Mainz

Seit 1845 hatte Richard Wagner einen Werkplan für ein neues Stück ausgearbeitet und korrespondierte darüber mit Franz Schott im Oktober 1861. Etwa zwei Wochen später schickte er einen Prosaentwurf der Meistersinger von Nürnberg nach Mainz und reiste am 3. Dezember persönlich an, um den Text vorzutragen. Dem Vortrag wohnten nicht nur die Schotts, sondern auch der junge Mainzer Kapellmeister Wendelin Weißheimer bei, dem er während seiner Mainzer Zeit stets verbunden blieb. Wagner hielt sich noch weitere drei Tage in Mainz auf, wobei er tagsüber meist im Weihergarten bei Familie Schott war. Zu den Mahlzeiten waren stets weitere Gäste geladen und Wagner sorgte für eine unterhaltsame Runde. Für die Nächte hatte er sich in einem schlichten Gasthof in der Nähe des alten Bahnhofs (Stadt Köln) ein Zimmer genommen. Während seines ersten Aufenthalts besuchte Wagner die von Weißheimer geleitete Aufführung des Orpheus in der Unterwelt im „äußerlich sogar sehr großartige[n] Theater“ von Mainz.
Mainz vom Rhein aus Nachdem Wagner wieder nach Paris zurückgekehrt war, wo er seit 1859 lebte, arbeitete er das Textbuch für die Meistersinger von Nürnberg aus. Am 4. Februar 1862 kehrte er an den Rhein zurück, welcher zu diesem Zeitpunkt über die Ufer getreten war und weite Teile der Gegend überschwemmt hatte. Einen Tag nach seiner Ankunft sollte zahlreichen Gästen des Weihergartens sein Textbuch vorgetragen werden. Einer seiner engsten Freunde, Peter Cornelius, reiste ebenfalls eigens für diesen Vortrag aus Wien an, obwohl auch er mit den schwierigen Wetterverhältnissen zu kämpfen hatte.

Wagner wohnte kurzfristig im Weihergarten, machte sich aber bald auf die Suche nach einer ruhigeren Bleibe, um „von dem geräuschvollen Mainz“ Abstand nehmen und „von der Außenwelt ungestört“ sein zu können. Nachdem er eine Wohnung in Biebrich gefunden hatte, musste er noch einige Zeit auf seine Möbel warten und traf sich nachmittags regelmäßig mit Weißheimer im Mainzer Café Paris oder hielt sich im Europäischen Hof auf der anderen Rheinseite auf. Nachdem er seine Wohnung bezogen hatte, kam er mindestens einmal wöchentlich aus geschäftlichen Gründen nach Mainz und besuchte bei dieser Gelegenheit häufig Familie Maier. Er hatte die Tochter Mathilde Maier bei Familie Schott kennengelernt. In „Mein Leben“ beschreibt er, wie sie sich durch ihr „von dem Mainzer Dialekt eigentümlich bestimmtes Wesen [...] vor der übrigen Gesellschaft sehr vorteilhaft aus“ ausgezeichnet habe. Zwar konnte er die 20 Jahre jüngere Mathilde nicht überreden seinen Haushalt zu führen, blieb der Familie aber stets freundschaftlich verbunden.
Wagner war von der Lage seiner Wohnung begeistert. In zehn Minuten konnte er mit dem Dampfschiff Mainz erreichen und dort „angenehme Spaziergänge“ machen oder von seinem Balkon aus den „prachtvolle[n] Anblick des «goldenen» Mainz mit dem vor ihm dahinströhmenden majestätischen Rhein in verklärender Beleuchtung“ genießen.

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Wagner in Karlsruhe