Sommersemester 2010

Übersichtsplan

Vorlesung - Proseminar - Hauptseminar - Oberseminar - Übung

 

 

 

Zeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
8.00

 

Form und musikalischer Satz   Formenlehre: Sonatenformen    
9.00 Kontrapunkt III
10.00

 

Musikgeschichte im Überblick I Musiktheoretische Modelle und musikalische Analyse - Eine Einführung in Methoden und Konzepte Der Kantionalsatz im 17. Jahrhundert Chr. W. Gluck und die Opernreform. Tendenzen der italienischen Oper um 1760  
11.00

 

12.00

 

Proseminar zur Vorlesung Musikgeschichte im Überblick I Beethovens Klaviersonaten. Komponierte Reflexionen Musiktheater im 20. Jahrhundert: Profile, Stationen, Tendenzen Musikinformatik  
13.00

 

14.00

 

Musiktheorie der Renaissance - Zwischen Ars und Ausdruck (= Historische Satzlehre II) Praxisfelder der Musikwissenschaft: Konzertdramaturgie Oberseminar Musikinformatik Einführung in die Musikwissenschaft Komponisten als Bearbeiter fremder Werke - Vom Hochmittelalter bis in die Gegenwart
15.00
16.00

 

Gehörbildung III Repertoirebildung und musikalische Interpretation im Spiegel kommerzieller Tonträger Form und Analyse Musikalische Stimmungen und Temperaturen Die Notation mehrstimmiger Musik vom „Ereignis Notre Dame“ bis zur weißen Mensuralnotation (=Notationskunde I)
17.00

 

Instrumentation
18.00   „La vie parisienne“ - Methoden und Fragestellungen der Musikwissenschaft Generalbass II La Bohème
19.00   Partiturspiel II  

 

Legende:
M.A. = Magister Artium
SE = Staatsexamen Musik
BA-KF = Bachelor of Arts Musikwissenschaft, Kernfach
BA-BF = Bachelor of Arts Musikwissenschaft, Beifach
BEd = Bachelor of Education Musik
DM = Medienmanagement (Diplom)
MM = Medienmanagement (Master)

 

Vorlesungen

Musikgeschichte im Überblick I, K. Pietschmann
2-std., Mo 10:15-11:45
M.A. / SE / BA-KF [07.114.120] / BA-BF [07.114.120] / BEd [07.114.2010 oder 07.114.2020] / DM /MM [07.114.1010]

Die Vorlesung bietet einen Überblick über die zentralen Stationen und Verläufe der Musikgeschichte von der Antike bis ins späte Mittelalter. Dabei werden die Grundlagen der Musiktheorie, Musikanschauung und Komposition ebenso zu verfolgen sein wie quellenkundliche Fragen, Aspekte der Aufführungspraxis und die Historiographie.
Im begleitenden Proseminar sollen die einzelnen Stationen der Vorlesung anhand von exemplarischen Werk- und Quellenbetrachtungen vertieft werden.

Musiktheoretische Modelle und musikalische Analyse - Eine Einführung in Methoden und Konzepte, C. Hust
2-std., Di 10:15-11:45
M.A. / SE / BA-KF [07.114.180] / BA-BF [07.114.180]

Visualisierungen tonaler Räume als Donuts und rhythmischer Relationen als Skipisten, Modelle von Tonfeldern nach Albert Simon, Tonnetzen nach Richard Cohn und Tonhöhenklassen-Sets nach Allen Forte: Musiktheorie ist bei uns eine Disziplin im Umbruch. Neue Fragestellungen und neue Methoden haben das Blickfeld drastisch erweitert, Gedanken zur Wissenschaftlichkeit des Faches und zu seinem Verhältnis zur historischen Musikwissenschaft werden diskutiert, der lange vernachlässigte Dialog mit Fachtraditionen außerhalb des deutschsprachigen Raums ist endlich in Gang gekommen. Ziel dieser Vorlesung ist es, Einblicke in diese vitale Disziplin zu geben, die insbesondere das Verhältnis musiktheoretischer Modelle zu ihrer Anwendung in der musikalischen Analyse betreffen.

Musiktheater im 20. Jahrhundert: Profile, Stationen, Tendenzen, U. Kramer
2-std., Mi 12:15-13:45
M.A. / SE / DM / BA-KF [07.114.150] / BA BF [07.114.150]

Das Musiktheaters des 20. Jahrhundert ist nicht einfach e i n Ausschnitt aus der Geschichte der dramatischen Gattungen mit Musik, sondern unterscheidet sich fundamental von den zurückliegenden Jahrhunderten: Indem das bis dahin selbstverständliche Prinzip des Miteinanders aller beteiligten Kräfte erstmals in Frage gestellt und bisweilen sogar massiv negiert wurde, lässt sich die Gattung nicht mehr im Sinne eines einheitlichen Handlungsstrang nachverfolgen. Charakteristisch ist eine neue Pluralität, werden doch seit den ersten Dekaden des Jahrhunderts verschiedenste Konzepte nebeneinandergestellt; die Spannweite reicht dabei vom Typus der Literaturoper über das epische (Musik)Theater bis hin zur totalen Negierung eines wirklichen Plots. Die Vorlesung will dieser Vielfalt Rechnung tragen und die verschiedensten Facetten in Form von Typen und Stationen diskutieren.

Literatur:

Siegfried Mauser (Hg.), Musiktheater im 20. Jahrhundert. Laaber 2002 (= Handbuch der musikalischen Gattungen Bd. 14).

 

Ulrich Schreiber, Opernführer für Fortgeschrittene. Bd. 3/1: Von Verdi und Wagner bis zum Faschismus. Kassel 32007 und Bd. 3/2 Das 20. Jahrhundert II: Deutsche und italienische Oper nach 1945. Frankreich. Großbritannien. Kassel 2005.


Proseminare

Proseminar zur Vorlesung Musikgeschichte im Überblick I, K. Pietschmann
2-std., Mo 12:15-13:45
M.A. / SE / BA-KF [07.114.130] / BA-BF [07.114.130] / DM / MM [07.114.030]

Die Vorlesung bietet einen Überblick über die zentralen Stationen und Verläufe der Musikgeschichte von der Antike bis ins späte Mittelalter. Dabei werden die Grundlagen der Musiktheorie, Musikanschauung und Komposition ebenso zu verfolgen sein wie quellenkundliche Fragen, Aspekte der Aufführungspraxis und die Historiographie.
Im begleitenden Proseminar sollen die einzelnen Stationen der Vorlesung anhand von exemplarischen Werk- und Quellenbetrachtungen vertieft werden.

Beethovens Klaviersonaten. Komponierte Reflexionen, F. Kolb
2-std., Di 12:15-13:45
M.A. (hist.) / SE (hist.) / BA-KF [07.114.160.1] / BA-BF [07.114.160.1] / BEd [07.114.160.1] / DM / MM [07.114.160.1]

„Das Neue Testament der Klaviermusik“: So nannte Hans von Bülow die 32 Klaviersonaten Ludwig van Beethovens; und bis heute gelten sie vielen als ›Meilensteine‹ der europäischen Musikgeschichte. Zwischen 1782 und 1822 entstanden (also beinahe die gesamte Schaffenszeit Beethovens durchziehend), spiegeln sie erstaunlich lückenlos und vielgestaltig die künstlerische Entwicklung des Komponisten wider. In der Tat scheinen sie wie kaum ein anderes Segment in Beethovens Œuvre das zentrale Experimentierfeld darzustellen, auf dem sich von Werk zu Werk kompositorische Innovationen vollziehen. In Auseinandersetzung mit den klassischen Gestaltungsnormen, den traditionellen Satztypen und dem hohen Anspruch von Sonaten-Komposition werden dabei die Grenzen der Gattung durch die ungeheure Vielfältigkeit und ästhetische Autonomie der einzelnen Stücke beständig neu ausgelotet bzw. jeweils anders definiert. Mit einer bislang ungekannten expressiven Subjektivität einerseits und mit einer besonderen Originalität in der Formgebung andererseits wird eine jede Sonate sozusagen zur unverwechselbaren Individuallösung und zur ganz und gar einzigartigen Realisierung des Konzepts ›Klaviersonate‹.
Diesem hochspannenden Werkkorpus möchte sich das Seminar - anhand ausgewählter Beispiele insbesondere der frühen und mittleren Sonaten - vor allem analytisch näheren. Daneben sollen zugleich aber immer auch übergeordnete Fragen thematisiert werden: Welches Sonatenverständnis und welche Theorien herrschten zur Beethoven-Zeit? An welche Spieler und an welche Hörer wandte sich die außergewöhnliche Virtuosität und Komplexität der Stücke? Welche instrumentenbaulichen Voraussetzungen ermöglichten die enorme Erweiterung der klanglichen Dimensionen? In welchem kulturgeschichtlichen Kontext lassen sich Dramatik, Pathos und Innigkeit der Stücke verorten? Welche Rolle spielten Beethovens Klaviersonaten für den Originalitäts- und Geniekult des 19. Jahrhunderts? Warum wurden sie zum zentralen Paradigma der Kompositionslehre und Kernbestand des Klavierrepertoires? Und warum befassen wir uns heute noch mit dieser Musik?

Literatur:

Siegfried Mauser, Beethovens Klaviersonaten. Ein musikalischer Werkführer, München 2001.

 

Beethoven - Interpretationen seiner Werke, hrsg. von Carl Dahlhaus, Albrecht Riethmüller und Alexander L. Ringer, Laaber [2]2009.

„La vie parisienne“ - Methoden und Fragestellungen der Musikwissenschaft, L. Möckli
2-std., Di 18:15-19:45
BA-KF [07.114.030] / BA-BF [07.114.030]

Am Beispiel des vielfältigen Pariser Musiklebens im 19. Jahrhundert führt dieses Proseminar in die Fragestellungen und Methoden des Faches Musikwissenschaft ein. Die wissenschaftlichen Fragen und Herangehensweisen werden bezogen auf diese zentrale Epoche der europäischen Musikgeschichte behandelt. Dabei werden verschiedene musikalische Gattungen (Oper, Symphonische Dichtung, Kammermusik), Institutionen (Académie Royale, Opéra Comique, Conservatoire, Salons) und Persönlichkeiten (Rossini, Meyerbeer, Auber, Berlioz, Offenbach, Chopin, Debussy) aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Unter anderem werden folgende Themenbereiche in den Blick zu nehmen sein: Quellenkunde, Editionspraxis, Ästhetik, Werkanalyse, Gattungsgeschichte, Rezeptionsforschung, Aufführungspraxis, Genderforschung, Tonträgeranalyse.

Erste Lektüreempfehlung: Anselm Gerhard, Die Verstädterung der Oper. Paris und das Musiktheater des 19. Jahrhunderts, Stuttgart/Weimar, 1992.

Chr. W. Gluck und die Opernreform. Tendenzen der italienischen Oper um 1760, B. Over
2-std., Do 10:15-11:45
M.A. (hist.) / SE (hist.) / BA-KF [07.114.160.2] / BA-BF [07.114.160.2] / BEd [07.114.160.2] / DM / MM [07.114.160.2]

Mit Raniero de’ Calzabigis und Christoph Willibald Glucks Aufführung der „Azione teatrale“ Orfeo ed Euridice in Wien 1762 beginnt ein neues Kapitel der Operngeschichte. Als Reaktion auf die damaligen Konventionen und Traditionen der Opera seria rückt in Orfeo ed Euridice das Dramatische wieder in den Vordergrund; Aktion und Ausdruck gewinnen die Oberhand gegenüber Statik und Schöngesang. Glucks Oper weist mit dieser Konzeption weit in das 19. Jahrhundert hinein.

Die „Reformoper“ par excellence hatte indessen zunächst nur begrenzte Auswirkungen auf Librettistik und Opernkomposition. Sie fand kein ungeteiltes Echo beim Publikum und wurde als zu ernst und zu düster, als ein Stück, das eher für die Karwoche als für den Karneval geeignet ist, kritisiert. Andere Komponisten setzten sich mit ihr meist auseinander, indem sie eigene Versionen von Calzabigis Libretto vertonten oder Glucks Oper für die Bedürfnisse anderer Theater anpassten. Anhand von Kritik, Neukompositionen und Adaptionen lässt sich ein grundlegend anderes Verständnis von Musikdrama ablesen, das das Singuläre und Zukunftsweisende der Konzeption Calzabigis und Glucks umso deutlicher hervorstechen lässt.

Das Proseminar beleuchtet sowohl die theoretischen und musikalischen Grundlagen der Reform als auch ihre Konsequenzen. Durch Vergleiche mit anderen „Reformopern“ und weiteren Vertonungen von Calzabigis Libretto (u.a. von Johann Christian Bach) sollen Tendenzen der italienischen Oper in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts herausgearbeitet werden.

Literatur:

MGG, Art. „Gluck“.

 

Reinhard Strohm, Die italienische Oper im 18. Jahrhundert, Taschenbücher zur Musikwissenschaft 25, Wilhelmshaven 1979, S. 305-335.

 

Daniel Heartz, „Von Garrick zu Gluck: Theater- und Opernreform um 1750“, in: Christoph Willibald Gluck und die Opernreform, hrsg. von Klaus Hortschansky, Darmstadt 1989, S. 200-222.

Einführung in die Musikinformatik, A. Gräf
2-std., Do 12:15-13:45
M.A. (syst.) / SE (syst.) / BA-KF [07.114.190] / BA-BF [07.114.190] / BEd [07.114.190] / DM / MM [07.114.190]

Die Musikinformatik beschäftigt sich mit Anwendungen des Computers in Musik und Musikwissenschaft. Das Themenspektrum reicht von der digitalen Signalverarbeitung über die Klangverarbeitung und -synthese mit dem Computer bis hin zur algorithmischen Komposition und musikalischen Analyse. Ziel des Proseminars ist eine Einführung in die wichtigsten Gebiete der Musikinformatik an Hand einschlägiger Literatur und Materialien aus dem Internet.

Themen:
1.Akustische Grundlagen (Was ist Schall?) [Ballou]
2.Psychoakustik (Über die Schallwahrnehmung) [Roads]
3.Digitales Audio (Speicherung und Bearbeitung von Schallwellen) [Roads]
4.MIDI: Grundlagen, Anwendungen (evtl. Programmierung) [Roads, Selfridge-Field]
5.Digitale Klangsynthese [Roads, Dodge/Jerse]
6.Algorithmische Komposition [Miranda]
7.Computer-gestützte Notation [Selfridge-Field]
8.Musikalische Codes [Hewlett/Selfridge-Field]
9.Software für die Musik-Produktion (Ableton Live, Cakewalk Sonar, Cubase etc.)
10.Software-Synthese mit dem PC (Reaktor, SynthEdit, SuperCollider etc.)
11.Notations-Software (Capella, Finale, Lilypond, Sibelius etc.) 12.Grundlagen der mathematischen Musiktheorie [Mazzola]
13.Physikalische Modelle der Schall-Erzeugung [Steiglitz]
14.Digitale Signalverarbeitung: Filter und Effekte [Roads, Dodge/Jerse]
15.Digitale Signalverarbeitung: Fourier-Analyse [Steiglitz]

Literatur:

Ballou (Hrsg.), Handbook for Sound Engineers.

 

Dodge/Jerse, Computer Music.

 

Hewlett/Selfridge-Field (Hrsg.), The Virtual Score.

 

Mazzola, Geometrie der Töne.

 

Miranda, Composing Music with Computers.

 

Roads, Computer Music Tutorial.

 

Selfridge-Field (Hrsg.), Beyond MIDI.

 

Steiglitz, A Digital Signal Processing Primer.

La Bohème, T. Hindrichs
2-std., Do 18:15-19:45
M.A. (hist.) / SE (hist.) / BA-KF [07.114.160.3] / BA-BF [07.114.160.3] / BEd [07.114.160.3] / DM / MM [07.114.160.3]

Pflichtlektüre zur Vorbereitung:
Egon Voss, Leoncavallo: La Bohème (1897), in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, Band 3, München, Zürich 1978, S. 473–475.
und
Norbert Christen, Puccini: La Bohème (1896), ebda., Band 5, München, Zürich 1994, S. 101–107.

Giacomo Puccinis La Bohème (1896) darf sicher als die wohl populärste musiktheatrale Adaption von Henry Murgers Scènes de la vie de Bohème gelten und soll insofern selbstverständlich zunächst im Fokus des Seminars stehen.
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit der musikalischen, textlichen und dramaturgischen Faktur von Puccinis Bohème wird der Blick freilich auch auf Ruggero Leoncavallos beinahe zeitgleich (1897) auf die Bühne gebrachte La Bohème zu richten sein. Zuletzt gilt es jedoch auch, sich drei weiteren Umsetzungen des Bohème-Stoffs zu nähern: Die Filme Moonstruck (Norman Jewison, 1987), Das Leben der Bohème (Aki Kaursimäki, 1992) und Moulin Rouge! (Baz Luhrmann, 2001) sollen – insbesondere aus musikalischer und musikdramaturgischer Perspektive – sowohl auf ihre unterschiedlichen konzeptionellen Umsetzungen als auch auf intertextuelle Bezüge zu Leoncavallo und Puccini hin diskutiert werden.


Hauptseminare

Musikalische Stimmungen und Temperaturen, A. Gräf
2-std., Mi 16:15-17:45 (Pfeifferweg 12)
M.A. (syst.) / SE (syst.)

Was sind musikalische Stimmungen und wie kommen sie zustande? Stimmungen (d.h. die genauen Frequenzverhältnisse innerhalb einer Tonskala) sind immer ein Kompromiss, der im Spannungsfeld von natürlichen Obertonreihen (möglichst „reine“, d.h. schwebungsfreie Intervalle) und der Forderung nach einem geschlossenen Tonsystem festgelegt werden muss. In der Musikgeschichte finden wir daher neben den reinen auch eine Vielzahl von modifizierten Stimmungen (Temperaturen, von lat. temperare). Diese spielen eine wichtige Rolle in der Musik, namentlich in der Entwicklung von Musiktheorie, Kompositionslehre und Instrumententechnik. Heute blicken wir auf eine rund 2500-jährige Geschichte zurück, die von den Musiktheorien der griechischen Antike bis zu der heute gebräuchlichen gleichstufigen Temperatur und der Mikrotonalität in der zeitgenössischen Musik reicht. Im Seminar beschäftigen wir uns mit den theoretischen Grundlagen und psychoakustischen Determinanten der musikalischen Stimmungen, und untersuchen auch die Wechselwirkungen mit Kompositions- und Instrumententechnik. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf systematischen Betrachtungsweisen liegen, die aber im historischen Kontext anzuwenden sind, um die Entwicklung der Stimmungs-Systeme und deren Beziehungen untereinander besser zu verstehen.

Musik und Liturgie im Umfeld des Tridentinum, K. Pietschmann
2-std., Blockveranstaltung
M.A. (hist.) / SE (hist.)

Blockseminar in Rom, 21.-26. September 2010
Der Termin für eine Vorbesprechung mit Vergabe der Referatsthemen wird durch Aushang rechtzeitig bekannt gemacht.

Das Verhältnis von Musik und Liturgie war beginnend mit den frühesten Zeugnissen komponierter Musik von zentraler musikgeschichtlicher Bedeutung, die sich in der Ausprägung von Gattungen ebenso niederschlägt wie in der Verschriftlichung oder der Semantisierung von Musik. Angesichts des kompositionsgeschichtlichen, ästhetischen und politisch-symbolischen Stellenwerts, den die Kirchenmusik im frühen 16. Jahrhundert erlangt hatte, erscheint ihre existentielle Infragestellung durch das Trienter Konzil (1545-1563) und ihre nachfolgende Neudefinition im Zuge der Gegenreformation als eines der spektakulärsten Kapitel der Musikgeschichte, das sich nur vor dem Hintergrund der Rolle der Musik im Gottesdienst und den damit verbundenen Liturgieauffassungen begreifen lässt. Einen wesentlichen Zugang zum Verständnis des komplexen Wechselverhältnisses bietet die Auseinandersetzung mit der Verortung der Klangkörper im Kirchenraum und ihrer Interaktion mit dem liturgischen Ablauf.
Das Seminar, das als Blockseminar im Rahmen einer Romexkursion gemeinsam mit Prof. Dr. Laurenz Lütteken und Studierenden des Musikwissenschaftlichen Instituts Zürich durchgeführt wird, wird kirchenmusikalische Kompositionen, Institutionen und theologische Positionen vom 15. bis zum 17. Jahrhundert in den Blick nehmen und durch die Besichtigung zentraler Schauplätze in Rom sowie die Vorstellung ausgewählter Quellen in römischen Bibliotheken ergänzen.

Literatur:

Jörg Bölling, Das Papstzeremoniell der Renaissance: Texte, Musik, Performanz, Frankfurt a.M. u.a. 2006.

 

Laurenz Lütteken, Guillaume Dufay und die isorhythmische Motette. Gattungstradition und Werkcharakter an der Schwelle zur Neuzeit. Hamburg, Eisenach 1993 (= Beiträge zur Musikwissenschaft aus Münster 4).

 

Klaus Pietschmann, Kirchenmusik zwischen Tradition und Reform. Die päpstliche Kapelle und ihr Repertoire im Pontifikat Pauls III. (1534–1549), Vatikanstadt 2007 (=CASCAM 11).

Komponisten als Bearbeiter fremder Werke - Vom Hochmittelalter bis in die Gegenwart, R. Wiesend
2-std., Blockveranstaltung
M.A. (hist.) / SE (hist.)

Die Veranstaltung findet an fünf Einzelterminen statt:
Freitag, 16. April, 14:15-18:45 Uhr; Freitag, 7. Mai, 14:15-18:45 Uhr; Samstag, 8. Mai, 9:15-13:45 Uhr
Freitag, 14. Mai, 14:15-18:45 Uhr; Samstag, 15. Mai, 9:15-13:45 Uhr

Das Augenmerk wird u.a. auf die Bearbeitungstechniken, die Überlieferung, die Stellung des konkreten Falles in der Biographie und im Gesamtschaffen des Komponisten sowie auf die ästhetischen Voraussetzungen und Implikationen gerichtet sein.


Oberseminar

Besprechung von Examensarbeiten, A. Beer, J. Blume, C. Hust, U. Kramer, L. Striegel
2-std., Mi 14:15-15:45
M.A. / SE

Die Teilnahme am Oberseminar ist für StaatsexamenskandidatInnen parallel zur Abfassung ihrer Wissenschaftlichen Hausarbeit verpflichtend. Allerdings wird Magisterstudierenden die Teilnahme gleichfalls dringend empfohlen. Sie können bei Interesse auch nur einzelne Sitzungen besuchen.

Ziel des Examenskolloquiums ist zum einen die Diskussion Ihrer individuellen Arbeitsvorhaben, die Sie in diesem Rahmen erstmals öffentlich vorstellen können und dabei sicherlich einige neue Anregungen erhalten werden. Zum anderen ergibt sich daraus stets auch ein Gespräch über wissenschaftliche Methodik, das von pragmatischen Hinweisen zur Gestaltung einer Gliederung bis zur Besprechung theoretischer Konzepte und der Analyse von Argumentationstechniken reichen kann und soll. Abgerundet wird das Oberseminar bisweilen durch Gastvorträge auswärtiger WissenschaftlerInnen.

Über die Themen der einzelnen Sitzungen informieren die Aushänge am Institut.

Bitte besprechen Sie vorab mit der Betreuerin oder dem Betreuer Ihrer Arbeit, ob und wann Sie im Oberseminar sprechen sollen.

Literatur:

Joseph Kerman, Musicology, London 1985 (Fontana Masterguides), auch als: Joseph Kerman, Contemplating Music. Challenges to Musicology, Cambridge/Mass. 1985.

 

Nicole Schwindt-Gross, Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel. Techniken. Aufgaben, 4. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Kassel u. a. 1992 (Bärenreiter Studienbücher Musik 1).

 

Alastair Williams, Constructing Musicology, Aldershot 2002.


Übungen

Form und musikalischer Satz
1-std., Mo 8:30-9:15
BA-KF [07.114.040] / BA-BF [07.114.045]

Voraussetzungen:
1. Kenntnisse der Allgemeinen Musiklehre nach CHRISTOPH HEMPEL, Neue Allgemeine Musiklehre, Mainz 1997
2. Regelmäßige Teilnahme, Anfertigung von Hausaufgaben.
Eine Abschlussklausur findet erst innerhalb der Fortsetzung dieser Lehrveranstaltung im nächsten Semester, d.h. in „Form und Analyse“ im WS 2010/11 statt.

Inhalt:
Überblick über elementare Satztechniken der europäischen Musik;
Fähigkeit, Musik mit angemessenem Fachvokabular zu beschreiben;
Einblick in Aufgabe und Methoden der musikalischen Analyse.

In verschiedenen Unterrichtseinheiten, die Inhalte aus den musiktheoretischen Disziplinen Harmonielehre, Kontrapunktlehre, Formenlehre und Gehörbildung verwenden (Stichworte u.a. Generalbass, Fundamentalbass, Stufen-, Funktions-Theorie), lernen wir einige Theorien der tonalen Musik kennen, setzen diese Kenntnisse in eigenen Sätzen praktisch um und wenden sie bei der Analyse von Musik an konkreten Beispielen an. Ergänzt werden diese exemplarischen Einblicke durch gehörbildnerische Übungen und einfache Höranalysen.

Literatur:

Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lernen und Lehren, hrsg. von Walter Salmen / Norbert J. Sschneider, Innsbruck 1987 (= Innsbrucker Beiträge zur Musiktheorie 1).

 

Clemens Kühn, Formenlehre der Musik, Kassel u. a. 5. Auflage 1998 u.ö.

 

Clemens Kühn, Analyse lernen, ebd. 1993 (= Bärenreiter Studienbücher Musik 4).

 

Ulrich Kaiser, Gehörbildung. Satzlehre • Improvisation • Höranalyse. Ein Lehrgang mit historischen Beispielen, Bd. 1, Grundkurs, Kassel u. a. 1998 (= Bärenreiter Studienbücher Musik 10).

Musiktheorie der Renaissance - Zwischen Ars und Ausdruck (= Historische Satzlehre II) , St. Münch
2-std., Mo 14:15-15:45
BA-KF [07.114.070] / BA-BF [07.114.070]

Voraussetzungen
Kernfach: Abschluss der Module 1, 2 und 3,
Beifach: Abschluss der Module 1 und 2B (ggf. Lateinkenntnisse)
regelmäßige Teilnahme, Übungsaufgaben (evtl. als mündliches Referat)
Abschlussklausur am Ende des Semesters (90 Minuten) für Teilnehmer, die Historische Satzlehre I + II besucht haben.

Inhalt:
Gegenstand der Lehrveranstaltung ist die Musik der Renaissance unter dem Aspekt der Satztechnik und des Kontrapunkts. Hierzu machen wir uns mit dessen historischen musiktheoretischen Voraussetzungen bekannt (Kontrapunktlehren von Tinctoris bis Fux), studieren die textlichen Quellen und untersuchen die kompositorische Umsetzung an prominenten Beispielen der Zeit. Das eigene Training einiger Techniken in selbstverfassten Tonsätzen sollte das theoretische Studium der Musik grundsätzlich und kontinuierlich begleiten.
Ein spezieller Schwerpunkt soll das Verfolgen des spannenden Verhältnisses zwischen normativer Musiktheorie, kompositorischer Realität und ästhetischen Fragen/Musikanschauung in einer der kulturgeschichtlich wichtigsten Epochen werden.

Literatur:

Diether de la Motte, Kontrapunkt. Ein Lese- und Arbeitsbuch, Kassel u. a. 1981.

 

Harold S. Powers u. a., Mode, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, hrsg. von Stanley Sadie, London 2001, S. 775–860.

 

Thomas Daniel, Kontrapunkt. Eine Satzlehre zur Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts, Köln 1997.

 

Notation, hrsg. von Andreas Jaschinski, Stuttgart u. a. 2001 (MGGprisma).

 

Bernhard Morbach, Die Musikwelt der Renaissance, Kassel 2006.

Gehörbildung III, St. Münch
1-std., Mo 16:00-16:45
M.A.

Die Teilnahme ist nur für Hauptfach-Studierende (Magister) mit erfolgreichem Abschluss der beiden Vorgänger-Übungen I und II möglich. Ausnahmen nur nach persönlicher Absprache mit dem Dozenten. Zum Erwerb des qualifizierten Scheins führt das Bestehen der Abschlussklausur in der letzten Semesterwoche.

Hörendes Erkennen und verbales Beschreiben großformaler Abläufe; Erfassen harmonischer, metrischer und motivischer Formprinzipien und deren Wechselwirkung bei der klassischen Themen-Bildung (»Satz«, »Periode« usw.); Verfolgen satzübergreifender harmonischer und thematischer Verläufe; Erkennen häufig wiederkehrender Harmoniemodelle und Sequenzen; Zweistimmigkeit; Besonderheiten in Moll; Klangschärfungen (verminderter Dominantseptakkord, Non-Akkorde etc.); chromatisch-enharmonische Stimmverläufe in fortgeschrittener Tonalität und Modulationen.

Literatur:

Wolfram Breuer, Gehörbildung: für Unterricht und Selbststudium; Arbeitsheft – Literaturbeispiele – Cassetten (in der Instituts-Bibliothek verfügbar), Stuttgart: Metzler, 1990.

 

Ulrich Kaiser, Gehörbildung. Satzlehre – Improvisation – Höranalyse (= Bärenreiter Studienbücher Musik, 10/11) 2 Bde. (jeweils mit CD), Kassel u.a.: Bärenreiter, 1998.

 

Clemens Kühn, Gehörbildung im Selbststudium, Kassel, München: dtv, 1983 u.ö.

 

Roland Mackamul, Lehrbuch der Gehörbildung, Bände 1 u. 2: Elementare Gehörbildung, Kassel: Bärenreiter, 1969.

Instrumentation, St. Münch
1-std., Mo 17:00-17:45
M.A.

Voraussichtlich wird diese Veranstaltung in diesem Semester zum letzten Mal angeboten.
Zum Erwerb des Scheines der Lehrveranstaltung „Instrumentation“ führen die regelmäßige Teilnahme und das regelmäßige Erbringen von Hausaufgaben im Rahmen der Lehrveranstaltung (17.00 – 17.45 Uhr) sowie die Abgabe einer nach vorheriger Vereinbarung erarbeiteten Instrumentationsaufgabe.
Die Spielproben des „Muwi-Ensembles“ (s.u.) nach der Lehrveranstaltung zwischen 18 und 20 Uhr sind ein sinnvolles ergänzendes Angebot zur freiwilligen Teilnahme und richten sich an Teilnehmer mit einem ensemblefähigen Instrument. Diese Proben stehen ausdrücklich auch Studierenden unseres Instituts offen, die Gelegenheit zum Musizieren in einem Ensemble suchen, aber nicht zugleich auch die Lehrveranstaltung besuchen wollen.

Die Lehrveranstaltung „Instrumentation“ strebt an, theoretische Kenntnisse und Fertigkeiten des Orchestersatzes mit hörpraktischer Erfahrung zu verbinden. Die Teilnehmer wenden Gelerntes in eigenen Sätzen und Arrangements selbst an und erhalten die Gelegenheit, ihre Sätze auch selbst zu spielen und zu hören. Hierzu dienen die im Anschluss an die Lehrveranstaltung zwischen 18 und 20 Uhr laufenden Proben im Projekt „Muwi-Ensemble“. Aus den dort gemachten Spiel- und Hörerfahrungen resultieren wiederum Änderungen, Verbesserungen, Weiterentwicklungen. Was am Ende dieses Prozesses zum „spielbaren“ Stück geworden ist, könnte am Ende des Semesters in einem Programm für ein Konzert landen, das wir zum Semesterabschluss (z.B. bei Gelegenheit des Muwi-Sommerfestes) gemeinsam aufführen.
Als Vorlagen zum Instrumentieren eignen sich Klavierkompositionen oder geringstimmig besetzte kammermusikalische Stücke; es bieten sich hierfür auch – sofern gewünscht und vorhanden – eigene komponierte Stücke der Teilnehmer an. Was hierfür genau in Frage kommt, richtet sich nach den Teilnehmern, dem vorhandenen Instrumentarium und nach dem Kriterium der "Machbarkeit". Wir entscheiden das in der Lehrveranstaltung zusammen. Prinzipiell sind die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt.

Literatur:

Hermann Erpf, Lehrbuch der Instrumentation und Instrumentenkunde, Mainz: Schott, 1959.

 

Winfried Pape, Instrumentenhandbuch Streich-, Zupf-, Blas- und Schlaginstrumente in Tabellenform, Köln: Gerig, 1971.

 

Ertugal Sevsay, Handbuch der Instrumentationspraxis, Kassel: Bärenreiter, 2005.

 

Peter Jost, Instrumentation. Geschichte und Wandel des Orchesterklangs (= Bärenreiter-Studienbücher Musik Bd. 13), Kassel: Bärenreiter, 2004.

Praxisfelder der Musikwissenschaft: Konzertdramaturgie, U. Kramer
2-std., Di 14:15-15:45
M.A. / SE / BA-KF [07.114.170] oder [07.114.230] oder [07.114.240] / BA-BF [07.114.170] oder [07.114.230] oder [07.114.240]

Achtung, Termine: Ein wesentlicher Teil der Veranstaltung findet bereits in den Semesterferien statt, diese werden am Freitag, 12. Februar um 12:00 Uhr (s.t.) gemeinsam abgesprochen. Wer an diesem Tag verhindert ist, kann mir gerne vorab eine mail schicken.
Restliche Veranstaltungen im Semester: Di 14 - 16 Uhr.

Es ist ein erheblicher Unterschied, eine wissenschaftliche Hausarbeit im Rahmen eines Seminars oder einen Gebrauchstext für Laien zu verfassen. Wir wollen uns deshalb mit dem Feld "Programmheft-Texte" näher beschäftigen und zunächst anhand der Lektüre von exemplarischen Beispielen herausfinden, was solche Texte lesenswert macht, wie viel exakte analytische Information sinnvoll ist etc.
Die Teilnehmer sollen im nächsten Schritt selbst Texte schreiben; als Basis dienen Konzertprogramme des Rheingau-Musikfestivals (Sommer 2010) und der Wiesbadener Mozart-Gemeinde (Saison 2010/11). Gelungene Texte aus dem Kreis dieses Seminars sollen dann im Rahmen der genannten Konzertveranstaltungen als Programmhefttexte veröffentlicht werden.

Da die Konzerte des Rheingau-Musikfestivals organisatorisch einen Vorlauf brauchen, für den die normalen Termine des Sommersemesters zeitlich nicht mehr ausreichen, müssen wir zumindest einen Teil der Veranstaltung bereits in der vorlesungsfreien Zeit zwischen Winter- und Sommersemester abhalten. Das wird in vier bis fünf Blöcken geschehen. Um die diesbezüglichen Termine sinnvoll abstimmen zu können, bitte ich alle Interessierten zu der genannten Vorbesprechung am 12.2. zu kommen.

Die Veranstaltung ist offen sowohl für die Magister- als auch die BA-Studiengänge.

Repertoirebildung und musikalische Interpretation im Spiegel kommerzieller Tonträger , K. Pietschmann
2-std., Di 16:15-17:45
BA KF [07.114.020] / BA BF [07.114.020]

Tonträger prägen die Wahrnehmung von Musik seit über einem Jahrhundert in stetig wachsendem Maße. Während sich Musik in früheren Jahrhunderten lediglich im praktischen Vollzug ereignen konnte, löste die Erfindung von mechanischen, elektronischen und digitalen Aufzeichnungs- und Wiedergabemethoden einen radikalen Wandel des Rezeptionsverhaltens aus. Die tonträgergestützte Vermarktung von Werken und Interpreten führte zu neuen Formen der Kommerzialisierung sowie der Geschmacks- und Kanonbildung.
Im Rahmen des Seminars soll diese Entwicklung anhand ausgewählter Einspielungen von Kompositionen ausgehend vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert verfolgt und diskutiert werden. Einen Schwerpunkt wird dabei die methodisch fundierte vergleichende Interpretationsanalyse bilden.

Literatur:

Martin Elste, Art. Tonträger und Tondokumente, in: MGG2, Sachteil, Bd. 9, Kassel u.a. 1998, Sp. 646-662.

Formenlehre: Sonatenformen, St. Münch
1-std., Mi 8:30-9:15
M.A.

Voraussichtlich wird diese Veranstaltung in diesem Semester zum letzten Mal angeboten.
Die Teilnahme an der Lehrveranstaltung, die sich ausschließlich an Magister-Studierende richtet, setzt zwingend die in der Studienordnung geforderten Grundkenntnisse („in Harmonielehre, Lesen und Schreiben in den gängigen Schlüsseln, sicheres Wissen und Erkennen der Intervalle, Spielen eines akkordfähigen Instrumentes“) voraus. Zum Erwerb des qualifizierten Scheines führen regelmäßig nachgewiesene Hausaufgaben und eine bestandene Klausur am Ende des Semesters.

An ausgewählten Beispielen des 17. bis 20. Jahrhunderts wird die geschichtliche Entwicklung der »Sonate« von ihren Anfängen an nachgezeichnet und das spezifisch Neue der Gattung herausgearbeitet. Neben der analytischen Arbeit am konkreten Notentext geht es ebenso um die „kodifizierte“ Geschichte der Gattung Sonate durch die Erklärungsmodelle der Musikgeschichte und Musiktheorie.

Literatur:

Clemens Kühn, Formenlehre der Musik, Kassel, München: dtv/Bärenreiter, 1987.

 

Charles Rosen, Sonata Forms, London: Norton, 1988.

 

Charles Rosen, Der klassische Stil. Haydn — Mozart — Beethoven, München und Kassel: dtv/Bärenreiter, 1983, insbes. S. 30-44 und S. 109-120.

 

Thomas Schmidt-Beste, Die Sonate. Geschichte, Formen, Ästhetik (= Bärenreiter Studienbücher Musik, Bd. 5), Kassel: Bärenreiter 2006.

Kontrapunkt III, St. Münch
1-std., Mi 9:15-10:00
M.A.

Teilnahme nur nach erfolgreichem Besuch der Kurse Kontrapunkt I + II (Ausnahmen nach Rücksprache möglich). Zum Erwerb des qualifizierten Scheins führen regelmäßig erbrachte Hausaufgaben während des Semesters und der erfolgreiche Abschluss der Klausur in der letzten Semesterwoche.

Basierend auf den in den Kursen I und II erworbenen Fertigkeiten im kontrapunktischen Satz werden in Kurs III eigene drei- und vierstimmige Sätze nach Form- und Satz-Modellen des 16.-18. Jahrhunderts (vokal und instrumental: Liedsatz; Motette; Kanon; Invention; Fuge etc.) angefertigt. (Die Lehrveranstaltung richtet sich an Hauptfach-Studierende Musikwissenschaft.)

Literatur:

Dietrich Manicke, Der polyphone Satz, Bd. 2: Drei- und Mehrstimmigkeit, Köln: Gerig 1979.

 

Thomas Daniel, Kontrapunkt. Eine Satzlehre zur Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts, Köln: Dohr 1997.

 

Dieter de la Motte, Kontrapunkt, Kassel, München: dtv 1981 u.ö.

Der Kantionalsatz im 17. Jahrhundert, C. Hust
2-std., Mi 10:15-11:45
BA-KF [07.114.090] / BA-BF [07.114.090]

Der Besuch der Veranstaltung erfordert Basiswissen zur Musiklehre, das Ihnen aus dem Modul „Einführung in die europäische Musiklehre“ noch geläufig sein muss.

Wir werden uns primär analytisch, gelegentlich auch in eigenen Stilkopien mit dem vierstimmigen homophonen Satz des 17. Jahrhunderts beschäftigen. Als Ausgangspunkt dienen dabei Kompositionen von Johann Hermann Schein. Von dort aus werden wir aber auch satztechnische Lösungen anderer Komponisten erkunden. Ein Exkurs wird sich mit Reflexen des Kantionalsatz im Choralsatz des 18. Jahrhunderts auseinander setzen.

Empfohlene Literatur:
Eher analytisch ausgerichtet ist Franzpeter Messmer: Altdeutsche Liedkomposition. Der Kantionalsatz und die Tradition der Einheit von Singen und Dichten. Tutzing: Schneider 1984 (Münchner Veröffentlichungen zur Musikgeschichte 40). -- Eigene Satzversuche unterstützt Ulrich Kaiser: Der vierstimmige Satz. Kantionalsatz und Choralsatz. Ein Lernprogramm mit CD-ROM. Kassel u.a.: Bärenreiter 2002, 2/2007. (Hiervon gibt es Exemplare in der Lehrbuchsammlung der Universitätsbibliothek.) -- Mit den Folgen des Kantionalsatz im 18. Jahrhundert befasst sich Elmar Seidel: Johann Sebastian Bachs Choralbearbeitungen in ihren Beziehungen zum Kantionalsatz. 2 Bde. Mainz: Schott 1998 (Neue Studien zur Musikwissenschaft 6).

Form und Analyse, J. Banholzer
1-std., Mi 16:15-17:45
BA-KF [07.114.050] / BA-BF [07.114.050]

Voraussetzung: Erfolgreicher Besuch von „Satz und Analyse“ im WS

Nachdem wir im Wintersemester grundsätzliche Elemente der Kontrapunktlehre, Generalbaßlehre, Fundamentalbaßtheorie, schließlich der Harmonielehre des 19. Jahrhunderts kennengelernt haben, die Bedingungen ihrer Entstehung bedacht sowie Vor- und Nachteile dieser Perspektiven als Werkzeuge der Satzanalyse ins Auge gefaßt haben, werden wir die gewonnenen Erkenntnisse im Sommersemester auf immer größere Werkabschnitte und ganze Sätze anzuwenden versuchen, vorwiegend des späten 18. und des 19. Jahrhunderts. Dabei werden wir uns auch mit Ansätzen der Schichtenlehre vertraut machen. Unsere Analyseversuche werden Anlaß geben, grundsätzliche Probleme der Formgestaltung zu reflektieren und im Licht dieser Fragestellungen einige Formmodelle zu untersuchen, wie sie von der traditionellen Formenlehre katalogisiert wurden.

Generalbass II, J. Banholzer
1-std., Mi 18:00-18:45
M.A.

Voraussichtlich wird diese Veranstaltung in diesem Semester zum letzten Mal angeboten.
Ablauf: siehe Aushänge im Institut

Aufbauend auf den in Generalbass I erworbenen Fähigkeiten, werden in diesem Kurs Kenntnis des Akkordvorrats sowie Beherrschung der grundlegenden Akkordverbindungen im deutschen Generalbaß der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erweitert. Neben der satztechnischen Beherrschung eines korrekten vierstimmigen Generalbaßsatzes, die u.a. durch schriftliche Aussetzungen erarbeitet wird, gibt eine Vielzahl zu bearbeitender Literaturbeispiele Gelegenheit, verschiedene satztechnische Probleme zu thematisieren.

Literatur:

Jesper Boje Christensen und Jörg-Andreas Bötticher, Artikel Generalbaß, MGG Sachteil, Sp. 1194-1256.

 

Jesper Boje Christensen, Die Grundlagen des Generalbaßspiels im 18. Jahrhundert, Kassel: Bärenreiter 1992 [BA 8186].

 

Hermann Keller, Schule des Generalbaßspiels, Kassel: Bärenreiter 1931/55 [BA 490].

Partiturspiel II, J. Banholzer
1-std., Mi 19:00-19:45
M.A.

Voraussichtlich wird diese Veranstaltung in diesem Semester zum letzten Mal angeboten.
Ablauf: siehe Aushänge im Institut

Im Vordergrund der Arbeit steht die kreative Auseinandersetzung mit immer komplexeren Partiturbildern anhand von schriftlichen wie praktischen Übertragungen auf das Klavier. Beginnend mit Kammermusik des späten 18. Jahrhunderts und hinführend zu komplizierteren Partiturbeispielen Richard Wagners wird das Lesen von transponierenden Instrumenten sowie das Erfassen musikalischer Strukturen und ihrer instrumentalen Einkleidung geübt.

Musikinformatik, A. Gräf
2-std., Do 14:15-15:45, in den Räumen der Musikinformatik, Pfeifferweg 12
M.A. / SE / BA KF [07.114.200] / BA BF [07.114.200] / DM

In der Übung lernen wir grundlegende Techniken und Software-Werkzeuge für musikalische Anwendungen mittels praktischer Arbeiten am PC kennen. Dabei werden gängige Software-Werkzeuge zur Musik-Produktion und zur Bearbeitung digitaler Klänge und musikalischer Daten mit dem Computer vorgestellt, wie z.B. Hard-Disk-Recording, MIDI-Sequencing, Notensatz mit dem Computer und digitale Klangsynthese. Daneben gibt es eine Einführung in die Installation und den Einsatz des frei verfügbaren Betriebssystems „Linux“ für Musik-Anwendungen.

Einführung in die Musikwissenschaft, F. Kolb
2-std., Do 14:15-15:45
M.A. / SE / BA-KF [07.114.010] / BA-BF [07.114.010] / BEd [07.114.010] / DM / MM [07.114.010]

Was ist Musikwissenschaft? Dieser gar nicht so banalen (und historisch ganz unterschiedlich beantworteten) Frage auf den Grund zu gehen, ist das Anliegen dieser Veranstaltung. Sie möchte in dieser Hinsicht am Beginn des Studiums eine erste Orientierung bieten. Einerseits sollen dabei Geschichte und Systematik des Fachs vorgestellt sowie die Vielfalt an Methoden und Forschungsansätzen diskutiert werden, ehe im zweiten Teil des Kurses dann Aspekte der musikalischen Überlieferung (vom Autograph bis zur Kritischen Gesamtausgabe), der Rezeption und des Schreibens über Musik (von historischen Darstellungen bis hin zu aktueller Tagespresse, dem Programmhefttext und CD-Booklet, von populärer Publizistik bis hin zu Forschungsliteratur) ins Blickfeld rücken. Zudem sollen zentrale Grundbegriffe und wichtige Fachtermini erläutert werden, wobei mit Hilfe möglichst vieler Hörbeispiele auch ein grober Überblick über Epochen und Gattungen der Musikgeschichte entsteht.
Andererseits geht es in dieser Übung insbesondere aber auch darum, ganz konkret das wissenschaftliche ›Handwerkszeug‹ zu erlernen und anhand exemplarischer Beispiele aktiv und praktisch zu erproben: Die wichtigsten Recherchemethoden, die Arbeit mit verschiedenen musikbezogenen Quellen und der Umgang mit gedruckten bzw. elektronisch zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Hilfsmitteln wie Lexika, Enzyklopädien und Verzeichnissen stehen ebenso auf dem Programm wie die Techniken des Zitierens, das korrekte Anlegen von Bibliographien, das Entwickeln eines spezifischen Problembewusstseins und musikhistorischer Fragestellungen und das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten. Zu guter Letzt schließlich sollen schlaglichtartig Perspektiven auf spätere Berufsmöglichkeiten eröffnet werden.

Literatur:

Konrad Küster, Studium Musikwissenschaft, München 1996.

 

Herbert Bruhn und Helmut Rösing, Musikwissenschaft. Ein Grundkurs, Reinbek bei Hamburg 1998.

 

Henning Eisenlohr, Einblick in das Studium der Musikwissenschaft, München 2000.

 

Helmut Rösing und Peter Petersen, Orientierung Musikwissenschaft. Was sie kann, was sie will, Reinbek bei Hamburg 2000.

 

Nicole Schwindt-Gross, Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel - Techniken - Aufgaben, Kassel [5]2003.

Die Notation mehrstimmiger Musik vom „Ereignis Notre Dame“ bis zur weißen Mensuralnotation (=Notationskunde I), P. Niedermüller
1-std., Do 16:15-17:45
M.A. / BA KF [07.114.140] / BA BF [07.114.140]

Da die adäquate Würdigung der zur Diskussion stehenden Quellen eine gewisse Erfahrung voraussetzt, wendet sich die Veranstaltung vor allem an Studierende, die die Vorlesungen Musikgeschichte im Überblick I und II schon gehört haben. Außerdem bilden Lateinkenntnisse eine Teilnahmevoraussetzung; im einzelnen Fall können auch Kenntnisse der französischen und italienischen Sprache erforderlich werden.
Studierende im Magister-Studiengang können durch Kurzreferat und Transkription eines Beispiels in Hausarbeit oder Klausur den Schein Notationskunde I erwerben.
Studierende im Bachelor-Studiengang können die Veranstaltung als Übung für angewandte Musikwissenschaft im Modul VI belegen. Die Studienleistung beschränkt sich dann auf das Kurzreferat.

Die Möglichkeit einer schriftlich eindeutigen Fixierung des musikalischen Rhythmus auf der einen Seite und die Entstehung und Entwicklung komplexer Mehrstimmigkeit auf der anderen Seite bedingen einander. Dieser Zusammenhang soll in der Übung anhand der Phänomene der Modalnation, der franconischen Notation, der Notationen der Ars nova, der Notation im italienischen Trecento und schließlich des Übergangs zur weißen Mensuralnotation erläutert werden. Gegenstand sind demnach sowohl theoretische Überlegungen zu Notation und Rhythmus, wie praktische Zeugnisse.

Literatur:

Willi Apel, Die Notation der polyphonen Musik 900–1600, Leipzig 1962, S. 235–489.

 

Heinrich Besseler und Peter Gülke, Das Schriftbild der mehrstimmigen Musik (= Musikgeschichte in Bildern III/5), Leipzig 1973, S. 36–83.

 

Andreas Traub und Laurenz Lütteken, Art. „Notation“ §§ V f., in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik, zweite, neubearbeitete Ausgabe, hrsg. von Ludwig Finscher, Sachteil, Bd. 7, Kassel, Stuttgart u. a. 1997, Sp. 317–339.