Karlsruhe

Am 6. Februar 1859 hatte Wagner die Partitur für Tristan und Isolde fertiggestellt. Da er für die Uraufführung sowohl Wien, als auch Karlsruhe in Betracht zog, reiste er am 21. April 1861 nach Baden und wurde dort von Großherzog Friedrich I. und seiner Frau Großherzogin Luise empfangen. Er bewarb dort seinen Tristan, welcher zu diesem Zeitpunkt noch als unaufführbar galt. Wagner spielte mit dem Gedanken dauerhaft mit Minna nach Karlsruhe zu ziehen, eine hitzige Korrespondenz mit ihr ließ ihn allerdings vor diesem Vorhaben zurückschrecken.
Schloss von Karlsruhe Nachdem sich Wagner 1862 im drei Stunden entfernten Biebrich niedergelassen hatte, reiste er anlässlich eines Vortrags der Meistersinger ein knappes Jahr später, am 7. März wieder nach Karlsruhe. Es wurde eine Aufführung seines Lohengrin für den Sommer vereinbart, unter der gemeinsamen Leitung des Theaterdirektors Eduard Devrient und Wagner selbst, sowie unter Beteiligung des Ehepaars Schnorr von Carolsfeld. Nachdem sich Wagner eine von Devrient geleitete Aufführung seines Tannhäusers angesehen hatte, bezeichnete er diesen als den „allergemeinste[n] Schlendrian“, der sich bei dem Stück die „haarsträubendsten Verstöße“ geleistet hätte. Daraufhin stand Wagner einer gemeinsamen Arbeit skeptisch gegenüber.

Wagner bestand darauf, dass der Lohengrin in voller Länge auf die Bühne gebracht werden sollte, da eine gekürzte Fassung in Leipzig bereits zu einem Misserfolg geführt hatte. Devrient, der mit der vollen Länge nicht gerechnet hatte, sah dies als Schikane. Wagner war daraufhin dermaßen empört, dass die Zusammenarbeit scheiterte.
Trotzalledem wurde das Stück aufgeführt und Wagner schaute sich die Vorstellung an. Er war von dem Auftritt des Ehepaars Schnorr von Carolsfeld derart begeistert, dass er ihrer Einladung folgte und seinen Aufenthalt in der Stadt um einige Tage verlängerte. Da auch der Großherzog bald von seiner Anwesenheit wusste, sprach Wagner bei ihm vor. Friedrich I. bemühte sich Wagner für eine weitere Zusammenarbeit mit Devrient zu gewinnen, dieser war dazu allerdings nicht mehr bereit.

zurück zur Übersicht
Wagner in Mainz