Der erste Band der Gesamtausgabe der Korrespondenz von Gaspare Spontini ist erschienen.
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Nachruf

Am 15. Oktober 2015 verstarb Frau Dr. Christine Mundt-Espín nach längerer Krankheit. Als Romanistin lehrte sie seit 1983 an den Universitäten Bonn, Mainz und Trier. Ihre enge persönliche wie auch fachliche Verbindung mit dem Mainzer Musikwissenschaftlichen Institut (jetzt Abteilung Musikwissenschaft im Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft) zeigte sich insbesondere in ihrem unermüdlichen Einsatz für das Projekt Die Korrespondenz von Gaspare Spontini (begonnen von Christoph-Hellmut Mahling (†) und fortgeführt von Axel Beer und Klaus Pietschmann). Der 1. Band des Briefwechsels – gemeinsam herausgegeben von Frau Mundt-Espín und Volkmar von Pechstaedt – erschien im Jahre 2013 und setzt der erfahrenen Wissenschaftlerin, deren Begeisterung für die Sache bis wenige Tage vor ihrem Tod unvermindert anhielt, ein bleibendes Denkmal. Nicht nur, weil ihre vielfältigen Vorarbeiten für die folgenden Bände an sie erinnern werden, wird Frau Mundt-Espín im Gedächtnis derer bleiben, die mit ihr zusammenarbeiten durften.

Das Projekt

Das Projekt zur Gesamtausgabe der Korrespondenz von Gaspare Spontini (1774-1851) wird geleitet von Prof. Dr. Klaus Pietschmann und Prof. Dr. Axel Beer. Insgesamt wurden bislang etwa 2600 Briefe aus Archiven, Bibliotheken und Privatsammlungen zusammengetragen; aufgrund von Hinweisen aus der Korrespondenz ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Anzahl an geschriebenen Briefen deutlich höher liegt.

Der erste Band (herausgegeben von Dr. Christine Mundt-Espín (†) und Dr. Volkmar von Pechstaedt) enthält 428 Briefe vom Februar 1804 bis Mai 1820 und repräsentiert somit Spontinis Pariser Jahre; er erschien 2013 im Göttinger Hainholz-Verlag. Die Korrespondenzpartner in dieser Zeit sind neben den in Italien lebenden Geschwistern Spontinis Komponisten wie Salieri, Cherubini und Boieldieu, Sänger wie Nicola Tacchinardi und Rosa Morandi sowie Librettisten wie De Jouy und Constance de Pipelet de Leury, die spätere Fürstin zu Salm-Reifferscheidt-Dyck. Daneben stehen die herausragenden politischen Figuren der Zeit wie Napoléon Bonaparte, Kaiserin Joséphine, Prinz Eugène de Beauharnais, Vizekönig von Italien, Friedrich Wilhelm III. König von Preußen sowie verschiedene Minister der napoleonischen und postnapoleonischen Administration; hinzu kommen Musikverleger wie Weissenbruch, Schlesinger und Breitkopf & Härtel, Musikkritiker wie Amar Du Rivier, Duviquet und Sauvan sowie die führenden Persönlichkeiten der Grand Opéra und des Théâtre Italien.

Die Brieflektüre gestattet Einblicke in das kulturelle Leben der napoleonischen Ära, wie es sich aus den Produktionsvorgängen der Pariser Musikbühnen ablesen lässt; Fragen der Aufführungspraxis, die im Zusammenhang mit dem von Spontini freudig begrüßten Mälzelschen Metronom diskutiert werden, werfen auch ein interessantes Licht auf Spontinis Werkverständnis sowie seine Konzeption des Musikwerks geistiges Eigentum. Briefe an berühmte Sänger der Zeit illustrieren sein Bemühen, während seiner Leitung des Théâtre Italien (1810 bis 1812) an dem Haus ein erstklassiges Ensemble von Sängern zu installieren. Der Briefwechsel mit den Geschwistern illustriert höchst anschaulich die praktischen Folgen der Weltpolitik für die Bewohner der Marchen, einer Region, die als Teil des Kirchenstaates die unmittelbaren Folgen der napoleonischen und postnapoleonischen Politik zu tragen hatte.

Weitere Bände befinden sich in Vorbereitung.