Berufsaussichten

Natürlich gibt es theoretisch die vielfältigsten Möglichkeiten, sich als Musikwissenschaftler/in zu betätigen, so zum Beispiel als Wissenschaftler an einer Universität, als Dozent an einer Musikhochschule oder an einem Konservatorium, als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsinstitut bzw. bei einer der musikalischen Gesamtausgaben, als Lektor in einem Musikverlag, als Musikredakteur in Print- oder audiovisuellen Medien, als Musikdramaturg beim Theater, als Mitarbeiter im Bibliotheks- oder Archivwesen (wobei allerdings noch eine Spezialausbildung verlangt wird) oder im Bereich Kulturmanagement bis hin zur Tonträgerindustrie. Praktisch wird es von gewissen Zufallen abhängen, in welchem der genannten Bereiche sich eine Berufschance eröffnen kann. Dabei kommt es in der Regel auf ein breites Fachwissen, auf Repertoirekenntnisse und auf Flexibilität an. Wer sich von vorneherein auf nur ein Berufsziel festlegt, läuft Gefahr, niemals einen Arbeitsplatz zu bekommen. Da in vielen der genannten Berufszweige "praktische Erfahrung" bzw. "Berufserfahrung" vorausgesetzt wird, empfiehlt es sich, alle Möglichkeiten angebotener Praktika auszunutzen bzw. sich eigenständig um Praktika zu bemühen. Die Bedeutung persönlicher Kontakte sollte nicht unterschätzt werden. Für die wissenschaftliche Laufbahn sollten sich nur ganz außerordentlich qualifizierte Studierende entscheiden. Allerdings ist auch hier – und zwar in besonderem Maße – das Risiko gegeben, dass später, d.h. nach Abschluss der Habilitation und einer begrenzten Zeit als Hochschuldozent, keine Dauerstelle zur Verfügung steht. Der Betroffene würde dann sehr schnell feststellen müssen, dass er nun aufgrund seiner Ausbildung für andere Positionen (etwa als Redakteur beim Rundfunk) nicht mehr in Frage kommt, da er für diese überqualifiziert ist. Erfahrungswerte zeigen im übrigen, dass sich heute um freie Positionen für Musikwissenschaftler durchschnittlich etwa 50 bis 80 Prozent mehr Bewerber bemühen als noch vor zehn Jahren. Wer trotzdem und im vollen Bewusstsein der hier skizzierten Probleme Musikwissenschaft studiert, wer bereit ist zu Engagement und offen ist für alle Tätigkeitsbereiche, der wird auch nach dem Studium seinen Weg machen.