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Nake

Artifizielle Kunst - Ein Blick auf das Berechenbare und das Schöne

Vortrag von Prof. Dr. Frieder Nake
(Bereich Informatik - Universität Bremen)

 

Als 1965 erstmals Computerbilder in Galerien gezeigt wurden, mit ihnen also der Anspruch erhoben wurde, es handle es sich um Kunst, erhob sich eine gewisse Unruhe unter Künstlern. Max Bense, der scharfsinnige philosophische Wegbereiter der konkreten Kunst, prägte zur Beruhigung das Wort von der künstlichen Kunst. Da Kunst immer künstlich ist, wird zu erklären sein, worum es sich hier handle. Die Erklärung wird in der Verdoppelung aller Gegenstände liegen, die algorithmischer Bearbeitung zugänglich gemacht werden. Wenn Algorithmen dazu entwickelt und eingesetzt werden, Schönes hervorzubringen, so stehen wir unmittelbar vor der Frage, wie denn das Schöne berechenbar gemacht werden könne, wo es doch so vieles mit Überraschung, Abweichung und Interpretation zu tun hat. Im Vortrag soll an einigen Beispielen aufgezeigt werden, was gelegentlich berechenbar gemacht werden konnte und was nicht. Die Zertrümmerung der monolithischen Algorithmen im Steinbruch interaktiven Umgangs mit Software eröffnet Möglichkeiten, die wohl auch als Abkehr von der instrumentalen zur medialen Sichtweise des Computers gekennzeichnet werden mögen. Dem Kunstwerk wie dem Algorithmus liegt die Zeichenthematik zugrunde: In beiden steht uns Welt als Zeichen entgegen. Im Feld ästhetischer Bemühungen treffen wir die generelle Problematik der Informatik in besonderer Form: Je weiter die Formalisierung voranschreitet, um so drängender wirkt das Nichtformalisierbare auf uns ein.

Der Vortrag wird durch einige Dias untermalt.