Lehrveranstaltungen im SS 00

Vorlesung

Musikgeschichte im Überblick I: Antike und Mittelalter, R. Wiesend
2-std., Do 11-13

Diese Vorlesung ist der erste Teil eines Zyklus, der in vier Semestern die gesamte abendländische Musikgeschichte abdeckt und in Zukunft regelmäßig von den Professoren des Instituts angeboten wird. Die Hörer können den Zyklus an einer beliebigen Stelle beginnen, z.B. auch mit dem dritten Teil, womit sich in diesem Fall die Reihenfolge III, IV, I, II ergäbe. Der erste Teil reicht von der griechischen Antike bis in späte 14. Jahrhundert. Behandelt werden u.a. Aspekte der griechischen Musiktheorie, der sog. Gregorianische Choral und das System der Kirchentonarten, das Aufkommen mehrstimmiger Musizierpraktiken sowie der Beginn der Kompositionsgeschichte der Mehrstimmigkeit, bei der mehr und mehr auch Komponistenpersönlichkeiten und differenzierte Form- und Ausdrucksmöglichkeiten greifbar werden, die in gesellschaftliche und kulturelle Zusammenhänge gestellt werden. 


Proseminare

Guido von Arezzo: „Micrologus“ (Theoretikerlektüre), R. Wiesend
2-std., Di 16-18

Im Rahmen der Theoretikerlektüre lesen wir in diesem Proseminar den wichtigsten und am meisten verbreiteten Traktat des 11. Jahrhunderts, dessen Anliegen z.B. eine Definition der einzelnen Töne und der Tonumgebungen ist, der aber auch die Praxis des frühen Organums beschreibt, also das mehrstimmige Stegreifmusizieren. Anhand des Textes werden Grundbegriffe der musikalischen Praxis und der Musiktheorie der Zeit erarbeitet. Andererseits wundert sich der moderne Leser immer wieder über die umständliche Beschreibung von Sachverhalten, die uns selbstverständlich scheinen; gerade solche Erfahrungen regen zum Nachdenken über die Notwendigkeiten und Möglichkeiten damaligen musiktheoretischen Denkens an. Lateinkenntnisse sind erwünscht, eine Übersetzung (allerdings ins Englische) wird zur Verfügung gestellt. 

Zum Problem der „deutschen“ Oper im 19. Jahrhundert, A. Mungen
2-std., Di 11-13

Leider keine genauen Inhalte bekannt.

Die Motetten im 16. und 17. Jahrhundert. Höhepunkt und Niedergang einer Gattung, M. Rathey
2-std., Mi 13-15

Leider keine genauen Inhalte bekannt 

Anton Webern. Werk und Wirkung, Chr. Hust
2-std., Mi 9-11

Dass das von Anton Webern hinterlassene Werk zwar schmal im äußeren Umfang, aber gleichwohl von eminenter Bedeutung für einen Ausschnitt der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts ist, darf mittlerweile getrost als Binsenweisheit bezeichnet werden. Dabei lohnt eine Auseinandersetzung mit seinen Kompositionen nicht nur in der Bewusstheit ihrer Wirkung, sondern, vor allem, auch wegen ihrer stilistisch rigorosen Durcharbeitung. In diesem Proseminar sollen beide Aspekte betont werden: Der Blick auf die disparaten Reaktionen der Mit- und Nachwelt soll durch exemplarische Beschäftigung mit einigen der permanent und manchen der kaum oder nie rezipierten Kompositionen und ihren historischen, musiktheoretischen und geistesgeschichtlichen Voraussetzungen vorbereitet und fundiert werden. Dabei sei gleichzeitig immer wieder nach Mechanismen und Grenzen werkanalytischer Methodik, musiktheoretischer Modellbildung und deskriptiver Terminologie gefragt. Gerade ein Werk wie das Anton Weberns macht unmissverständlich bewusst, in welch hohem Maße die scheinbar so objektive Analyse auch Interpretation impliziert.

Außer Interesse an der Musik Weberns und ihrer Nachwirkung wird für den Erwerb eines Proseminarscheins die Übernahme eines Referats, aktive Mitarbeit und die Anfertigung einer Hausarbeit erwartet. Gäste sind natürlich willkommen.

Zur möglichen einführenden Lektüre sei empfohlen:


Hauptseminare

Richard Wagner: „Der fliegende Holländer“, R. Wiesend
2-std., Mi 11-13

Die vierte Oper Richard Wagners wollen wir unter vielfältigen Aspekten ins Blickfeld nehmen; diskutiert werden sollen z.B. Stoffgeschichte, Werk- und Überlieferungsgeschichte, poetologische und dramaturgische Qualitäten der Textdichtung, Kompositionstechnik, musikalische Dramaturgie, gattungsgeschichtliche Einordnung usw. Nach Möglichkeit soll es auch zum gemeinsamen Besuch einer Aufführung kommen. Die Teilnehmer des Seminars werden gebeten, sich mit einem Textbuch und mit Noten zu versehen, am besten mit einer Partiturausgabe (Eulenburg oder Dover-Reprint). 

Der Topos des Pastoralen in der Instrumentalmusik des 18. und frühen 19. Jahrhundert, D. Philippi
2-std., Do 16-18

Leider keine genauen Inhalte bekannt. 

Guido Adler und die Folgen: Musikwissenschaft im deutschsprachigen Raum – ein Überblick, U. Kramer
2-st., Di 14-16

Mit der Prägung des Begriffs „Musikwissenschaft“ und der Gründung der „Vierteljahresschrift für Musikwissenschaft“ im Jahr 1885 hat Guido Adler Wesentliches für die Etablierung unserer Disziplin als wissenschaftliches Fach geleistet. Davon ausgehend, möchte das Seminar einen Überblick über die wichtigsten Persönlichkeiten, die die Musikwissenschaft in den einzelnen Generationen geprägt haben, und deren bedeutendste Schriften geben. Im Zentrum stehen also keine musikalischen Werke, sondern die Lektüre von theoretischen Werken von Forschern wie H. Riemann, H. Kretschmar, E. Kurth, H. Schenker, Th. Georgiades, H.H. Eggebrecht oder Carl Dahlhaus.
Da die Auswahl der Autoren und Texte jedoch stark von der Teilnehmerzahl des Seminars abhängt, zudem für die Textlektüre genügend Zeit bleiben soll (vielleicht schon in der vorlesungsfreien Zeit vor dem Sommersemester?), bitte ich alle an diesem Seminar Interessierten zu einer Vorbesprechung am Dienstag, den 15.2.2000 um 13 Uhr (Hörsaal). 

Zu Fragen der Popularität in der Musikgeschichte, H. Kupper
2-std., Do 13-15

Wodurch wird ein Musikstück oder Musikwerk populär? Ist es die Qualität der Musik, der u.U. unterlegte Text, der Bekanntheitsgrad des Komponisten, der durch die Komposition berücksichtigte Zeitgeist; sind es psychologische, soziologische oder ästhetische Komponenten; ist es die Art der Präsentation oder die Vermarktung der Komposition usw.?
Auf diese Fragen versuchen wir in den Referaten Antworten zu finden. Gegenstand unserer Betrachtungen sind Kompositionen aus unterschiedlichen Epochen der Musikgeschichte, vom „Schlager“ im frühen Mittelalter (z.B. Oswald von Wolkenstein) über „Hits“ in Barock, Klassik und Romantik bis zu aktuellen „Ohrwürmern“.
Dazu arbeiten sich die ReferentInnen in die Thematik von Musikpsychologie, -soziologie und -ästhetik ein (z.B. Sangbarkeit, Popularität und Kunstlied (Schwab); Neue Musik im Gruppenurteil (Spahlinger/Ditzig); Psychologie der Musik (Mosonyi); Schlager und Popularität (bei Bruhn/Oerter(Rösing); Verhalten des Rezipienten (Adorno); Urteil und Vorurteil (de la Motte-Haber) und konkretisieren dann die Popularität bestimmter Kompositionen.
Die einzelnen Themen werden ab Mitte März am schwarzen Brett bekannt gegeben. 


Oberseminar

Doktorandenkolloquium. Besprechung von Magister- und Promotionsarbeiten, R. Wiesend, Chr.-H. Mahling, A. Beer, J. Blume, U. Kramer, M. Schuler
2-std., Mi 15-17

Hier werden Arbeiten und Forschungsergebnisse vorgestellt und diskutiert, die zum Abschluss als Magister oder Promotion führen sollen. Außerdem wird über die Forschungsergebnisse abgeschlossener Arbeiten berichtet.


Übungen

Einführung in die Musikwissenschaft, K. Pfarr
2-std., Fr 9-11

Die Übung wendet sich insbesondere an Studienanfänger. Wir werden uns mit folgenden Themen beschäftigen:

  • Überblick zum Fach Musikwissenschaft: Entwicklung, Gegenstandsbereiche, Arbeitsfelder und -methoden

  • Kennenlernen wichtiger Hilfsmittel, u.a. Nachschlagewerke, Bibliographien; Handbücher, Zeitschriften, Thematische Kataloge, Gesamt- und Denkmalausgaben; Internet für Musikwissenschaftler/innen

  • Umgang mit Bibliothekskatalogen

  • Technik des wissenschaftlichen Arbeitens: Recherche, Zitieren, Anlage einer schriftlichen musikwissenschaftlichen Hausarbeit

Anforderungen für einen qualifizierten Schein:

  • Klausur

  • Übungsaufgaben

Literatur: 

  • Herbert Bruhn, Helmut Rösing (Hrsg.), Musikwissenschaft. Ein Grundkurs, Hamburg 1998.

  • Konrad Küster, Studium: Musikwissenschaft, (= UTB für Wissenschaft; Uni-Taschenbücher 1905), München 1996.

  • Heinz Lanzke, Wo finde ich Informationen über Musik, Noten, Tonträger, Musikliteratur. 2 Bde., Berlin 1990-1996.

  • Kurt Oehl und Kristina Pfarr, Musikliteratur im Überblick. Eine Anleitung zum Nachschlagen. Darmstadt 1988.

  • Nicole Schwindt-Gross, Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel – Techniken – Aufgaben (= Bärenreiter Studienbücher Musik 1), 4., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage Kassel usw. 1999

Generalbass II, B. Zosel
1-std., Mo 8 s.t.-8.45 Kurs A
1-std., Mo 9.30-10.15 Kurs B

Leider keine genauen Inhalte bekannt. 

Partiturspiel II, B. Zosel
1-std., Mo 8.45-9.30 Kurs A
1-std., Mo 10.15-11.00 Kurs B 

Leider keine genauen Inhalte bekannt. 

Gehörbildung I, St. Münch
1-std., Mo 14.30-15.15

Training des erkennenden Hörens musikalisch relevanter Ordnungszusammenhänge folgender musikalischer Parameter: Rhythmus; Intervalle simultan/sukzessiv im nicht-tonalen Kontext; Akkorde (Akkordaufbau, Akkordverbindungen: Funktionshören); Tonalität in der Einstimmigkeit (Stufen-Hören).

Literatur zum eigenen Üben:

  • Wolfgang Breuer, Gehörbildung. Arbeitsheft, Literaturbeispiele, Cassetten

  • Clemens Kühn, Gehörbildung im Selbststudium, Kassel/München 1983

  • Roland Mackamul, Lehrbuch der Gehörbildung, Band 1: Elementare Gehörbildung, Kassel 1969

  • Ulrich Kaiser, Gehörbildung. Satzlehre – Improvisation – Höranalyse, 2 Bde., Kassel 1998 

Gehörbildung III,   St. Münch
1-std., Mo 16.30-17.15

Erkennen und Beschreiben großformaler Abläufe; Erfassen harmonischer, metrischer und motivischer Formprinzipien und deren Wechselwirkung in der Themen-Bildung (»Satz«, »Periode« usw.); Verfolgen satzübergreifender harmonischer und thematischer Verläufe; Erkennen häufig wiederkehrender Harmoniemodelle und Sequenzen; Zweistimmigkeit; Besonderheiten in Moll; Klangschärfungen (Dv, Non-Akkorde etc.); chromatisch-enharmonische Stimmverläufe in fortgeschrittener Tonalität und Modulationen.

Literatur: siehe Gehörbildung I 

Harmonielehre II, St. Münch
1-std., Kurs A: Mo 13s.t.-13.45; Kurs B: Do 10s.t.-10.45

Erweiterung der Kadenz: Non-, Undezim-, Tredezim-Akkorde, verminderter Septakkord, „Neapolitaner“, Gegenklänge und Medianten; Zwischendominanten, Ausweichungen; diatonische/funktionale Modulation; harmonische Analysen an ausgewählten Beispielen.

Literatur:

  • Diether de la Motte, Harmonielehre (eine historisch angelegte Harmonielehre)

  • Thomas Krämer, Harmonielehre im Selbststudium, Wiesbaden 1991 (gutes Arbeitsbuch mit Aufgaben- und Lösungsteil)

  • Thomas Krämer, Lehrbuch der harmonischen Analyse, Wiesbaden 1997

  • Walter Salmen und Norbert J. Schneider (Hrsg.), Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lehren und Lernen, Innsbruck 1987, S. 19-39 u. 143-185.

  • Wilhelm Maler, Einführung in die dur-moll-tonale Harmonielehre (eine systematisch angelegte Harmonielehre)

  • Clemens Kühn, Kompositionsgeschichte in kommentierten Beispielen, Kassel 1998 

Harmonielehre III, St. Münch
1-std., Mo 17.15-18.00

Alterierte Akkorde; chromatisch-enharmonische Modulationen; Steigerung der Dur-Moll-Harmonik bis zu deren Auflösung; satzübergreifende harmonische Verläufe (formbildende Funktion der Harmonik); Analyse ausgewählter Beispiele.

Literatur: siehe Harmonielehre II. 

Kontrapunkt II, St. Münch
1-std., Mo 13.45-14.30

Die in Kontrapunkt I (Zweistimmigkeit) erworbenen Fertigkeiten im strengen Satz (sog. »Palestrinastil«) werden auf dreistimmige Sätze ausgeweitet und vertieft.

Literatur:

  • Dietrich Manicke, Der polyphone Satz. Teil 2: Drei- und Mehrstimmigkeit, Köln 1979

  • Thomas Daniel, Kontrapunkt. Eine Satzlehre zur Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts, Köln 1997

  • Dieter de la Motte, Kontrapunkt

  • Walter Salmen und Norbert J. Schneider (Hrsg.), Der musikalische Satz. Ein Handbuch zum Lehren und Lernen, Innsbruck 1987, S. 41ff.

  • Knud Jeppesen, Kontrapunkt, Wiesbaden 1963 u.ö. 

Formenlehre: Kontrapunktische Formen, St. Münch
1-std.,Kurs A: Mo 15.45-16.30; Kurs B: Do 9s.t.-9.45

Kanon, Fuge, Passacaglia und deren Verwendung in verschiedenen musikalischen Gattungen. Kontrapunktische Formen und Techniken im 19. Jahrhundert („romantischer Kontrapunkt“ bei Schumann, Wagner u.a.). Formkonstitutive Bedeutung kontrapunktischer Verfahren in der Musik des 20. Jahrhunderts.

Literatur:

  • Clemens Kühn, Formenlehre, dtv/Bärenreiter: München und Kassel 1987

  • Clemens Kühn, Kompositionsgeschichte in kommentierten Beispielen, Kassel 1998

  • Herwig Knaus / Gottfried Scholz, Formen in der Musik, 2 Bde., Wien 1988 bzw. 1989 

Arbeiten mit dem PC, H. Kupper
2-std., Do 15-16 u.n.V.

Wie in jedem Semester wird hiermit allen Studierenden die Chance geboten, am Institut der Musikinformatik den Einsatz des PCs zur Anwendung in der Musik(wissenschaft) zu üben: z.B. Einspielen und Speichern von Musikstücken, Instrumentieren, Transponieren und Notenausdruck.>
Ein weiteres Angebot bezieht sich auf Multimedia: Es besteht die Möglichkeit, moderne und professionelle Methoden für Präsentationen von Referaten und Unterlagen kenne zu lernen.