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Maier

Rekonstruktion von Rapportmustern in der Kunst (Spätmittelalter, Barock)
Muster-Motive, Herstellung und Imitations-Praxis.


Prof. Dr. Sabine Maier
Dipl.-Restauratorin
FH Erfurt, FB Restaurierung



Der hohe Zerstörungsgrad des historischen Muster-Bestandes der Bildenden Kunst verhindert eine Identifikation authentischer Ornament-Zusammenhänge. Infolge von Materialverlust und/oder altersbedingten Veränderungen ist die Lesbarkeit eingeschränkt.
Das Ornament in Form und Material bietet jedoch für die Stilkritik bemalter Flächen einen wesentlichen Anhaltspunkt, so dass sich eine genaue Erfassung des Musterbestandes als nötig erweist. 
Die Herstellung dieser Muster erfolgt aus ökonomischen und kunstästhetischen Absichten häufig durch reproduzierende Verfahren. 
Musterbildungen können durch applizierte Modeldrucke entstanden sein. Imitationen der Goldschmiede-Technik werden seit dem Spätmittelalter durch die stofflich geprägten Textilmuster-Adaptionen abgelöst. Solche Ornamente, die Verwendungs­zweck und Herstellung von Textilien widerspiegeln, bieten neben der symmetrischen, gespiegelten und/oder gereihten Ornament-Bildung auch eine Redundanz im Flächen-Rapport. Die umsetzungsbedingte Fragilität erhält durch die Regel-Haftigkeit latente Rekonstruktions-Hilfen, die oft nur allenfalls einer Spurensicherung dienen können. 
Die Rationalisierungs-Verfahren zur Erzielung von Textur- und Musteridentität sind vielfältig; Prägefolien (sog. Preßbrokate) können als Beispiele besonders gefährdeter Musterbestände gelten. Sie sind nicht nur durch formale Variabilität gekennzeichnet, sondern auch durch spezifische Schichtenbildungen, die noch im gealterten Imitat die Vielfalt des mittelalterlichen Reichtums textiler Gestaltungskraft reflektieren.