Kurzinformation zum DFG-Projekt

Theaterbilder und Musik

Ein Bild sei das "Product der Einbildungskraft oder die sichtbare durch das Medium der Farbe und anderer Stoffe vermittelte Darstellung eines Gegenstandes", heißt es im Theater-Lexikon von 1839. Eine solche Einschätzung mag zunächst verwirren, denn die derzeitige, von den Massenmedien geprägte Vorstellung orientiert sich zumeist an der Realistik photographischer Abbildungen. Im 19. Jahrhundert wird ein Bild jedoch "erlebt". Es erscheint als Ergebnis einer Imagination, hervorgerufen durch das Zusammenspiel von Perspektive, Farbe, Form und Musik.

Neben den großen Gattungen der Theatermusik (Oper, Melodram, Ballett, Schauspiel) existierten im 19. Jahrhundert eine ganze Reihe weiterer, weniger geläufigere Formen der Aneinanderbindung der Künste: Dioramen, Panoramen, verschiedene Projektionskünste sowie Lebende Bilder (Tableaux vivants) nutzten als genuin optische Medien in selbstverständlicher und vielfältiger Weise die Möglichkeiten der Musik zur Schaffung eines Gesamtereignisses, einer Aufführung. Diese überaus beliebten, theatral ausgerichteten Bilderwelten und die jeweilige Funktion der Musik stehen im Zentrum des Projektes.

Das Jahr 1895 gilt gemeinhin als die "Geburtsstunde" des Films, dessen technische Vorformen in den o.g. Bildmedien zu sehen sind. Betrachtet man die Entwicklung unter Einbeziehung ihrer akustischen Dimension, so scheint hier keine entscheidende Zäsur vorzuliegen. Denn die ästhetische Funktion der Musik, die zu den "ersten" Filmen seit 1895 gespielt wurde, ist wesensgleich mit derjenigen, die zu den besagten Bildern im 19. Jahrhundert erklang. In diesem Sinne lässt sich die Thematik unter Einbeziehung der frühen Stummfilme auch als "Geschichte" der Filmmusik von 1820 bis um 1900 betrachten.