Die Kantate als aristokratisches Ausdrucksmedium im Rom der Händelzeit (ca. 1695-1715)

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Projektleitung

Prof. Dr. Klaus Pietschmann (Universität Mainz)
in Verbindung mit Prof. Dr. Laurenz Lütteken (Universität Zürich)

Mitarbeiter/in

Dr. Berthold Over (PostDoc-Stelle)
Magdalena Boschung M.A. (Doktorandin)

Kontakt

Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft
Abteilung Musikwissenschaft
Universität Mainz
Jakob-Welder-Weg 18
55128 Mainz
(Postfach: 55099 Mainz)
Tel. (06131) 39-22259
Fax (06131) 39-22993

pietschmann@uni-mainz.de
luetteken@access.uzh.ch
over@uni-mainz.de

Präsentation

Mit der römischen Kantate der Händelzeit nimmt das Projekt eine Gattung in den Blick, deren zentrale Bedeutung für die römische Adelsmusikkultur des Barock ebenso unbestritten wie in zentralen Details ungeklärt ist. Aufgrund der schieren Fülle des musikalischen Materials beschränkte sich bisher die Erforschung der römischen Kantate vor allem auf bibliographische Recherchen und ihre Kontextualisierung im Werk vereinzelter Exponenten wie Georg Friedrich Händel. Eine Beschäftigung mit dem Repertoire und seine Interpretation auf der Basis von Erkenntnissen der jüngeren interdisziplinären Rom- und Adelsforschung fand praktisch nicht statt.

Auf übergeordneter Ebene zielt das Projekt darauf ab, die römische Kantate in ihrer Funktion als adliges Ausdrucksmedium zu verstehen. Kantaten wurden in großen Mengen produziert, waren aber keineswegs belanglose Massenware, sondern wurden archiviert, weitergereicht, in aufwändig gestalteten Handschriften verschenkt, was ihre wie auch immer geartete Bedeutung dokumentiert. Die Textdichter der meist im pastoralen Milieu beheimateten Texte entstammten oft höchsten Adelskreisen, so dass vermutet werden kann, dass sie mit ihren Dichtungen bestimmte Absichten verbanden und die Kantaten im Zeichensystem der Macht eine Rolle spielten. Gleichzeitig soll die Kantatenproduktion Händels in den größeren Kontext der römischen Kantate eingeordnet und neu bewertet werden.

Untersucht werden soll einerseits die Kantatenproduktion Antonio Caldaras für Fürst Ruspoli (1672-1731) (Teilprojekt 1), die ca. 130 Kantaten umfasst, von denen ca. 80 erhalten sind, andererseits das Kantatenrepertoire von vier wichtigen römischen Mäzenen, für die Händel in Rom Kantaten komponierte: Kardinal Benedetto Pamphilj (1653-1730), Kardinal Pietro Ottoboni (1667-1740), Kardinal Carlo Colonna (1665-1739) sowie Fürst Ruspoli (Teilprojekt 2). Methodisch wird dabei einerseits an die Händelforschung angeknüpft, andererseits ein neues Instrumentarium entwickelt, das von der Untersuchung textlicher und musikalischer Codes ausgeht und unter Fruchtbarmachung von Erkenntnissen der jüngeren Adels- und Romforschung dieses Vokabular im Sinne einer symbolischen Kommunikation interpretiert.

Neben Kantaten bekannter Komponisten der Musikgeschichte wie Alessandro Scarlatti, Caldara und Händel wird im Projekt vielfach zum ersten Mal ein Repertoire gewürdigt, das zwar in großen Teilen überliefert, aber nahezu unerforscht ist. Unter den ca. 300 überlieferten Kantaten für die genannten Mäzene finden sich daher Kompositionen von Carlo Francesco Cesarini, Flavio Carlo Lanciani, Severo de Luca, Pietro Paolo Bencini und anderen weniger bekannten Komponisten. Die Untersuchung ihrer Kantatenproduktion verspricht einen deutlichen Erkenntnisgewinn im Hinblick auf den spezifischen musikhistorischen, poetischen, thematischen und musikalischen Kontext, in den die Kantaten Händels eingeordnet werden müssen.

Finanzierung und Projektdauer

Das Forschungsprojekt wird bei einer Laufzeit von zwei Jahren von der Fritz Thyssen Stiftung finanziert.