17), 7.2. (10-13)
*** Blockveranstaltung (14-tägig)

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Beer

Proseminar Geschichte des Musikverlagwesens
Mo, 12:15 - 13:45

In Anlehnung an die inhaltliche Konzeption der Vorlesung zum gleichen Thema wird sich das Proseminar mit den Entwicklungslinien des musikalischen Verlagswesens befassen und sich insbesondere den Umgangsformen unter Komponisten und Verlegern (bezogen etwa auf Honorar- und Rechtsfragen), weiterhin den Distributionsmechanismen, der Titelblattgestaltung, den Verlagsprogrammen, der Werbung etc. zuwenden. Als Ausgangspunkt für die Referate dienen vor allem Quellen in Form von unveröffentlichten Korrespondenzen, deren Transkription und Interpretation in den ersten Sitzungen Gegenstand der gemeinsamen Arbeit sein wird. Gegen Ende des Semesters wird voraussichtlich eine Exkursion zum Archiv des Musikverlags André in Offenbach stattfinden.

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Vorlesung Geschichte des Musikverlagwesens
Mo, 10:15 - 11:45

Die Geschichte des Musikverlagswesens nimmt in der musikwissenschaftlichen Literatur eine allenfalls marginale Stellung ein; entsprechend existieren bislang nur wenige Spezialstudien, die sich dem Gewerbezweig zuwenden. Dem gegenüber ist die Wechselwirkung von musikalischem Schaffen und der (unter kommerziellen Gesichtspunkten betriebenen) Veröffentlichung und Distribution musikalischer Werke gerade in der Zeit der Wiener Klassik ein Phänomen, dessen Auswirkungen in vieler Hinsicht beträchtlich sind, was man allein an der an sich banal erscheinenden Frage erkennen mag, wie, auf welchen Wegen und unter welchen Bedingungen eine Komposition vom Schreibtisch des Komponisten in die Hände der „Endverbraucher“ gelangte. Die Vorlesung wird, mit Schwerpunktsetzung im 18. und 19. Jahrhundert, die Entwicklungslinien des musikalischen Verlagswesens aufzeigen und sich weiterhin speziellen Themenkreisen (Umgangsformen, Honorar- und Rechtsfragen, Distributionsmechanismen, Titelblattgestaltung, Verlagsprogramme, Werbung etc.) zuwenden.

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Übung Repertoirekunde Kurs A
Mi, 08:15 - 09:45

Die Übung (diesmal aufgrund der zu erwartenden hohen Teilnehmerzahl in zwei Kurse geteilt) soll Grundkenntnisse und Orientierungshilfen vermitteln im Blick auf die vokalen und instrumentalen Gattungen bzw. Besetzungsformen, die sich seit dem ausgehenden Mittelalter entwickelten. Weiterhin geht es um den anzustrebenden sicheren Umgang mit Grundlagenliteratur und Fachterminologie. Die Präsentation der einzelnen thematischen Schwerpunkte erfolgt in Form von Kurzreferaten. In der ersten Sitzung werden die Aufgaben verteilt und ein Leitfaden für die Umsetzung gegeben.

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Übung Repertoirekunde Kurs B
Mi, 10:15 - 11:45

Die Übung (diesmal aufgrund der zu erwartenden hohen Teilnehmerzahl in zwei Kurse geteilt) soll Grundkenntnisse und Orientierungshilfen vermitteln im Blick auf die vokalen und instrumentalen Gattungen bzw. Besetzungsformen, die sich seit dem ausgehenden Mittelalter entwickelten. Weiterhin geht es um den anzustrebenden sicheren Umgang mit Grundlagenliteratur und Fachterminologie. Die Präsentation der einzelnen thematischen Schwerpunkte erfolgt in Form von Kurzreferaten. In der ersten Sitzung werden die Aufgaben verteilt und ein Leitfaden für die Umsetzung gegeben.

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Gammert

Übung „Musikalische Logik“? Dualistische Musiktheorie(n)
Fr, 12:15 - 13:45

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts spielen in der Musiktheorie dualistische oder polare Erklärungsmodelle eine Rolle. Wiewohl sich auch Beschreibungen spiegelbildlich aufgestellter Skalen finden, betreffen diese Entwürfe im Wesentlichen den Bereich der Harmonik und vor allem die Frage nach einer wissenschaftlichen Begründbarkeit des Mollgeschlechts. Analog zur „Naturgegebenheit“ des Dur-Klangs durch die ersten Obertöne seines Grundtones beschäftigte die Suche nach einer entsprechenden Begründung für das Mollgeschlecht zahlreiche Theoretiker und führte dabei zu verschiedenen Lösungsansätzen. Als Ausgangspunkt des harmonischen Dualismus gilt gemeinhin das Erscheinen von Moritz Hauptmanns Die Natur der Harmonik und der Metrik, Leipzig 1853. Zeigte sich Hauptmann noch primär einem philosophischen und auf der hegelschen Dialektik fußenden Ansatz verpflichtet, so gewannen in der Folgezeit vor allem naturwissenschaftlich geprägte Erklärungsmodelle an Bedeutung. In der Veranstaltung wird neben den zentralen Theorieentwürfen des 19. Jahrhunderts (von Moritz Hauptmann, Arthur von Oettingen und Hugo Riemann) vor allem die Spätphase des Dualismus im Fokus stehen. Das meint primär den Polarismus Sigfrid Karg-Elerts und die Bedeutung, die er bis weit über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus vornehmlich an Ausbildungsstätten der ehemaligen DDR behielt. Insgesamt werden wir uns primär unter Aspekten der Wissenschafts- und Fachgeschichte mit musiktheoretischen Systementwürfen befassen und dabei gerade auch Fragen nach ästhetischen Dimensionen von Tonalitätsmodellen behandeln.

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Gräf

Übung Digitales Audio: Konzepte und Anwendungen
Mi, 16:15 - 17:45

Die Verarbeitung digitaler Klänge mit dem Computer gehört heute zum Handwerkszeug des Musikers und Musikwissenschaftlers. In der Übung lernen wir wichtige theoretische und technische Grundlagen der digitalen Audiotechnik und Signalverarbeitung kennen, und vertiefen diese Kenntnisse durch praktische Arbeiten mit entsprechender Computer-Software. Dazu beschäftigen wir uns mit Themen der Akustik, der Digitalisierung, der Speicherung und Bearbeitung von Klängen im Computer, sowie der Klanganalyse und -synthese.

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Übung Musiquantik
Mi, 12:15 - 13:45

Der Komponist Clarence Barlow ist ein Pionier auf dem Gebiet Computer-gestützter Kompositionstechniken. Im Proseminar lernen wir an Hand des Textes "Musiquantik" des Komponisten (Feedback Papers 34, 2008) grundlegende Konzepte kennen, die für den Einsatz des Computers in musikalischen Anwendungen wichtig sind. Dabei geht es zum Beispiel um die mathematisch präzise Beschreibung von Skalen und Rhythmen, die Frage der Konsonanz und Dissonanz von Intervallen, die Darstellung von Musik im Computer und weitere informationstechnische, musiktheoretische und psychoakustische Begriffe, die zum Handwerkszeug zeitgenössischer Komponisten und Computer-Musiker gehören.

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Hauptseminar Stimmungen und Temperaturen
Di, 16:15 - 19:45 - Blockveranstaltung (14-tägig)

Was sind musikalische Stimmungen und wie kommen sie zustande? Stimmungen (d.h. die genauen Frequenzverhältnisse innerhalb einer Tonskala) sind immer ein Kompromiss, der im Spannungsfeld von natürlichen Obertonreihen (möglichst „reine“, d.h. schwebungsfreie Intervalle) und der Forderung nach einem geschlossenen Tonsystem festgelegt werden muss. In der Musikgeschichte finden wir daher neben den reinen auch eine Vielzahl von modifizierten Stimmungen (Temperaturen, von lat. temperare). Diese spielen eine wichtige Rolle in der Musik, namentlich in der Entwicklung von Musiktheorie, Kompositionslehre und Instrumententechnik. Heute blicken wir auf eine rund 2500-jährige Geschichte zurück, die von den Musiktheorien der griechischen Antike bis zu der heute gebräuchlichen gleichstufigen Temperatur und der Mikrotonalität in der zeitgenössischen Musik reicht. Im Seminar beschäftigen wir uns mit den theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungen der musikalischen Stimmungen.

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Hindrichs

Proseminar Rechte Musik im Schulunterricht
Do, 14:15 - 15:45

Sowohl die von der NPD seit 2004 in etlichen Auflagen verteilten „Schulhof-CDs“ als auch die jährlich wiederkehrenden Hinweise der Verfassungsschutz-berichte belegen eindrücklich, dass die rechtsradikale(n) Szene(n) Musik offenbar als zentrales Mittel zur ideologischen Rekrutierung Jugendlicher genutzt wird. Das Spektrum rechtsradikaler und ‚rechts-offener‘ Musik beschränkt sich dabei allerdings längst nicht mehr auf ein eher diffuses Punkrock-Genre… In diesem Seminar stehen u.a. folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie werden rechtsradikale Inhalte in der Musik eingesetzt und inwiefern kann Musik überhaupt die Ausbildung rechtsradikaler Ideologien „bewirken“? Welche Rolle spielt Musik bei der Konstruktion rechtsradikaler Jugendkulturen bzw. -szenen? Welche Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Rechtsradikalismus und rechtsradikaler Musik gibt es im Kontext von Schule? Neben einer allgemeinen Einführung zu einem wissenschaftlich und sachlich sicheren Umgang mit Popmusik im Unterricht werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Untersuchung einiger aktueller Beispiele rechtsradikaler und ‚rechts-offener‘ Musik sowie Überlegungen zur Balance zwischen Jugendschutz und pädagogischer Verantwortung kennenlernen und diskutieren.

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Übung „Musicking“: Methoden der Musikwissenschaft (Vertiefung)
Di, 10:15 - 11:45

Quid sit musica lautet auch etliche Jahrhunderte nach Boethius' "De institutione musica" die Kernfrage musikwissenschaftlichen Denkens und Arbeitens. Im Vordergrund dieser Übung soll Christopher Smalls Idee des "Musicking" stehen, die den Fokus der Frage nach der Musik fort vom 'being' und hin zum 'doing' ausrichtet. Das Konzept "Musicking" soll dabei vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe jüngerer wissenschaftstheoretischer Konzepte, die im Zuge des sogenannten 'linguistic turn' innerhalb der Kulturwissenschaften auch in der Musikwissenschaft diskutiert werden, auf seine methodische Tauglichkeit hin befragt werden, und zwar stets eingedenk der Einsicht des französischen Soziologen Marcel Granet: "Die Methode ist der Weg, nachdem man ihn durchlaufen hat".

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Karthäuser

Übung Form und musikalischer Satz
Mo, 14:15 - 15:45

In diesem Kurs geht es um einen Einstieg in den handwerklichen und analytischen Umgang mit tonaler Musik. Auf der Basis von Klang- und Notenbeispielen werden musiktheoretische Konzepte harmoniegebundener Musik erarbeitet und dazugehörige Analysewerkzeuge eingeübt (Generalbass, Fundamentalbass, Stufen, Funktionen, ggf. Schichten). Gleichzeitig werden mittels elementarer satztechnischer sowie gehörbildender Übungen die Grundlagen für eine weitergehende Form- und Musikanalyse gelegt (Stimmführung, Akkordverbindungen, Kadenzierung, Modulation, einfache Satzmodelle).

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Übung Historische Satzlehre I
Mo, 16:15 - 17:45

In diesem Kurs geht es um Einblicke in die Entwicklung mittelalterlicher Musik von den Anfängen überlieferter Notation bis etwa zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Das Spektrum der Musikbeispiele erstreckt sich von vokaler Einstimmigkeit bis hin zu den ersten Höhepunkten mehrstimmiger Kompositionskunst. Anhand von Klang- und Notenbeispielen typischer Musikgattungen erhalten Sie Gelegenheit, sich in die zugrundeliegenden Tonsysteme und Kompositionen einzuhören. Gleichzeitig werden analytische und handwerkliche Zugänge zu den dazugehörigen Notationsweisen und Satztechniken erarbeitet und reflektiert. Mit Hilfe historischer und aktueller Texte gehen wir außerdem der Frage nach, worin die Anziehungskraft dieser Musik von damals bis heute besteht.

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Kolb

Übung Einführung Musikwissenschaft Kurs B
Do, 12:15 - 13:45

Was ist, was will, kann und soll Musikwissenschaft? Diesen gar nicht so banalen (und historisch ganz unterschiedlich beantworteten) Fragen auf den Grund zu gehen, ist das Anliegen der Veranstaltung, die in dieser Hinsicht am Beginn des Studiums eine erste Orientierung über Aufgaben, Arbeitsweisen und Interessen des Faches bieten möchte. Einerseits sollen dabei Geschichte und Systematik der Disziplin vorgestellt sowie die Vielfalt an Methoden und Forschungsansätzen diskutiert werden, ehe im zweiten (Haupt-)Teil des Kurses Aspekte der musikalischen Überlieferung (vom Autograph bis zur Kritischen Gesamtausgabe), der Rezeption und des Schreibens über Musik (von historischen Darstellungen bis hin zu aktueller Tagespresse, dem Programmhefttext und CD-Booklet, von populärer Publizistik bis hin zu Forschungsliteratur) ins Blickfeld rücken. Zugleich geht es in dieser Übung aber auch darum, ganz konkret das wissenschaftliche ›Handwerkszeug‹ zu erlernen und anhand exemplarischer Beispiele aktiv und praktisch zu erproben: Die wichtigsten Recherchemöglichkeiten und -strategien, die Arbeit mit verschiedenen musikbezogenen Quellen und der Umgang mit gedruckten bzw. elektronisch zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Hilfsmitteln wie Lexika, Enzyklopädien und Verzeichnissen stehen ebenso auf dem Programm wie die Techniken des Zitierens, das korrekte Anlegen von Bibliographien, das Entwickeln eines spezifischen Problembewusstseins und musikhistorischer Fragestellungen und das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten.

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Oberseminar Oberseminar
Mi, 14:15 - 15:45

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Kramer

Hauptseminar Gustav Mahler
Blockveranstaltung in der Hochschule für Musik: 18.11. (16-19), 25.11. (16-19), 5.12. (14-17), 6.12. (10-13), 12.12. (14-17), 13.12. (14-17), 23.1. (14-17), 24.1. (10-13), 6.2. (14-17), 7.2. (10-13)

Gustav Mahler kann wohl als erster moderner Künstlertyp der Musikgeschichte apostrophiert werden. Musikalisch innovativ (und deshalb in der Musikgeschichtsschreibung von Carl Dahlhaus als Repräsentant der „musikalischen Moderne“ verortet), realisierte er darüber hinaus einen Lebensentwurf, der in mancher Hinsicht das 20. Jahrhundert vorwegnahm: Nach den typischen unsteten Wanderjahren zu Beginn seiner Theaterkarriere hatte er 1897 sein Ziel erreicht, als er Direktor der Wiener Hofoper wurde. An der Spitze eines der wichtigsten Opernhäuser der Zeit lebte er fortan den Spagat zwischen Managerdasein, das sich um die institutionellen, aber auch künstlerischen Belange des Hauses kümmern musste, und der persönlichen künstlerischen Verwirklichung: als (reproduzierender) Dirigent ebenso wie als schöpferischer Komponist. Besessenheit, Präzision, Akribie, Rastlosigkeit – das sind einige der Zuschreibungen eines modernen workaholic. Phasen beruflicher „Fremdbestimmung“ wechselten mit Wochen hermetisch-intensiven Rückzugs während der Sommermonate, die einzig dem Komponieren blieben. Künstlerisches Ergebnis ist (u.a.) die Neupositionierung der Gattung der Sinfonie an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, die mit Mahler als „Abbild des Kosmos“ ein geradezu existentielle Aufladung erfuhr, und die in ihrer kompositorischen Rigorosität problemlos zum Anknüpfungspunkt eines Arnold Schönberg werden konnte. Das Seminar wird sich der Persönlichkeit Gustav Mahlers vor dem Hintergrund seiner spezifischen biographischen Situation widmen. Im Zentrum soll dabei die analytische Beschäftigung mit seinen Sinfonien stehen, wobei selbstverständlich auch der Bereich des (Orchester)liedes zu berücksichtigen sein wird. Für die definitive Planung des Seminars wäre es hilfreich, VORAB zu wissen, wer von den Teilnehmern mit welchen Modulanforderungen die Veranstaltung besucht (bitte mail an: kramer@uni-mainz.de). Spätestens ab Mitte Oktober werden an dieser Stelle genauere Hinweise ergänzt.

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Krause

Proseminar Schlüsselwerke der Zeitgenössischen Musik I: 1914/1945 – Komposition angesichts von Krieg und Verfolgung
Mo, 18:15 - 19:45

Die Eckdaten 1914 (Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren) und 1945 (Ende des Zweiten Weltkriegs und Untergang des Dritten Reichs vor 70 Jahren) markieren einen Paradigmenwechsel auch der Musik. Kontrastierend zu einer verstärkt 'heroischen' Rezeption Beethovens und Wagners stellt sich die in diesem Zeitfenster neu konstituierte 'Zeitgenössische Musik' auch der sie umgebenden historischen Situation von Krieg und Totalitarismus. Doch nicht nur Werke, auch die Komponisten selbst geraten so in den Fokus von Verfolgung und Vernichtung. Zahlreiche Schlüsselwerke laden zur Betrachtung ein. Im repräsentativen Bereich der Oper etwa Alban Bergs "Wozzeck", Richard Strauss' "Ein Friedenstag" und Viktor Ullmanns "Der Kaiser von Atlantis", in der Sinfonik Dimitri Schostakowitschs "Leningrader Sinfonie", in Kammermusik und Sololiteratur etwa die Klaviersonate "27. April 1945" von Karl Amadeus Hartmann mit ihrem Bezug auf das KZ Dachau. Der Schatten der ersten Jahrhunderthälfte, auch dies soll angedeutet werden, wirkt bis heute nach: Hiroshima-Kompositionen von Nono bis Hosokawa zeigen dies ebenso wie das das Holocaust-Trauma der nachfolgenden Generationen thematisierende Musiktheater "Pnima" von Chaya Czernowin (1999).

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Münch

Übung "Miteinander, gegeneinander, nebeneinander" - Ausgewählte Werkanalysen zur Idee der Gattung "Konzert"
Mo, 14:15 - 15:45

Analysen ausgewählter Werke der Gattung „Instrumentalkonzert“ unter Einbeziehung zeitgenössischer Theoretikertexte und Reflexionen zur Methodik der musikalischen Analyse.

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Übung Form und Analyse
Mo, 08:15 - 09:45

Theorien tonaler Musik und handwerkliche Praxis (Generalbass, Fundamentalbass, Harmonielehre, Formenlehre); Analysemethoden und musiktheoretische Konzepte (exemplarische Einblicke), einfache Höranalyse mit gehörbildenden Übungen. Profunde Kenntnisse der Allgemeinen Musiklehre werden vorausgesetzt.

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Übung Historische Satzlehrer III
Di, 10:15 - 11:45

Analysen und Stilkopien zur Musik des 17. und 18. Jahrhunderts: Generalbasslehre als Kompositionslehre, Vokalkomposition und Rhetorik, durmolltonale Harmonik, Instrumentalsatz der »Klassik«; dabei Einblicke in das musiktheoretische Schrifttum des 18. Jahrhunderts.

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Proseminar „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ – Konzepte der Musikvermittlung seit 1800
Di, 14:15 - 15:45

Die Vermittlung des „Kunsthaften“ in der Musik (was auch immer man darunter verstehen mag) ist ein hartes Geschäft, dessen Schwierigkeit oder (vielleicht) Vergeblichkeit nicht erst seit den letzten Jahrzehnten beklagt wird, da Untergangsszenarien für eine totgesagte „Klassik“ bzw. musikalische „Hochkultur“ die „E-Musik“-Szene beherrschen. Spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts, mit der Autonomisierung der Instrumentalmusik und einem beginnenden Auseinanderklaffen von „populärer“ und „artifizieller“ Musikkultur, wird die Problematik überall greifbar und ist an der Herausbildung einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise von Musik nicht unbeteiligt. In diesem Seminar sollen – in Verknüpfung mit werkanalytischer Arbeit – unterschiedliche Ansätze untersucht werden, die sich zum Ziel setzten, das „Große“, „Herausgehobene“ und „Schwierige“ kunsthaft komponierter Musik darzustellen, fasslich zu machen oder zu verteidigen, sei es auf feuilletonistischem, kunstpädagogischem oder literarischem Weg. Musikkritik, Komponisten- und Interpretenkommentare, Kompositionslehren, musikalische Hermeneutik etc. sollen nach ihrer Methodik, Stichhaltigkeit, nach ihren Stärken und Schwächen befragt werden. Mitzureflektieren ist dabei stets, was wir heute darunter verstehen, wenn wir von Musik als „Kunst“ bzw. als künstlerischer Ausdrucksform sprechen.

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Over

Übung Einführung Musikwissenschaft Kurs A
Di, 12:15 - 13:45

Was ist, was will, kann und soll Musikwissenschaft? Diesen gar nicht so banalen (und historisch ganz unterschiedlich beantworteten) Fragen auf den Grund zu gehen, ist das Anliegen der Veranstaltung, die in dieser Hinsicht am Beginn des Studiums eine erste Orientierung über Aufgaben, Arbeitsweisen und Interessen des Faches bieten möchte. Einerseits sollen dabei Geschichte und Systematik der Disziplin vorgestellt sowie die Vielfalt an Methoden und Forschungsansätzen diskutiert werden, ehe im zweiten (Haupt-)Teil des Kurses Aspekte der musikalischen Überlieferung (vom Autograph bis zur Kritischen Gesamtausgabe), der Rezeption und des Schreibens über Musik (von historischen Darstellungen bis hin zu aktueller Tagespresse, dem Programmhefttext und CD-Booklet, von populärer Publizistik bis hin zu Forschungsliteratur) ins Blickfeld rücken. Zugleich geht es in dieser Übung aber auch darum, ganz konkret das wissenschaftliche ›Handwerkszeug‹ zu erlernen und anhand exemplarischer Beispiele aktiv und praktisch zu erproben: Die wichtigsten Recherchemöglichkeiten und -strategien, die Arbeit mit verschiedenen musikbezogenen Quellen und der Umgang mit gedruckten bzw. elektronisch zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Hilfsmitteln wie Lexika, Enzyklopädien und Verzeichnissen stehen ebenso auf dem Programm wie die Techniken des Zitierens, das korrekte Anlegen von Bibliographien, das Entwickeln eines spezifischen Problembewusstseins und musikhistorischer Fragestellungen und das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten.

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Übung Musikwissenschaft und Digital Humanities: Forschung im digitalen Zeitalter
Di, 08:15 - 09:45

Mit Digital Humanities werden relativ neue Forschungsmethoden der Geisteswissenschaften bezeichnet, die unter Zuhilfenahme der Möglichkeiten des digitalen Zeitalters neue Forschungsperspektiven eröffnen und so zu neuen Forschungsergebnissen führen können. In der Übung werden verschiedene Ansätze digital gestützter Forschung diskutiert und ihre Relevanz für die Musikwissenschaft evaluiert. Anhand von praktischen Beispielen aus dem laufenden Forschungsprojekt "MusMig. Music Migrations in the Early Modern Age" werden grundsätzliche Frage- und Problemstellungen bei Projekten der Digital Humanities generell und bei der Konfiguration von Datenbanken speziell erarbeitet.

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Pietschmann

Hauptseminar Komponistenbilder in der NS- und Nachkriegszeit
Fr, 08:15 - 09:45

Die Konstruktion von Musikermythen ist ein wesentlicher Aspekt musikhistorischer Prozesse. Zu den musikpolitischen Maßnahmen des NS-Regimes zählte auch die gezielte Vereinnahmung von kanonisierten Komponistenpersönlichkeiten sowie die ideologische Umdeutung biographischer und ästhetischer Aspekte. Die dabei entstehenden Komponistenbilder lassen sich vor dem Hintergrund langfristiger Traditionen musikgeschichtlicher Kanonbildung verstehen, die sowohl die Voraussetzungen als auch das Weiterwirken bestimmter Anschauungen bis in die jüngere Vergangenheit hinein betreffen. Im Rahmen des Seminars sollen diese Prozesse am Beispiel verschiedener Komponisten wie Schütz, Gluck, Beethoven oder Bruckner auf mehreren Ebenen beleuchtet werden. Neben der musikwissenschaftlichen Beschäftigung mit diesen Persönlichkeiten sollen auch andere Quellen wie etwa zeitgenössische Schulbücher befragt werden. Im Rahmen von begleitenden Gastvorträgen sollen zusätzlich Einblicke in laufende Forschungen zum Thema geboten werden.

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Übung Methoden der Musikwissenschaft Kurs A
Do, 08:15 - 09:45

Die Übung führt exemplarisch in zentrale Fragestellungen und Methoden des Faches Musikwissenschaft sowie Arbeitstechniken der musikwissenschaftlichen Arbeit ein. Zugleich soll der Umgang mit wissenschaftlicher Literatur im Rahmen von Referaten und das Verfassen von wissenschaftlichen Texten erprobt werden. Die Veranstaltung ist inhaltlich eng an die Übung Repertoirekunde gekoppelt.

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Übung Methoden der Musikwissenschaft Kurs B
Do, 10:15 - 11:45

Die Übung führt exemplarisch in zentrale Fragestellungen und Methoden des Faches Musikwissenschaft sowie Arbeitstechniken der musikwissenschaftlichen Arbeit ein. Zugleich soll der Umgang mit wissenschaftlicher Literatur im Rahmen von Referaten und das Verfassen von wissenschaftlichen Texten erprobt werden. Die Veranstaltung ist inhaltlich eng an die Übung Repertoirekunde gekoppelt.

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Vorlesung Musikgeschichte III (Musik in der frühen Neuzeit)
Fr, 10:15 - 11:45

Die Vorlesung ist den großen Strängen der europäischen Musikgeschichte vom ausgehenden 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gewidmet. Die Eckpunkte markieren der gemeinhin mit Monteverdis Postulat einer "Seconda pratica" in Verbindung gebrachte musikgeschichtliche Paradigmenwechsel um 1600 einerseits und die sog. Opernreform Glucks in den 1760er Jahren andererseits. Vorgesehen sind darüber hinaus exkursartige Ausblicke zu kulturellen Austauschprozessen mit der Musik in Lateinamerika und im fernen Osten.

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Pietschmann & Rühling

Übung Organum – Organa: Musiktheorie, Gesang und instrumentale Praxis im Mittelalter (Blockveranstaltung)
Fr, 14:15 - 17:45

Gegenstand sind die frühesten Zeugnisse zum mehrstimmigen Gesang im europäischen Mittelalter. Einen Schwerpunkt bildet dabei das theoretische Schrifttum zum sog. Organum, in dem Formen dieser vor allem im kirchlichen Bereich angesiedelten improvisierten Mehrstimmigkeit beschrieben werden. Zugleich soll nach den Möglichkeiten der praktischen Umsetzung gefragt werden. Text- und Bildquellen lassen keinen Zweifel, das neben dem Gesang auch Musikinstrumente wie insbesondere die Orgel schon früh Eingang in die Liturgie fanden. Im Rahmen der Übung sollen die Möglichkeiten der instrumentalen Umsetzung des Organum auch praktisch erprobt werden. Grundlage hierfür bilden die Nachbauten antiker und mittelalterlicher Orgeln im Römisch-Germanischen Zentralmuseum. Die Veranstaltung wird daher gemeinsam mit der Musikarchäologin Susanne Rühling durchgeführt, die das Orgelprojekt betreut und auch als ausübende Musikerin tätig ist.

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